Windpark Königseiche: Messung mit gedrosselten Windrädern – Betreiber spricht von Versehen

Im Uhinger Ortsteil Baiereck im Kreis Göppingen eskaliert der Streit um den Windpark Königseiche erneut. Bei einer Lärmmessung vom 13. auf den 14. März 2026 liefen die beiden Anlagen nicht im vorgesehenen Mode 0. Stattdessen war der reduzierte Mode 1 eingestellt. Betreiber Uhl Windkraft spricht von einem unbeabsichtigten Fehler einer beteiligten Firma. Die Panne trifft jedoch auf eine lange Vorgeschichte aus Beschwerden, Abschaltungen, Getriebetausch und gegensätzlichen Messergebnissen. Für die Anwohner bleibt entscheidend, dass der reguläre Betrieb bis heute nicht abschließend bewertet ist.


Windpark Königseiche: Beschwerden begannen direkt nach dem Start

Die beiden Nordex N149 gingen am 20. Dezember 2024 in Betrieb. Schon kurz danach meldeten Einwohner aus Baiereck Brumm- und Dröhngeräusche. Deshalb folgten im Januar 2025 mehrere Kontrollen vor Ort. Mitte Februar stellte der Betreiber zunächst den Nachtbetrieb ein. Am 6. März standen beide Anlagen bis auf Testläufe vollständig still.

Streit um Lärm am Windpark Königseiche - Lärmmessung nach Getriebetausch im im falschen Modus - Betreiber spricht von Versehen
Streit um Lärm am Windpark Königseiche – Lärmmessung nach Getriebetausch im im falschen Modus – Betreiber spricht von Versehen

Hersteller Nordex und Betreiber suchten anschließend monatelang nach der Ursache. Schließlich machten sie die ursprünglichen Getriebe als Ursache der Tonhaltigkeit aus. Im August 2025 ließen sie beide Getriebe austauschen. Nach einer Messung im September gab das Landratsamt die Wiederinbetriebnahme zum 30. September frei. Doch schon danach gingen erneut Beschwerden über Wischgeräusche, Brummen und Dröhnen ein. Damit begann beim Windpark Königseiche die nächste Runde des Lärmstreits.

Neue Getriebe lösen das Geräuschproblem nicht

Anfang 2026 häuften sich die Beschwerden erneut, während die vorgeschriebene Abnahmemessung weiter ausstand. In der Nacht vom 13. auf den 14. März erfolgte deshalb eine weitere Immissionsmessung. Der vorgelegte Bericht sah den Richtwert am Messpunkt Brunnenstraße 5 als eingehalten an. Allerdings zeigte sich bei höheren Windgeschwindigkeiten eine auffällige Tonhaltigkeit. Seit dem 8. Mai drosselt der Betreiber die Anlagen deshalb oberhalb von neun Metern pro Sekunde.

Parallel ließ die Stadt Uhingen durch DEKRA über einen längeren Zeitraum messen. Diese Untersuchung kam zu deutlich kritischeren Ergebnissen. DEKRA ermittelte nachts Schallpegel von 41 bis 42 dB(A). Der maßgebliche Richtwert liegt dort bei 40 dB(A). Zudem trat die Tonhaltigkeit laut Auswertung bei zahlreichen Betriebszuständen auf. Seit Juni schaltet der Betreiber beide Anlagen deshalb nachts zwischen 22 und 6 Uhr freiwillig ab.


Messung lief ausgerechnet im falschen Betriebsmodus

Nun steht fest, dass die März-Messung unter einem anderen Betriebsmodus als vorgesehen stattfand. Statt Mode 0 lief der geringfügig reduzierte Mode 1. Uhl Windkraft erklärt, eine andere beteiligte Firma habe die Einstellung unbeabsichtigt vorgenommen. Deshalb plant das Unternehmen nach dem Einbau zusätzlicher Schwingungstilger eine neue Messung. Diese soll dann im vorgesehenen Mode 0 erfolgen. Nach mehr als 20 Monaten voller Reparaturen, Messungen und Einschränkungen wirkt der Ablauf inzwischen wie eine Farce.

Die vorgeschriebene Abnahmemessung ist weiterhin nicht abgeschlossen, weil dafür geeignete Wetter- und Windbedingungen nötig sind. Außerdem liegt dem Landratsamt inzwischen die vollständige DEKRA-Auswertung zur fachlichen Prüfung vor. Die Behörde kann dabei auch die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg einbeziehen. Damit bleibt beim Windpark Königseiche offen, ob die Anlagen im vorgesehenen Regelbetrieb alle Genehmigungsanforderungen dauerhaft erfüllen. Für Baiereck bedeutet das weiterhin Nachtabschaltungen, Drosselung und eine seit Dezember 2024 ungelöste Lärmkontroverse.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Stuttgarter Zeitung (29.08.26)SWR (27.08.26)

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