Wie wirksam ist ein Ölembargo?

Die EU-Kommission will ein Ölembargo gegen Russland erlassen. Bereits zum Jahreswechsel könnte ein entsprechendes Ölembargo wirksam werden. Damit will die EU-Kommission verhindern, dass Russland weiter Geld zur Finanzierung des Kriegs in der Ukraine einnimmt. Gleichzeitig will die EU mit dem Embargo den Druck auf die russische Wirtschaft erhöhen. Der Gedanke, dass die russische Wirtschaft zusammenbricht, wenn der Westen kein Öl mehr abnimmt und dadurch Russland kein Geld mehr einnimmt ist allerdings ziemlich naiv.

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Wirkung eines Ölembargos eher fraglich

Die Politiker suggerieren, dass bei einem Ölembargo Russland auf seinem Öl sitzenbleibt und deshalb zu einem die Ölarbeiter arbeitslos werden und zum anderen der russische Staat keine Einnahmen mehr hat. Das ist allerdings eher ein Wunschdenken.

Wie wirksam ist ein Ölembargo? Ein Ölembargo wird der EU mehr schaden als Russland. Russland wird Handelsströme umlenken.
Wie wirksam ist ein Ölembargo? Ein Ölembargo wird der EU mehr schaden als Russland. Russland wird Handelsströme umlenken.
Bild: Photographer’s Mate 2nd Class Andrew M. Meyers, Public domain, via Wikimedia Commons

Ölembargo führt lediglich zu einem Preiskrieg

Auf dem Ölmarkt wird letztendlich genau so viel Öl gefördert, wie weltweit verbraucht wird. Kein Förderland auf der Welt ist in der Lage, seine Fördermenge so zu erhöhen, um die russischen Fördermengen zu ersetzen. Auch die OPEC Staaten können dies in Summe nicht. Steigt der Westen aus russischem Öl aus, muss er anderen Förderländern so lange mehr bezahlen, bis es bisherigen Käufern aus anderen Staaten zu teuer wird. Staaten, die den Boykott gegen Russland nicht unterstützen, werden dann billigeres russisches Öl kaufen. Zu diesen Staaten gehören energiehungrige Staaten in Asien, wie zum Beispiel China und Indien. Im Gegenzug zahlen die boykottierenden Saaten mehr für Öl aus Ländern wie Saudi-Arabien und anderen. Damit wird die gesamthaft geförderte Menge an Öl lediglich umverteilt. Das einzige, was sich wirklich dabei verändert, ist der Preis.

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Russland wird Handelsströme umlenken

Da Öl mehrheitlich mit Tankern transportiert wird, ist der logistische Aufwand zu einer Umlenkung der Handelsverbindungen nicht allzu groß. Die großen Öltanker können letztendlich viele Häfen in Asien anlaufen. Damit dürfte Russland in wenigen Wochen oder Monaten den Boykott weitgehend umgehen können. Unter Umständen erhalten die Russen dadurch etwas weniger Geld für ihr Öl, aber die Einnahmen werden deshalb nicht signifikant wegbrechen. Lediglich in der Übergangsphase könnten sich die Einnahmen etwas verringern. Aber auch die EU sieht eine entsprechende Übergangsphase vor. Es wäre naiv zu glauben, dass Russland diese Zeit untätig verstreichen lässt.

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Ölembargo wird EU mehr schaden als Russland

Man kann durchaus davon ausgehen, dass ein Ölembargo der EU mehr schaden könnte als Russland. Durch die höheren Preise, die für die Ersatzbeschaffung bezahlt werden müssen, steigt zwangsläufig die Inflation. Eine Erhöhung von Energiekosten wirkt sich letztendlich auf alle Produkte und Dienstleistungen aus. Damit schwächt die Europäische Union auch die eigene Wirtschaftskraft gegenüber China am Weltmarkt. Denn China könnte Energie damit sogar noch günstiger beziehen. Durch die steigende Inflation wird zudem die Kaufkraft innerhalb der EU reduziert. Diese Spirale könnte durchaus in einer kräftigen und langanhaltenden Rezession enden. Wirtschaftsminister Habeck hat es so bezeichnet: „Wir werden ärmer werden“.