Gasmangellage: Debatte um Fracking in Deutschland

Das Fracking bleibt in Deutschland ein brisanter Diskussionsgegenstand. Andere Länder nutzen es schon immer (USA) oder wieder. In Großbritannien hatte seit 2019 bis September 2022 ein Frackingmoratorium bestanden, das die neue Premierministerin Liz Truss nun aufheben ließ. Die Briten dürften damit alsbald wieder heimisches Erdgas per Fracking fördern (Tagesschau, 23.09.2022).


Fracking: Welche Rechtslage besteht in Deutschland?

In Deutschland ist bislang kommerzielles unkonventionelles Fracking noch verboten. Doch die Debatte darum nimmt angesichts der Gasmangellage immer mehr an Fahrt auf. Seit den Sabotageakten gegen die unterseeischen Erdgaspipelines Nord Stream 1 und 2 am 26. September 2022 dürften es Frackinggegner zunehmend schwer haben. Russland kann nun kein Erdgas mehr via Ostsee nach Europa liefern, selbst wenn es wollte. Es müssen Alternativen her. Eine davon heißt Fracking.

Das Verfahren heißt korrekt Hydraulic Fracturing und fördert Öl und Gas mithilfe von Chemikalien und Druck aus tiefen Gesteinsschichten. Konventionelles Fracking beutet Vorkommen in Sandstein aus. Unkonventionelles Fracking in Schiefer- und Kohleflözgestein, wo es auch in Deutschland gewaltige Gasvorkommen gibt. Dennoch wurde unkonventionelles Fracking in Deutschland 2016 verboten. Und das obwohl auch hierzulande seit den 1960er Jahren Gas durch Fracking gefördert wurde, wobei übrigens nie ein Schaden auftrat.

Diskussion um Aufhebung des Frackingverbots in Deutschland. Großbritannien lässt Fracking zur Energiesicherung wieder zu
Diskussion um Aufhebung des Frackingverbots in Deutschland. Großbritannien lässt Fracking zur Energiesicherung wieder zu
Bild: Joshua Doubek, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Gefahren für die Umwelt, die Natur und sogar Menschen erschienen allerdings nach einer mehrjährigen Diskussion ab 2016 als zu weitreichend. Unkonventionelles Fracking verbraucht sehr viel Wasser, verschmutzt unter Umständen das Grundwasser und kann sogar Erdbeben auslösen. Nicht nur Deutschland, sondern auch Großbritannien, Frankreich, Dänemark, die Niederlande und Bulgarien verboten es daher in den letzten Jahren. In den USA hingegen erlauben es noch viele Bundesstaaten. Große Schäden dadurch wurden in jüngerer Zeit nicht mehr bekannt (bis in die 1990er Jahre vereinzelt), der Erfolg spricht für sich: Die USA wurden auch durch Fracking inzwischen unabhängig von Energieimporten. Seit 2019 sind sie sogar ein Netto-Energieexporteur.

Das nach Deutschland gelieferte US-amerikanische LNG, auf das wir nun dringend angewiesen sind, stammt zu einem guten Teil aus Fracking. Daher bezeichnen Kritiker das deutsche Frackingverbot als pure Heuchelei. Wir wollen damit unsere Umwelt schützen und keinerlei geologische Risiken eingehen, doch die Amerikaner sollen diese auf sich nehmen, um unsere Energieversorgung zu sichern. Dieser Standpunkt ähnelt dem beim militärischen Schutz, wo wir uns auch auf die US-Streitkräfte in der NATO verlassen, anstatt eine eigene schlagkräftige Armee (im Verbund mit anderen Europäern) aufzubauen.


Folgen des Frackings in den USA

Seit über 20 Jahren gilt Fracking in den USA als sicher. Die Energieversorgung einzelner Bundesstaaten und des gesamten Landes stützt sich in hohem Maße darauf. Pennsylvania bezeichnet sich stolz als „Saudi-Arabien des Erdgases“. Der Gaspreis ist in den USA durch den Frackingboom deutlich gesunken und stieg erst wieder an, als Europa ab Mitte 2022 immer weniger Erdgas aus Russland bekam, die Gaspreise auf dem Kontinent explodierten und die Europäer in großen Mengen LNG aus den USA zu importieren begannen. Es gibt nun sogar eine Diskussion in den USA dazu: Die Amerikaner beklagen, dass die stark erhöhte Nachfrage aus Übersee auch ihre einheimischen Gaspreise erhöht.

Die Exportmenge von US-amerikanischen LNG dürfte im Jahr 2022 ein Volumen von rund 15 Milliarden Kubikmetern erreichen. Natürlich reagieren auch die einheimische Politik und deutsche bzw. europäische Experten auf die Situation – mit mehr oder weniger Geschick und Expertise. Mit seinem Vorschlag, deutsches Erdgas doch in Niedersachsen, aber bloß nicht in Bayern fracken zu lassen, desavouierte sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nur ein weiteres Mal.

Der Hauptgeschäftsführer BVEG (Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie) Ludwig Möhring allerdings, ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet, wies ebenfalls vor wenigen Tagen darauf hin, dass Deutschland sein Frackingverbot dringend überdenken solle, denn dies sei viel weniger bedenklich als öffentlich kommuniziert und sogar klimapolitisch ratsam. Wenn nämlich gefracktes Erdgas zu LNG verflüssigt, dann transportiert und schließlich wieder regasifiziert wird, verbrauchen diese Vorgänge 20 % seiner Kapazität – mit entsprechenden Folgen für den CO₂-Fußabdruck. Daher sei für Deutschland die Schiefergasproduktion eine sehr brauchbare Option, so der Fachmann. Sie würde die Energiesicherheit hierzulande erhöhen, die Gaspreise sofort und signifikant senken sowie insgesamt das Weltklima etwas mehr schützen.


Kommt das Fracking in Deutschland wieder?

Wahrscheinlich nicht so schnell, denn es bleibt politisch umstritten. Der ARD-Deutschlandtrend im August 2022 zeigte eine Ablehnung des Frackings von 56 % der Befragten, nur 27 % wären dafür. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) spricht sich für verantwortungsbewusstes Fracking aus, der NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) äußert starke Bedenken. Wie sich die Diskussion entwickelt, dürften schon die nächsten Wochen mit einer möglichen Gasmangellage im Winter zeigen.

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