Chinas Städte stehen vor einer schwierigen Wahl: Mehr grüne Energie oder Lebensmittel

Chinas Pläne, den weltweit führenden Ausbau von Solar- und Windenergie zu beschleunigen, stehen vor einer großen Hürde. Überschwemmungen, Dürren und Probleme bei der Nahrungsmittelversorgung stellen die Behörden vor die Frage: Energie oder Lebensmittel – wie viel wertvolles Ackerland kann das Land noch an Wind- und Solaranlagen verlieren?


Bis 2060 soll China kohlenstoffneutral sein

Seit Chinas Präsident Xi Jinping vor zwei Jahren das Ziel verkündet hat, das Land bis 2060 kohlenstoffneutral zu machen, haben Solar- und Windkraftanlagen einen enormen Aufschwung erlebt. Dabei entsteht ein großer Anreiz für lokale Regierungen, mehr Großprojekte im Bereich der erneuerbaren Energien zuzulassen.

Doch die Pandemie und die jüngsten extremen Wetterereignisse haben gezeigt, wie anfällig das Land für Störungen der Lebensmittelversorgung ist. Gute Anbauflächen sind angesichts der 1,4 Milliarden Einwohner des Landes relativ begrenzt. Große Teile der fruchtbarsten Böden in den bevölkerungsreichen östlichen und zentralen Provinzen hat bereits das Wachstum der Städte verschluckt. Da die Behörden nun dem Umweltschutz und der Ernährungssicherheit Vorrang einräumen, müssen Pläne für den Bau großer neuer Solarprojekte immer mehr auf den Prüfstand. Was hat Vorrang – Energie oder Lebensmittel?

Chinas Städte stehen vor einer schwierigen Wahl: Mehr grüne Energie oder Lebensmittel. Viele Wind- und Solarkraftwerke stehen auf Ackerland
Chinas Städte stehen vor einer schwierigen Wahl. Mehr grüne Energie oder Lebensmittel. Viele Wind- und Solarkraftwerke stehen auf Ackerland

China ist bereits der weltweit größte Erzeuger erneuerbarer Energien und verfügt über eine Kapazität von 679 Gigawatt Wind- und Solarenergie sowie weiteren 390 Gigawatt Wasserkraft. Mehr als ein Fünftel der Solar- und Windkraftkapazitäten wurde seit 2020 zugebaut, und die Ausbaupläne der lokalen Regierungen würden das Land bei vollständiger Umsetzung mehr als fünf Jahre früher zu seinem für 2030 angestrebten Ziel von 1.200 Gigawatt bringen (Bloomberg (englisch), 10.08.2022)


Erste Solar- und Windprojekte bereits gestoppt

Im Mai erließ das Ministerium für Wasserressourcen jedoch eine Vorschrift, die Solar- und Windprojekte an einigen Wasserstraßen, Seen und Stauseen verbietet, um die Ökologie zu schützen und eine Überentwicklung zu verhindern, die den Hochwasserschutz beeinträchtigen könnte. Drei Regierungsbehörden, darunter das Ministerium für natürliche Ressourcen, prüfen derzeit einen separaten Verordnungsentwurf, der neue Solarprojekte auf bebauten Flächen oder in Wäldern verbieten würde.

Einige lokale Behörden gehen bereits gegen die Zersiedelung vor. In der Provinz Jiangsu hat man in diesem Jahr eine schwimmende Solaranlage teilweise wieder. Die Anlage, mit einer Leistung von 1 Gigawatt, bedeckte 70 % eines großen Sees. Örtlichen Behörden hatten festgestellt, dass die illegal errichtete Anlage den Hochwasserabfluss behindert.

Die Verschiebung der Prioritäten hat einige Provinzregierungen – insbesondere die im stark urbanisierten Osten – in eine Zwickmühle gebracht. Während sie im Rahmen von Chinas nationalem Klimaversprechen mit einer raschen Dekarbonisierung beauftragt wurden, sehen sie sich gleichzeitig mit einer „roten Linie“ der Zentralregierung zum Schutz von Ackerland konfrontiert.


