Logistikbranche: AdBlue bleibt nach wie vor knapp

Der Dieselstoff AdBlue bleibt wegen des Gasmangels in der Chemiebranche knapp, was die Lieferketten der Logistikbranche bedroht. Deren Lkws fahren mit Dieselkraftstoff, die AdBlue für die Abgasnachbehandlung benötigen. Diese Harnstofflösung reduziert die vom Dieselmotor ausgestoßenen Stickoxide (NOx) mit einer Effizienz bis ~ 90 %. Sie kommt in den Katalysator des Fahrzeugs. Ihre Anwendung ist vorgeschrieben, ansonsten dürfen die Laster nicht fahren. Wenn AdBlue fehlt, könnten unter Umständen Supermarktregale leer bleiben (t-online, 26.09.2022).


AdBlue-Krise: Mangel mit Ansage

Die Krise beim AdBlue hat wie die meisten Versorgungskrisen begonnen: Zunächst wurde der wichtige Stoff sehr viel teurer. Sein Preis hat sich gegenüber dem Stand von Januar 2021 in etwa vervierfacht. Die Tankstellen rufen aktuell um 1,70 bis 1,80 €/l AdBlue auf. Natürlich wird der Zusatzstoff auch zu diesen Preisen von den Spediteuren gekauft, denn nur damit lassen sich die vom Motor ausgeschiedenen Schadstoffe ausreichend reduzieren. Jedes Fahrzeug hat einen eigenen Tank für AdBlue. Wenn dieser nicht regelmäßig befüllt wird, lässt sich der Motor gar nicht starten oder höchstens im Notlauf betreiben.

Nach dem enormen Preisaufschwung wird nun der wichtige Zusatz knapp. Das Chemieunternehmen SKW Piesteritz, einer der wichtigsten deutschen AdBlue-Produzenzen, ließ über einen Sprecher vor einigen Wochen mitteilen, dass man nichts mehr produziere und sich die Lager inzwischen leeren würden. Auch vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung kamen Warnmeldungen. Dessen Hauptgeschäftsführer Dirk Engelhardt teilte via BILD mit, dass ohne AdBlue die Brummis nicht fahren könnten, ohne Brummis aber die Versorgung in Deutschland kollabieren dürfte. Das war an Dramatik nicht mehr zu übertreffen, doch es ist die bittere Wahrheit.

 Lieferketten durch AdBlue-Mangel in der Logistikbranche bedroht. Volatile Lage auf dem AdBlue-Markt. Kein chemischer Ersatz für AdBlue
Lieferketten durch AdBlue-Mangel in der Logistikbranche bedroht. Volatile Lage auf dem AdBlue-Markt. Kein chemischer Ersatz für AdBlue
Bild: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / “Rhede, Große-Vehne Transporte u. Spedition — 2014 — 2039 — Ausschnitt” / CC BY-SA 4.0

Volatile Lage auf dem AdBlue-Markt

Die Lage bleibt volatil und dabei angespannt. Das Chemieunternehmen SKW Priesterwitz konnte inzwischen seine Produktion wieder aufnehmen. Doch dies könnte nur vorübergehend Entlastung bringen, denn AdBlue ist schon seit Ende 2021 knapp. Damals stiegen erstmals die Gaspreise, obwohl der Ukraine-Krieg noch gar nicht begonnen hatte. Ein wichtiger AdBlue-Produzent hatte seinerzeit schon angekündigt, die Herstellung des Harnstoffs zu beenden. Logistikexperten zeichnen derzeit ein düsteres Gesamtbild: Die Logistikbranche muss permanent befürchten, dass der Dieselzusatz wieder knapper wird.

Es ist eine Krise mehr am Industriestandort Deutschland, die auf andere große Krisen beispielsweise bei den Halbleitern, somit auch in der Chipindustrie folgt. Ob sie sich bald lösen lässt, ist derzeit noch völlig offen. Natürlich sind nicht nur die Lkws betroffen, denn auch moderne Diesel-Pkws brauchen AdBlue, nämlich fast alle, deren Motoren die Euro-6-Norm erfüllen, und teilweise auch diejenigen mit der Euro-5-Norm. Das sind in ganz Deutschland über 10 % aller Pkws. Eine weitere Fahrzeugkategorie sind Busse, auf die Menschen in sehr vielen ländlichen Gegenden dringend angewiesen sind. Landwirte fahren Traktoren mit Dieselmotor, auch ihre großen Sattelschlepper für den Viehtransport sind so motorisiert. AdBlue ist ein bislang wenig beachteter, aber essenzieller Schmierstoff für unsere Wirtschaft.


Kein chemischer Ersatz für AdBlue

AdBlue lässt sich durch nichts ersetzen. Seine Herstellung im Haber-Bosch-Verfahren auf der Basis von Wasserstoff, Ammoniak und Erdgas ist alternativlos, weshalb die Gasmangellage direkt die AdBlue-Produktion bedroht. Es gibt zwar Forschungen zur Substitution der Roh- und Zusatzstoffe, doch diese stecken in den Kinderschuhen und werden auf absehbare Zeit nicht dazu führen, den enormen AdBlue-Bedarf decken zu können.

Die deutsche Logistikbranche benötigt täglich 2,5 Millionen Liter davon, die privaten Autos sogar 5,1 Millionen Liter. Diese Zahlen müssen umso dramatischer in Relation zur Notfallreserve an AdBlue erscheinen, welche die Hersteller vorhalten. In Piesteritz sind es nur 1,0 Millionen Liter, damit würden im größten Notfall mittelständische Speditionen beliefert. Wenn die AdBlue-Produktion wirklich einmal länger ausfallen würde, stünde die deutsche Logistik auf der Straße binnen weniger Tage still.

Wie könnte es mit der AdBlue-Produktion weitergehen?

Im kommenden Winter stellt sich die Frage, wer aus den bislang relativ gut gefüllten Gasspeichern Gas erhält, wenn der Nachschub ausbleibt: Gaswerke für die Stromversorgung, private Verbraucher, die Schwerindustrie oder die Chemiebranche? Jeder ein wenig oder auch eine Branche gar nichts? Sollte Letzteres die Chemieindustrie betreffen, könnte es in der Tat phasenweise kein AdBlue mehr geben. Es setzt jetzt schon eine erhöhte Nachfrage danach für die Bevorratung ein. Dazu rät sogar der ADAC den Fahrern eines Diesel-Pkw.

Sie sollen zunächst den AdBlue-Tank am Wagen auffüllen und möglicherweise auch kleinere Mengen einlagern. Hierfür sind bestimmte Bedingungen zu beachten: Die Lagertemperatur von AdBlue muss -5 bis 20 °C betragen, der Ort muss lichtgeschützt, trocken und gut belüftet sein. Unter diesen Bedingungen ist AdBlue für 12 Monate haltbar. Die Logistikbranche versuchet das auch, doch es belastet sie enorm auf der Kostenseite. Daher sind wegen eines AdBlue-Mangels tatsächlich Versorgungsengpässe in den Supermärkten in den kommenden Wintermonaten nicht ganz auszuschließen.

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