Im ostchinesischen Rudong steht 2026 ein 148 Meter hoher Schwerkraftspeicher, der überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien mechanisch speichert. Die Anlage von Energy Vault erreicht 25 Megawatt Leistung und besitzt eine Kapazität von 100 Megawattstunden. Dafür hebt sie schwere Verbundblöcke mit überschüssigem Strom an und senkt sie bei Bedarf wieder ab. Generatoren wandeln die Bewegung anschließend zurück in elektrische Energie. Allerdings fehlen bisher langjährige unabhängige Betriebsdaten zu Verschleiß, Wartungskosten und dauerhafter Wirtschaftlichkeit.
Schwerkraftspeicher nutzen Höhe statt Lithium
Das Grundprinzip ähnelt einem Pumpspeicherkraftwerk, jedoch ersetzt feste Masse das Wasser. Bei niedriger Nachfrage treiben Elektromotoren das Hebesystem an und bringen die Gewichte nach oben. Steigt später der Strombedarf, sinken die Massen kontrolliert nach unten und treiben Generatoren an. Deshalb lässt sich elektrische Energie ohne chemische Batteriezellen zwischenspeichern.

Bild: ©Energy Vault
Energy Vault errichtete das System direkt neben einem Windpark und in unmittelbarer Nähe zum chinesischen Stromnetz. Dadurch kann der Speicher vor allem schwankende Windstromproduktion zeitlich verschieben. Nach Unternehmensangaben liegt der angestrebte Rundlaufwirkungsgrad bei mehr als 80 Prozent. Focus nennt anhand von Testergebnissen einen Wert von bis zu 83 Prozent.
100 MWh reichen bei voller Leistung vier Stunden
Der Schwerkraftspeicher kann mit seinen 100 Megawattstunden vier Stunden lang 25 Megawatt bereitstellen. Damit eignet sich die Anlage vor allem für den Ausgleich innerhalb eines Tages. Für längere Phasen mit wenig Wind und Sonne reicht diese Kapazität jedoch nicht. Der Turm ersetzt deshalb keine saisonalen Reserven oder Kraftwerke mit deutlich größerem Energiespeicher.
Ein wesentlicher Unterschied zu Lithium-Ionen-Batterien liegt im eigentlichen Speichermedium. Die angehobenen Massen verlieren ihre Lageenergie nicht durch chemische Alterung und zeigen keine klassische Selbstentladung. Energy Vault kalkuliert außerdem mit einer Betriebsdauer von rund 35 Jahren. Allerdings erreichen moderne Batteriespeicher üblicherweise höhere Wirkungsgrade als das mechanische System in Rudong.
Mechanischer Verschleiß entscheidet über die Wirtschaftlichkeit
Gerade bei einem Schwerkraftspeicher bestimmen deshalb nicht nur Kapazität und Wirkungsgrad den wirtschaftlichen Erfolg. Motoren, Hebevorrichtungen, Rollen, Führungen und weitere mechanische Komponenten müssen über Jahre zahlreiche Lastwechsel verkraften. Unabhängige Langzeiterfahrungen mit einer kommerziellen Anlage dieser Größenordnung fehlen jedoch noch.
China verfolgt die Technik trotzdem weiter und verbindet sie mit seinem massiven Ausbau erneuerbarer Energien. Energy Vault nennt beispielsweise in Zhangye ein zweites chinesisches Projekt mit 17 Megawatt Leistung und 68 Megawattstunden Kapazität. Gleichzeitig besteht beim Betriebsstatus von Rudong eine auffällige Unklarheit. Energy-Storage.news bezeichnete die Anlage im Mai 2026 als operativ, während Energy Vault die Projektseite derzeit weiterhin mit „Commissioning“ kennzeichnet. Der Schwerkraftspeicher funktioniert damit als reales Netzprojekt, doch belastbare Langzeitdaten über Kosten und Zuverlässigkeit stehen noch aus.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Focus (28.08.26) – Energy Vault (Stand: 28.08.26)
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