Ausbau der erneuerbaren Energien wurde ohne Prüfung durchgesetzt

Der Ausbau der erneuerbaren Energien wurde als „politische Errungenschaft“ betrachtet, weshalb einige Behörden „blindlings die Solar- und Windenergie überentwickelt haben“, so Qin Yan, Analyst beim Finanzdatenunternehmen Refinitiv laut Bloomberg (Bloomberg (englisch), 10.08.2022). „Aber es ist unvermeidlich, dass einige Projekte gegen die Vorschriften zum Schutz der Umwelt und des Kulturlandes verstoßen. Die Umweltbehörden haben das Problem erkannt und versuchen, es zu regulieren“.

Die Verlagerung auf den Vorrang von Kulturpflanzen könnte die Entwickler von Solar- und Windenergieprojekten dazu veranlassen, alternative Strategien zu verfolgen. Eine davon besteht darin, erneuerbare Energiesysteme ohne Behinderung der Nahrungsproduktion in landwirtschaftliche Betriebe zu integrieren. Damit käne es zu keinem Zielkonflikt in der Grage Energie oder Lebensmittel.

Seit letztem Jahr hat China Programme wie „Whole-County Rooftop Solar“ gestartet. Das Land hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 mehr als die Hälfte der neu gebauten öffentlichen Gebäude und Fabriken mit Solarzellen zu bestücken (The state council – The people´s republic of china (chinesisch), 30.06.2022)

Eine andere Strategie besteht darin, nach Westen zu gehen, in weniger dicht besiedelte Regionen oder in Berg- und Wüstenregionen mit geringerem landwirtschaftlichen Potenzial, oder bereits degradierte Flächen zu nutzen, wie zum Beispiel stillgelegte Kohleminen. Das Land hat mit dem Bau von 100 Gigawatt solcher Solar- und Windprojekte begonnen, vor allem in den Wüsten, und weitere 450 Gigawatt sollen bis 2030 gebaut werden.

Ein Gebiet, das die Aufmerksamkeit der Solarentwickler auf sich zieht, ist die Wüste Gobi an der Nordgrenze Chinas zur Mongolei, wo Land billig ist und Wind und Sonnenschein reichlich vorhanden sind. Die Wüste ist jedoch Tausende von Kilometern von den größten Städten des Landes und den energiehungrigen Industriezentren entfernt, was den Transport des Stroms teuer macht.


China baut Stromnetz in rasantem Tempo

Um das Potenzial abgelegener Gebiete zu erschließen, baut China im Eiltempo neue Übertragungsleitungen quer durch das Land. Derzeit verfügt das Land über 33 Höchstspannungsleitungen, und State Grid, das 88 % des chinesischen Stromnetzes betreibt, investiert zwischen 2021 und 2025 380 Milliarden Yuan (56 Milliarden Dollar) in den Bau von 38 weiteren Leitungen (The state council – The people´s republic of china (chinesisch), 27.07.2022).

Während diese Lösungen in der Theorie gut sind, wissen die lokalen Behörden in der Praxis, dass sie von den Energieerzeugern viel höhere Einnahmen erzielen können als von Ackerland, und viele verletzen oder beugen die Regeln. Das Geld „fließt in die Sektoren, die am profitabelsten sind“, so Qin.

Anfang dieses Jahres machte ein Streit zwischen Dorfbewohnern im Kreis Xingtang in der nördlichen Provinz Hebei und Arbeitern eines Solarunternehmens landesweit Schlagzeilen. Die örtliche Regierung hatte Ackerland für einen 200-Megawatt landwirtschaftlichen Solarpark gepachtet, und die Landwirte wurden wütend, nachdem das Unternehmen 6,7 Hektar Weizen, der fast reif war, niedermähten.

Dennoch bedeutet die zunehmende Sorge um Ackerland, dass es in den zentralen und östlichen Regionen nach diesem Jahr wahrscheinlich keine Entwicklung von Kraftwerken im großen Maßstab geben wird. Das meiste Wachstum bei den erneuerbaren Energien wird in den nächsten drei Jahren in den nördlichen und westlichen Wüsten stattfinden, so Peng, Generalsekretär der Industriegruppe China New Energy Investment and Finance Alliance.

„Politische Maßnahmen, die Land betreffen, nicht nur im Zusammenhang mit Solarprojekten, gehen eindeutig in Richtung einer Priorisierung der Nahrungsmittelproduktion“, schrieb Peng in einem Kommentar.

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