Am Windpark Herrscheid zwischen Oedingen und Cobbenrode nehmen die Beschwerden über Dauerlärm seit Monaten zu. Betroffen sind Oedingen, Oedingerberg, Brenschede, Leckmart und Cobbenrode. AboEnergy kennt die Geräuschprobleme nach eigenen Angaben seit Mai 2025. Als Ursache gelten Störungen am Azimut-System, das die Gondeln samt Rotor in den Wind dreht. Anwohner berichten jedoch nicht nur von einzelnen Defekten. Sie schildern knarrende Gondeln, brummende Geräusche und laute Windschläge. Besonders kritisch ist der geringe Abstand einzelner Häuser. In Leckmart liegt ein Wohnhaus rund 730 Meter von der nächsten Anlage entfernt. Dort klagen Betroffene über Schlafmangel, Einschränkungen im Alltag und wachsende Wut (wp: 09.05.26).
Dauerlärm trifft Anwohner besonders bei Ostwind
Ingo Hendrichs aus Brenschede wohnt etwa 1200 Meter von der nächsten Windenergieanlage entfernt. Bei Ostwind treffe der Lärm den Ort besonders hart, sagt er. „Bei Ostwind bekommen wir die volle Breitseite mit. Schlimm ist es abends, wenn man auf der Terrasse sitzt.“ Außerdem hört er Drehräusche der Stellmotoren, sobald die Rotoren ihre Position verändern.

Auch am Buchenweg in Oedingen berichten Anwohner über massive Geräusche. Dort beträgt der Abstand zu den Anlagen rund 900 Meter. Ein Anlieger schildert, die Probleme hätten bereits im vergangenen Jahr begonnen. Zugleich beschreibt er ein starkes Knarren an der Bremse, wenn sich das Windrad dreht. In den vergangenen Tagen hätten Techniker an mehreren Anlagen gearbeitet. Deshalb vermutet er weitere Defekte.
Betreiber verweist auf Hersteller und Azimut-System
Auf der östlichen Seite des Herrscheids fällt die Belastung besonders stark aus. André Gödde aus Leckmart spricht von einem Dauerzustand. Sein Haus liegt rund 730 Meter von der nächsten Anlage entfernt. Teilweise sei selbst bei normalem Betrieb nicht an Schlaf zu denken. Außerdem würden die Anlagen immer wieder wie ein Nebelhorn klingen.
AboEnergy bestätigt, dass entsprechende Geräuschentwicklungen seit Mai 2025 bekannt sind. Das Unternehmen erklärt jedoch, es reagiere auf Störungen sofort. Außerdem stehe man eng mit dem Anlagenhersteller in Kontakt. Dieser arbeite an einer dauerhaften Lösung. Unternehmenssprecherin Caroline Pilz betont, man setze sich für eine zeitnahe Behebung ein. Laut Gödde dauert es jedoch meist drei bis fünf Tage, bis akute Probleme verschwinden.
Eigentümer lehnt Abschaltung trotz Beschwerden ab
Eigentümer des Windparks ist seit Sommer 2025 die Stadtwerke Heidenheim AG. Das Unternehmen bedauert die wiederkehrenden Probleme. Zur mittelfristigen Lösung ließ es die Bremsbeläge des Azimut-Systems austauschen. Dennoch berichten Anwohner weiter von Dauerlärm und nächtlichen Störungen. Der Hersteller arbeite nach Angaben der Eigentümerin mit Nachdruck an einer dauerhaften Lösung.
Eine Abschaltung der Anlagen kommt derzeit nicht infrage. Die Windnachführung müsse aus technischen Gründen funktionieren. Sonst drohten Schäden an den Windenergieanlagen. Vor Ort wächst deshalb der Unmut weiter. Anwohner kritisieren zudem, die Geräusche am Herrscheid seien lauter als bei Anlagen gleichen Typs an anderen Standorten. Laut AboEnergy sind alle vier Windräder baugleich. Schallmessungen, die das Ausmaß belegen könnten, fanden bislang aber nicht statt.
Hersteller GE Vernova beantwortet Anfrage nicht
Der Hersteller GE Vernova könnte die technischen Ursachen erklären. Das Unternehmen mit Hauptsitz im US-Bundesstaat Massachusetts äußerte sich bislang jedoch nicht. Eine detaillierte Anfrage blieb mehr als eine Woche unbeantwortet. Dabei ging es unter anderem um mögliche Defekte, bekannte Probleme bestimmter Baureihen und die fehlende dauerhafte Lösung.
Für Betroffene verschärft dieses Schweigen die Lage zusätzlich. André Gödde fürchtet gesundheitliche Folgen durch Schlafmangel. Zugleich betont er, seine Familie habe kein grundsätzliches Problem mit Windkraft. Er verlange jedoch einen Betrieb im vorgesehenen technischen Rahmen. Auch Ingo Hendrichs verweist auf weitere Belastungen. Brenschede liegt zwischen zwei Windparks. Sogar vom Windpark Stöppel höre man Windschlag, obwohl die nächste Anlage dort rund 2800 Meter entfernt steht.
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