Während andere Hersteller weltweit wachsende Verkaufszahlen bei Elektroautos vermelden, bleibt Toyota hinter den Erwartungen zurück. Im Februar 2025 stieg der Absatz batterieelektrischer Fahrzeuge in Deutschland um mehr als 30 Prozent. Weltweit lag der Zuwachs im Januar bei rund 24 Prozent. Trotz dieses globalen Trends verzichtet Toyota auf den Bau einer neuen Batteriefabrik im japanischen Fukuoka (golem: 25.03.25).
Rückzug aus Batteriefabrik trotz Boom
Laut der Zeitung Asahi Shinbun verzichtet Toyota auf das Großprojekt wegen schwacher Nachfrage. Gemeint sind jedoch offenbar nur die eigenen Modelle, denn der Markt insgesamt zeigt deutliche Dynamik. Der bZ4X, bislang das einzige vollelektrische Serienmodell des Konzerns, bleibt deutlich hinter den Absatzzielen zurück. Neue Modelle wie der Urban Cruiser sollen künftig mehr Käufer ansprechen, doch ein Durchbruch bleibt bislang aus.

Die angekündigte Batteriefabrik hätte leistungsstarke Akkus liefern sollen, mit Reichweiten bis zu 1.000 Kilometern. Sie war ursprünglich für 2028 geplant. Die Fertigungskosten sollten dabei um rund 20 Prozent unter dem Branchendurchschnitt liegen. Der Rückzieher könnte Toyotas Aufholjagd auf dem globalen E-Auto-Markt deutlich bremsen.
Wirtschaftliche Gründe spielen mit
Neben dem geringen Absatzvolumen führen auch wirtschaftliche Faktoren zum Projektstopp. Hohe Baukosten und steigende Löhne stellen zusätzliche Hürden dar. Präsident Sato Koji plant, persönlich nach Fukuoka zu reisen, um der Verwaltung die Entscheidung zu erläutern. Intern wurde das Projekt bereits als strategisch zu riskant eingestuft.
Schon 2021 hatte Toyota angekündigt, bis 2030 dreißig verschiedene Elektrofahrzeuge anzubieten. Ein Jahr später folgte eine Neuausrichtung. Zahlreiche geplante Modelle verschwanden aus den Entwicklungsprogrammen. Statt in ein breites Sortiment zu investieren, setzt Toyota nun auf günstigere Fahrzeuge für preissensible Märkte.
Technologischer Rückstand auf die Konkurrenz
Der Verzicht auf die Batteriefabrik verschärft den Rückstand gegenüber führenden Herstellern. BYD mit der vielbeachteten Blade-Batterie, CATL aus China sowie der südkoreanische Konzern LG haben sich längst auf dem Weltmarkt etabliert. Sie liefern nicht nur Reichweitenvorteile, sondern auch Kosteneffizienz auf hohem Niveau.
Die Entscheidung gegen eine eigene Produktion solcher Akkus reduziert die Innovationskraft von Toyota im Bereich der Elektromobilität. Zwar stehen neue Modelle in der Pipeline, doch ohne technologische Eigenständigkeit könnte die Wettbewerbsfähigkeit weiter leiden.
Strategiewechsel mit Risiken
Mit dem Kurswechsel setzt Toyota auf Volumen statt Innovation. Das Ziel: bezahlbare E-Autos für Massenmärkte, insbesondere in Schwellenländern. Diese Strategie birgt allerdings Risiken. Während andere Hersteller gezielt auf Effizienz, Ladegeschwindigkeit und Reichweite setzen, bleibt Toyota in zentralen Entwicklungsfeldern zurückhaltend.
Die Frage, ob der Fokus auf preisgünstige Modelle ohne Unterstützung durch eine eigene Batteriefabrik langfristig tragfähig ist, bleibt offen. Der Markt verändert sich rasant – und mit ihm die Anforderungen der Kunden. Technologische Führerschaft könnte zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden. Toyota steht damit vor einer strategischen Weggabelung: Entweder gelingt der Spagat zwischen Kostenreduktion und Innovationskraft – oder der Konzern verliert dauerhaft den Anschluss.
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