Deutschland hat im zweiten Quartal 2026 die höchsten Strompreise für Privathaushalte innerhalb der G20. Haushalte zahlen laut Verivox im Schnitt 35,6 Cent je Kilowattstunde. Der G20-Durchschnitt liegt dagegen bei nur 16,3 Cent. Damit kostet Haushaltsstrom in Deutschland mehr als doppelt so viel wie im Mittel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Besonders ins Gewicht fallen Netzentgelte, Steuern, Umlagen und Abgaben. Sie machen zusammen mehr als 60 Prozent des Endpreises aus. Deutschland bleibt deshalb trotz staatlicher Entlastungen an der Spitze der G20.
Strompreise in Deutschland mit großem Abstand zur G20
Italien folgt mit 34,5 Cent je Kilowattstunde auf Platz 2. Großbritannien kommt auf 32,4 Cent. Frankreich liegt dagegen bei 23,3 Cent, während Haushalte in den USA 18,3 Cent zahlen. In China sind es laut der Vergleichsdaten sogar nur 6,7 Cent. Der Abstand Deutschlands zu vielen großen Volkswirtschaften fällt damit erheblich aus.

Bild: Shutterstock
Auch weltweit liegt Deutschland bei Haushaltsstrom weit vorne. Nur Irland, Bermuda und Belgien weisen in der Auswertung höhere nominale Preise auf. Deutschland landet unter 144 untersuchten Ländern auf Rang vier. Kaufkraftbereinigt verschiebt sich das Bild jedoch. Dann fällt Deutschland auf Rang 24 zurück. Dennoch bleiben die deutschen Preise gegenüber vielen vergleichbaren Industrieländern hoch.
Milliarden-Zuschüsse drücken Netzentgelte – Deutschland bleibt trotzdem teuer
Die Bundesregierung versucht bereits, einen Teil der Kosten abzufedern. Allein 2026 fließen 6,5 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt in die Übertragungsnetzentgelte. Dadurch sinken die Entgelte bei großen Netzbetreibern im Durchschnitt um knapp zwei Cent je Kilowattstunde. Die Entlastung wird jedoch aus Steuermitteln finanziert. Ein Teil der Kosten verschwindet damit nicht, sondern wechselt lediglich den Finanzierungskanal.
Auch in den kommenden Jahren sollen Milliardenbeträge folgen. Für 2027 bis 2029 plant das Wirtschaftsministerium Zuschüsse von jeweils 5,525 Milliarden Euro. Damit will der Bund den Anstieg der Netzkosten begrenzen. Trotzdem bleiben die Strompreise für Haushalte im internationalen Vergleich außergewöhnlich hoch. Der hohe deutsche Preis ist deshalb nicht allein eine Folge der Stromerzeugung. Auch Netzausbau und staatlich beeinflusste Preisbestandteile spielen eine zentrale Rolle.
Haushalte zahlen besonders viel – Industrie hat andere Konditionen
Der G20-Vergleich bezieht sich ausschließlich auf private Haushalte. Er lässt sich deshalb nicht direkt auf Industrieunternehmen übertragen. Destatis ermittelte für Haushalte im zweiten Halbjahr 2025 durchschnittlich 40,55 Cent je Kilowattstunde. Der höhere Wert beruht jedoch auf einem anderen Zeitraum und einer anderen Erhebungsmethode. Nicht-Haushalte zahlten im gleichen Zeitraum durchschnittlich 19,22 Cent ohne abzugsfähige Steuern.
Große Industrieverbraucher kommen teilweise auf deutlich niedrigere Werte. Außerdem profitieren energieintensive Unternehmen von Sonderregelungen und staatlichen Entlastungen. Für private Haushalte gelten diese Privilegien jedoch nicht. Deshalb bleibt für Millionen Verbraucher vor allem eine Zahl entscheidend: 35,6 Cent je Kilowattstunde gegenüber 16,3 Cent im G20-Durchschnitt. Deutschlands Strompreise liegen damit mehr als doppelt so hoch wie das Mittel der Staatengruppe.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Welt (30.08.26) – Verivox (Stand: 30.08.26)
Lesen Sie auch:
- Steuern auf Strom: Warum der Strompreis trotz sinkender Abgaben immer weiter steigt
- Zu viel Strom produziert: Deutsche Netzbetreiber zahlen an der Börse, damit das Ausland ihren Strom abnimmt
- Trügerische Stabilität – Strompreise sind 2026 ohne Milliarden aus Steuermitteln nicht zu halten
- Steigende Strompreise ab 2027: Bund kürzt Zuschuss für Netzentgelt um eine Milliarde Euro
