Folge des Preisdeckels auf russisches Öl: Tankerstau am Bosporus

Der Preisdeckel auf russisches, über den Seeweg transportiertes Öl gilt seit 5. Dezember 2022. Er gehört zum Ölembargo gegen Russland und verbietet Reedereien, russisches Öl zu verschiffen, ebenso aber Versicherungen, Finanzierern und Ausrüstern von Schiffen, sich am Export des Öls aus Russland zu beteiligen, wenn dieses über 60 Dollar pro Barrel kostet. Es ist ein indirekter Weg, diese Sanktion gegen Russland durchzusetzen, der nun erste Wirkungen zeigt. Jetzt stauen sich die russischen Öltanker am Bosporus (ntv, 06.12.2022).


Handfeste Folgen der Sanktion

Es gibt zwar immer noch einige russische Ölsorten, die etwas mehr als 60 Dollar kosten. Doch Russland schlägt sie offenkundig nur schwer los und bekommt mit seinen Tankern logistische Probleme. Darauf zielten unter anderem die G7, die EU und Australien, die gemeinsam den Preisdeckel für russisches Rohöl verhängt hatten. Ein Tankerstau vor dem Bosporus ist nämlich deswegen entstanden, weil türkische Behörden den Versicherungsschutz der Schiffe kontrollieren. Das berichtete Reuters (Reuters, 10.12.2022)

Russland-Sanktionen: Tankerstau vor dem Bosporus ist entstanden, weil türkische Behörden den Versicherungsschutz der Schiffe kontrollieren.
Folge des Preisdeckels auf russisches Öl: Tankerstau am Bosporus (Symbolbild)

Aktuell soll es sich um mindestens 20 Öltanker in türkischen Gewässern handeln, die mit ihrer Fracht in russischen Schwarzmeerhäfen gestartet waren und in Richtung Mittelmeer unterwegs sind. Laut einem Bericht der Financial Times gibt es auch Tanker, die schon tagelang vor den Dardanellen auf die nötige Durchfahrterlaubnis warten. Dies ist die Meerenge zwischen Marmara- und Mittelmeer. Auch sie sind von der Sanktion betroffen.


Alternativen für Russland kaum in Sicht

Russland kann sein Öl kaum alternativ verschiffen. Reedereien und Versicherer aus Europa und den USA sind bei Öltransporten weltweit dominierend. Es dürfte daher für Russland extrem schwer werden, Öl zu einem Preis über 60 Dollar pro Barrel zu exportieren. Die Türken setzen die Sanktion durch, weil sie um jeden Preis einen sicheren Schiffsverkehr im Bosporus gewährleisten wollen. Wenn es hier ein Tankerunglück gäbe, wäre dies ein umwelttechnischer GAU. Für die Folgen müsste die Versicherung des Tankers aufkommen. Daher lässt der türkische Staat Tanker ohne Versicherungsschutz diesen Meeresweg nicht passieren, weil er sonst auf eigene Rechnung die Umweltschäden beseitigen müsste. Für das Land käme dann zur ökologischen eine wirtschaftliche Katastrophe hinzu.

Gegenreaktion der Russen

Russland hat gleich nach der Ankündigung dieser Sanktion vor einigen Monaten eine Schattenflotte von über 100 gebrauchten Tankern zusammengekauft, um sein Öl doch zum eigenen Preis verschiffen zu können. Als Käufer traten völlig unbekannte, teilweise anonyme Käufer auf. Die Tanker gehören zu Ländern rund um den Globus. Es bleibt für Russland aber das Problem des Versicherungsschutzes. Diesen können nur sehr finanzstarke Assekuranzen anbieten, die über den finanziellen Background verfügen, ein schweres Unglück auch wirklich regulieren zu können.

Solche Gesellschaften gibt es auf der Welt nur wenige, ihren Sitz haben sie wie erwähnt vorrangig in Europa und Nordamerika. Sie werden russisches Öl über der genannten Preisgrenze nicht versichern, weil sie sonst selbst mit harten Sanktionen rechnen müssten. Dass dies der Hintergrund des gegenwärtigen Tankerstaus im Bosporus ist, gilt unter Experten als ausgemacht, auch wenn bislang weder russische noch türkische Behörden dazu Stellung nahmen. Es ist daher nicht vollkommen klar, wegen welcher Kriterien die Tanker gegenwärtig aufgehalten werden.


Selektion durch die türkischen Behörden

Die türkischen Behörden halten beileibe nicht jeden Tanker auf. Nach Berichten von Brancheninsidern gegenüber der Financial Times lassen sie Öltanker passieren, die durch russische Gesellschaften versichert wurden. Offenkundig gibt es einige Assekuranzen in Russland, die dieses Geschäft durchführen können und – wichtiger noch – dies auch wagen, denn auch sie müssen mit westlichen Sanktionen rechnen. Erstaunlicherweise sollen die türkischen Kontrolleure Tanker mit westlichen Versicherungen aufgehalten haben. Vielleicht genügte deren Versicherungsschutz nicht für den betreffenden Transport. Tanker, die Gasoil oder Diesel, aber kein Rohöl geladen haben, dürfen offenkundig ebenfalls passieren. Für diese Produkte wird ab dem 1. Januar 2023 ein EU-Embargo gelten.

Gegenreaktion aus Moskau

Der Kreml hat von Anfang an klargestellt, dass er den Ölpreisdeckel keinesfalls akzeptieren werde. Wie der russische Staat indes darauf reagieren will, ist bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklar. Ein Weg könnte sein, dass er seine eigenen Versicherer mit genügend Finanzmitteln ausstattet, damit diese die nötigen Policen für die Öltanker ausstellen. Darauf deutet das beschriebene Vorgehen der türkischen Behörden hin. Der Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte schon vor Wochen gegenüber russischen Nachrichtenagenturen erklärt, dass sich Russland auf die Sanktion bereits vorbereite. Wahrscheinlich gibt es Maßnahmen im Hintergrund wie die Übernahme des Versicherungsschutzes durch russische Gesellschaften, doch auch eine Gegenreaktion gegen die Staaten, die den Preisdeckel durchsetzten, hat Russland angekündigt. Diese sollen künftig gar kein russisches Öl mehr bekommen.

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