RWE-Chef Markus Krebber fordert, die deutschen Klimaziele zeitlich zu strecken und die Klimaneutralität von 2045 auf 2050 zu verschieben. Er hält den früheren deutschen Sonderweg gegenüber dem EU-Zieljahr 2050 für wirtschaftlich schädlich und klimapolitisch wirkungslos. IGBCE-Chef Michael Vassiliadis unterstützt den Vorstoß, weil hohe Energiekosten, schwache Konjunktur und kurze Investitionsfristen vor allem energieintensive Betriebe belasten. Das gesetzliche Ziel bleibt jedoch bestehen, solange der Bundestag das Klimaschutzgesetz nicht ändert.
Krebber warnt vor einem teuren deutschen Sonderweg
Deutschland will fünf Jahre früher klimaneutral werden als die Europäische Union. Krebber sieht darin jedoch keinen zusätzlichen Nutzen für den Klimaschutz. „Der bisherige deutsche Sonderweg, fünf Jahre früher klimaneutral werden zu wollen, macht den Industriestandort Deutschland nur teurer, ohne klimapolitische Effekte.“

Krebber begründet seine Position mit dem europäischen Emissionshandel. Sinkt der deutsche Ausstoß schneller, können Unternehmen in anderen Mitgliedstaaten weiterhin verfügbare Zertifikate nutzen. „Denn die in Deutschland eingesparten CO2-Emissionen werden dann einfach in anderen EU-Ländern freigesetzt.“ Deshalb verlangt der RWE-Chef mindestens zehn Jahre Planungssicherheit für industrielle Investitionen.
Emissionshandel wird zum zentralen Konflikt
Die IGBCE verlangt außerdem, den jährlichen Abbau der Emissionsberechtigungen zeitlich zu strecken. Der Reduktionspfad soll nach ihrem Vorschlag erst 2050 enden. Neue Technologien erhielten dadurch mehr Zeit für Entwicklung, Ausbau und wirtschaftlichen Betrieb. Allerdings würde eine Änderung des deutschen Zieljahres den europäischen Zertifikatepfad nicht automatisch anpassen.
Unterstützung kommt zudem von IW-Präsident Michael Hüther und MIT-Chefin Gitta Connemann. Sie fordert einen Emissionshandel, der Investitionen ermöglicht und industrielle Produktion in Deutschland hält. Der geltende ETS-Pfad führt rechnerisch 2039 zu einem Zertifikateangebot von null. Deshalb diskutiert die EU bereits über eine Reform und mögliche Emissionen über dieses Datum hinaus.
Deutschland verfehlt nach Projektion wichtige Klimaziele
Das deutsche Klimaschutzgesetz verlangt bis 2030 mindestens 65 Prozent weniger Treibhausgase als 1990. Bis 2040 müssen die Emissionen außerdem um mindestens 88 Prozent sinken. Für 2045 schreibt das Gesetz schließlich Netto-Treibhausgasneutralität vor. Im Jahr 2025 lagen die Emissionen bereits 48 Prozent unter dem Niveau von 1990. CDU, CSU und SPD halten dennoch am Zieljahr 2045 fest.
Die Projektion des Umweltbundesamtes erwartet jedoch bis 2030 nur eine Minderung um 62,6 Prozent. Für 2040 zeichnet sich außerdem lediglich ein Rückgang um 80 Prozent ab. Der Expertenrat für Klimafragen rechnet selbst bis 2030 mit einer deutlichen Zielverfehlung. Mehr Zeit könnte Investitionszyklen entlasten, löst jedoch weder hohe Energiepreise noch fehlende Netze und Wasserstoffinfrastruktur.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Welt (11.07.26) – Handelsblatt (11.07.26) – Tagesschau (11.07.26) – Merkur (11.07.26)
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