Hohe Energiekosten: Thyssenkrupp warnt vor Verlust des Stahl-Standorts Deutschland

Vor einem Jahr versprach Wirtschaftsminister Habeck Thyssenkrupp zwei Milliarden Euro Fördergeld aus Steuermitteln. Nun klagt der Stahl-Konzern erneut: Energie sei zu teuer, die Nachfrage zu gering. Eine Umstrukturierung und ein neuer Partner sollen die Lösung bringen (welt: 15.05.24).


Thyssenkrupp warnt: Hohe Energiekosten gefährden Deutschlands Stahl-Zukunft

Thyssenkrupp sieht den Stahl-Standort Deutschland in Gefahr. „Die Zukunft ist massiv gefährdet“, betonte Vorstandschef Miguel Angel López bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Die Nachfrage, etwa aus der Automobilindustrie, sei seit Jahren zu gering. Vor allem aber seien die Kosten zu hoch, insbesondere für Energie. „Wir haben ein energetisches Standort-Defizit.“ Daher plant Thyssenkrupp eine Restrukturierung der Stahlsparte und eine deutliche Reduzierung der Produktionskapazitäten im Stammwerk in Duisburg.

Thyssenkrupp warnt: Hohe Energiekosten gefährden Deutschlands Stahl-Zukunft. Zukunft des Standorts Deutschland massiv gefährdet
Thyssenkrupp warnt: Hohe Energiekosten gefährden Deutschlands Stahl-Zukunft. Zukunft des Standorts Deutschland massiv gefährdet

Deutschlands größtes Stahlwerk ist auf ein Produktionsvolumen von rund 11,5 Millionen Tonnen ausgelegt. Künftig sollen dort nur noch Anlagen mit einer Kapazität von rund neun Millionen Tonnen stehen. „Duisburg und das Ruhrgebiet hatten in der Vergangenheit Standortvorteile, von denen zwei entscheidende inzwischen nicht mehr existieren“, erklärte López. „Weder ist Deutschland beziehungsweise Europa heute das Zentrum der globalen Stahlnachfrage, noch haben wir die für die energieintensive Stahlproduktion nötigen Energiequellen vor der Türe, insbesondere dann nicht, wenn Energie und Stahlproduktion künftig grün sein sollen.“ Diese Entwicklung bedrohe den Stahl-Standort Deutschland.


Milliarden für grüne Transformation: Thyssenkrupp kämpft mit hohen Energiekosten

Parallel zur Standortverkleinerung steht die milliardenschwere grüne Transformation an – weg von der CO₂-intensiven klassischen Hochofenroute mit Koks und Kohle hin zu einer emissionsarmen Produktion in sogenannten Direktreduktionsanlagen, die idealerweise mit grünem Wasserstoff betrieben werden. „Nachteile gibt es damit auch gegenüber China, Indien und Korea, die eine vollständige Dekarbonisierung ihrer Stahlindustrie viel später vollziehen als Deutschland und Europa“, so López.

Für die Transformation hat Thyssenkrupp, wie andere Stahlhersteller in Deutschland, Fördergelder erhalten. Der M-Dax-Konzern bekommt alleine zwei Milliarden Euro Steuergeld vom Bund und vom Land Nordrhein-Westfalen. Experten sagen, dass der Energiebedarf – sei es bei Strom, Gas oder Wasserstoff – mit dem Umbau nochmals steigen wird. Dies erhöht den Druck auf die Kosten weiter. Die enormen Kosten der Energiewende belasten langfristig die energieintensive Schwerindustrie in Deutschland, zu der die Stahlproduktion zählt.

Gleichzeitig kämpfen die deutschen Anbieter mit der Konkurrenz aus Fernost. „Billigimporte aus Asien machen uns das Leben schwer“, beschrieb López. Vor allem chinesische Hersteller, die mit über einer Milliarde Tonnen für mehr als die Hälfte der weltweiten Rohstahlproduktion stehen, drängen nach Europa. Der schwache Bausektor in China, der üblicherweise 30 Prozent zur jährlichen Nachfrage beiträgt, sucht angesichts der Immobilienkrise neue Abnehmer im Ausland. Die monatlichen Stahlexporte aus China haben sich seit Anfang 2022 mehr als verdoppelt.

Strategische Neuausrichtung und Partnerschaften

Mehrere Länder haben Antidumping-Verfahren gegen China eingeleitet. Die USA erwägen, bestehende Zölle auf chinesischen Stahl auf 25 Prozent zu verdreifachen. Sollten die USA erfolgreich gegen Importe vorgehen, könnten diese Lieferungen in andere Länder umgeleitet werden und dort die Preise drücken. Brasilien, Vietnam, die Philippinen, die Türkei und Großbritannien haben bereits Antidumping-Verfahren gestartet.

Thyssenkrupp reagiert auf diese Herausforderungen mit einer umfassenden Restrukturierung. „Es sind tiefgreifende Veränderungen nötig und zum Teil auch schmerzhafte Einschnitte“, kündigte Vorstandschef López an. Der Businessplan werde vom Vorstand der Stahlsparte Steel Europe erarbeitet. Eine Aufgabe der Stahlproduktion in Duisburg ist jedoch keine Option. „Deutschland braucht Stahl und sollte sich schon aus Resilienz-Gründen nicht komplett von anderen Ländern abhängig machen.“

Thyssenkrupp geht diesen Weg nicht alleine. Der Konzern hat kürzlich angekündigt, 20 Prozent der Anteile an Steel Europe an die EP Corporate Group (EPCG) des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky zu verkaufen. Der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp soll am kommenden Donnerstag über den Deal abstimmen. Später soll EPCG noch weitere 30 Prozent erwerben und mit Thyssenkrupp ein gleichberechtigtes 50/50-Joint-Venture gründen. Diese Verselbstständigung des volatilen und kapitalintensiven Stahlbereichs mit seinen rund 27.000 Beschäftigten würde auch die Bilanz des Gesamtkonzerns entlasten. Verluste und Pensionsverpflichtungen in Höhe von rund 2,6 Milliarden Euro würden dann woanders anfallen.


Stahl-Krise hinterlässt Spuren: Thyssenkrupp mit Millionenverlust und gesenkter Prognose

Dennoch zeigen sich die Folgen der Stahl-Krise in den Zahlen. Probleme gibt es aber auch in anderen Sparten. „Wir spüren die wirtschaftlichen Auswirkungen des anhaltend herausfordernden Umfelds“, erklärte Klaus Keysberg, der scheidende Finanzvorstand von Thyssenkrupp.

Im ersten Halbjahr des bis Ende September laufenden Geschäftsjahres 2023/2024 verzeichnete Thyssenkrupp einen Verlust von 392 Millionen Euro. Keysberg senkte die Prognose – schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate. Erwartet wird nun ein Nettoverlust im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Beim Umsatz rechnet Thyssenkrupp mit Zahlen unterhalb des Vorjahres. Zuvor war noch ein Wert auf Vorjahresniveau in Aussicht gestellt worden.

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