Dekra-Chef: Wasserstoff gehört nicht in unsere Gasleitungen

Dekra-Chef Stan Zurkiewicz hat sich kritisch zum Einsatz von Wasserstoff als Ersatz für Erdgas geäußert. Die vorhande Infrastruktur sei in Deutschland aktuell nicht für den Einsatz von Wasserstoff geeignet (Manager-Magazin: 24.10.22)


Heutige Gasleitungen für Wasserstoff nicht geeignet

Nach Ansicht des Dekra-Chefs ist Deutschland für einen großflächigen Einsatz von Wasserstoff noch nicht bereit. „Wasserstoff ist eine hochexplosive Chemikalie. Und es ist eine Chemikalie, die die Behälter, in denen sie transportiert wird, sehr aggressiv angreift“, sagte der Dekra-Vorstandsvorsitzende. Die Materialien würden durch Wasserstoff verspröden und dadurch könne das hochexplosive Gas unkontrolliert austreten.

Dekra-Chef: Heutige Gasleitungen für Wasserstoff nicht geeignet. Wasserstoffversprödung hat bereits zu mehreren Unfällen geführt
Dekra-Chef: Heutige Gasleitungen für Wasserstoff nicht geeignet. Wasserstoffversprödung hat bereits zu mehreren Unfällen geführt
Bild: ReubenGBrewer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die heutigen Gasleitungen bis hin zu den Pipelines wären für den Transport von Wasserstoff deshalb nicht geeignet und müssen entsprechend umgerüstet werden. Der Dekra-Chef hält die bestehende Infrastruktur angesichts der chemischen Eigenschaften von Wasserstoff nicht für sicher genug. „Ich würde sagen: Noch nicht“, sagte Zurkiewicz. Mit diesem Thema müssten sich auch die Autohersteller und andere Industrien, die Wasserstoff als Energiequelle nutzen wollen, beschäftigen.


Gasleitungsnetz müsste komplett umgerüstet werden

Das weitläufig ausgebaute deutsche Leitungsnetz für Erdgas sei nach Ansicht des Dekra Chefs nicht für den Transport von Wasserstoff verwendbar. Im Grunde gibt es beim Leitungsnetz dasselbe Problem, wie beim Transport in geschlossenen Behältern. Das komplette Leitungsnetz müsste deswegen auf den Betrieb mit dem flüchtigen Gas umgerüstet werden. Die Alternative dazu wäre eigene, parallel aufgebaute Wasserstoff-Infrastruktur. Beide Möglichkeiten seien allerdings mit extrem hohen Kosten und großem Zeitaufwand verbunden. Die Politik müsse diese sicherheitsrelevanten Faktoren bei Diskussionen um den Energieträger Wasserstoff mit berücksichtigen.

Unter der Wasserstoffversprödung versteht man die Änderung der Werkstoffeigenschaften durch das Eindringen und die Einlagerung von Wasserstoff. Diese Folge ähnelt einer Materialermüdung. Durch die Wasserstoffversprödung kommt es zur Rissbildung, womit der Einsatz der Materialien in der Wasserstofftechnologie stark begrenzt ist.

Wasserstoffversprödung hat bereits zu mehreren Unfällen geführt

Wasserstoffversprödung hat bereits zu Schäden an Anlagen geführt. So zum Beispiel im Januar 2018, als es bei einer 22-Zoll-Erdgastransportleitung zu einem Bruch im laufenden Betrieb kam. Der Bruch war auf einen Riss, der durch Wasserstoffversprödung entstand, zurückzuführen. In Hanau kam es im Jahr 1991 ohne ersichtlichen Grund zu einem Bersten eines 100 m³ Wasserstofftanks. Ursache war ebenfalls ein Risswachstum infolge einer Wasserstoffversprödung. In der Literatur werden mehrere weitere Unfälle an Pipelines seit dem Jahr 2000 auf Wasserstoffversprödung zurückgeführt (Wikipedia: Wasserstoffversprödung)

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