Windparks in Lateinamerika: Indigene Ablehnung und deutsche Förderung

In Lateinamerika finanziert die EU eine Energiewende, die von bei vielen Ureinwohnern auf massiven Widerstand stößt. Indigene Völker fühlen sich spirituell enteignet und haben Sorgen um die Tierwelt wie Flamingos, Fledermäuse und die einzigartige Natur. Doch das ist nicht die einzige negative Auswirkung der deutschen Energiepolitik (Welt: 19.07.23).


Ureinwohner kämpfen gegen Windparks in Lateinamerika

Auf der „Isla Grande“, die zu den „Islas del Rosario“ in der Karibik gehört, steht ein einsames Windrad wie ein totes Gerippe. Die indigenen Bewohner berichten, dass der Motor in Brand geriet, und niemand weiß, wie es zu reparieren ist. Niemand auf dem kolumbianischen Festland fühlt sich zuständig, daher verfällt das einstige Symbol des Fortschritts nun vor sich hin. Statt erneuerbarem Strom liefert seitdem ein Diesel-Generator die Energie.

Nicht nur technische Probleme wie das vergessene Karibik-Windrad verursachen Misstrauen und Widerstand bei den Ureinwohnern. Fast überall in Chile, Kolumbien oder Mexiko reagieren die naturverbundenen Urvölker skeptisch und ablehnend auf die von Brüssel und Berlin vorangetriebene Windenergie beim aktuellen EU-Lateinamerika-Gipfel.

Indigene Völker kämpfen gegen von der EU finanzierte Windparks in den Wäldern Lateinamerikas. Einzigartige Natur in Gefahr
Indigene Völker kämpfen gegen von der EU finanzierte Windparks in den Wäldern Lateinamerikas. Einzigartige Natur in Gefahr
Bild: M M from Switzerland, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Während Solarenergie auf mehr Sympathie trifft, stoßen Windparks manchmal auf heftigen Widerstand. Die Menschen haben Angst vor der Gefährdung von Vögeln und Tieren. Sie sind wütend, dass heilige Stätten für Windkraftanlagen entweiht werden und befürchten, ähnliche negative Erfahrungen mit internationalen Energieunternehmen, die Kohle, Gas und Öl fördern, könnten sich wiederholen. Diese Unternehmen profitieren fast allein, während die einheimische Bevölkerung leer ausgeht.


Indigene Völker kämpfen gegen Windparks: Flamingos, Fledermäuse und die einzigartige Natur in Gefahr

Von Nord- bis Südamerika gibt es eine bemerkenswerte Gegenreaktion gegen die als umweltfreundlich geltende Energieform in Europa. Einige Naturvölker empfinden sie jedoch als kulturelle und territoriale Bedrohung. In der unruhigen Region „La Araucania“ südlich der chilenischen Hauptstadt Santiago haben radikale chilenische Ureinwohner vor einigen Monaten einen Windpark in Brand gesteckt und Dutzende Lastwagen angezündet. In einem Bekennerschreiben wurde die Entfernung des Windparks aus dem traditionellen Gebiet der Mapuche, dem „Wallmapu“, gefordert.

Joanna Barney, eine Forscherin von Indepaz, einer Menschenrechtsorganisation in Kolumbien, brachte in den lokalen Medien die Besorgnis und Ängste der indigenen Bevölkerung in der windreichen Provinz La Guajira auf den Punkt. „In Kolumbien sind Flamingos eine wichtige Symbolfigur. Sie ziehen viele Touristen an, aber sie sind nicht die einzigen Tiere, die durch Windparks stark betroffen sind.“

Die NGO hat auch zahlreiche verletzte Fledermäuse entdeckt. Die Fledermäuse verbreiten Samen verschiedener Früchte. Diese Früchte sind eine wichtige Nahrungsquelle für die Wayuu-Indigenen, insbesondere für ihre Ziegen. Wenn die Fledermäuse sterben, wird die Bestäubung gestört. Das bedroht das Überleben der Wayuu, die keine andere Möglichkeit haben, in der Wüste zu überleben. Forscherin Barney befürchtet, dass dies Auswirkungen auf die Nahrungskette haben könnte.

Im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca gibt es einen langjährigen Streit zwischen der indigenen Gemeinde Union Hidalgo und einem französischen Unternehmen. Es geht um den Bau von 115 Windkraftanlagen. Bettina Cruz, Mitglied des Indigenen Regierungsrates CNI, äußerte sich in einem Interview mit „Mongabay“. Sie betonte, dass die vielen Energie- und Verkehrs-Megaprojekte in Mexiko ein gemeinsames Ziel hätten: Die indigenen Völker loszuwerden, da sie Hindernisse für diese Projekte darstellen. Cruz spricht von einer Privatisierung des Windes durch internationale Konzerne.

Windenergie in Lateinamerika: Deutsche Unterstützung und kontroverse Reaktionen vor Ort

In Berlin ist die Begeisterung für Windparks größer als bei den betroffenen indigenen Gemeinden. Die Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) versprach Kolumbien eine finanzielle Unterstützung von bis zu 200 Millionen Euro für die Umsetzung der nationalen Klimaziele. Deutsche Unternehmen zeigen zunehmendes Interesse an Engagement in Kolumbien, einige haben bereits Verträge abgeschlossen.

Mit den Finanzhilfen aus Deutschland reiste Kolumbiens erster linker Präsident Gustavo Petro in die Provinz „La Guajira“, um als Cheflobbyist für Windenergie zu fungieren, Bedenken auszuräumen und den Schaden, den die deutsche Energiepolitik vor Ort mitverursacht hat, wieder gutzumachen.

Während deutsche Politiker wie Robert Habeck, Annalena Baerbock und Svenja Schulze in den letzten Monaten in Kolumbien vor Ort waren, vermieden sie einen Besuch in La Guajira. Petro hingegen verlegte sogar eine mehrtägige Kabinettssitzung in die Region, die zu einem deutsch-kolumbianischen Schlüsselprojekt für die Energiewende geworden ist.


Deutschlands zunehmender Kohleimport und die Auswirkungen auf die Ureinwohner

Deutschland bezieht ausgerechnet von hier immer mehr Kohle, da es wegen des Importstopps für russische Kohle infolge des Angriffskrieges auf die Ukraine im eigenen Land nicht mehr gefördert wird.

Petro sprach vor Ort aus, was die deutsche Politik nicht hören wollte: Der Kohleabbau dort sei mitverantwortlich für den Tod vieler indigener Kinder aufgrund von Unterernährung. Indigene Aktivisten machen die Kohlemine „El Cerrejon“ mit ihrem hohen Wasserverbrauch für diese Probleme verantwortlich. Nun wollen die Deutschen anscheinend mit Hochdruck etwas gutmachen, koste es, was es wolle.

Allerdings droht, dass die deutsche und kolumbianische Regierung erneut die Bedenken der lokalen indigenen Bevölkerung bei der Windenergie ignorieren könnten. Die Wayuu-Indigenen müssen vorerst mit weiteren Kohleexporten zurechtkommen. Der kolumbianische Branchenverband sagt eine Steigerung auf über 70 Millionen Tonnen für dieses Jahr voraus.

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