Hitzeflaute zeigt Deutschlands Abhängigkeit von Importstrom

Deutschland konnte seinen Strombedarf vom 22. bis 28. Juni 2026 nicht allein aus der tatsächlich laufenden inländischen Erzeugung decken. Ein stabiles Hoch drückte den Windstromanteil auf 11,2 Prozent, während Solarstrom nur tagsüber hohe Leistungen lieferte. Deshalb schlossen Kohle, Gas und Importstrom die verbleibende Lücke. Der Nettoimport erreichte 0,66 Terawattstunden. Stromausfälle blieben aus, jedoch stiegen die Börsenpreise bis auf 747 Euro je Megawattstunde. Zugleich verließ sich Deutschland darauf, dass die Nachbarländer ausreichend Überschüsse und freie Leitungen bereitstellen.


Windräder liefern trotz hoher Leistung kaum Strom

Die rund 31.000 Windräder an Land erzeugten in der Kalenderwoche 26 nur 8,7 Prozent des öffentlichen Nettostroms. Offshore-Anlagen kamen außerdem lediglich auf 2,5 Prozent. Dabei verfügt Deutschland an Land über mehr als 68 Gigawatt installierte Windkraftleistung. Ein großräumiges Hoch reduziert jedoch die Produktion vieler Standorte gleichzeitig.

Bei Hitzeflaute reicht Deutschlands Stromerzeugung nicht aus. Das Land hängt am Importstrom und an freien Reserven seiner Nachbarn
Bei Hitzeflaute reicht Deutschlands Stromerzeugung nicht aus. Das Land hängt am Importstrom und an freien Reserven seiner Nachbarn
Bild: Shutterstock

Photovoltaik war mit 40,6 Prozent zwar die stärkste einzelne Stromquelle. Allerdings konzentrierte sich ihre Einspeisung auf die hellen Stunden. Am Abend fiel die Solarleistung rasch weg, während der Verbrauch hoch blieb. Speicher konnten diese Differenz nicht über mehrere Nächte ausgleichen. Deshalb erhöhten Kohle- und Gaskraftwerke ihre Erzeugung.

Importstrom wird zur Stütze der Versorgung

Der Nettoimport von 0,66 Terawattstunden entsprach im Wochenmittel einer Leistung von fast vier Gigawatt. Importstrom deckte damit rund 7,6 Prozent der öffentlichen Versorgung aus Erzeugung und Einfuhren. Das entspricht ungefähr der kontinuierlichen Leistung mehrerer großer Kraftwerksblöcke. Ohne diese Lieferungen hätte Deutschland zusätzliche heimische Reserven aktivieren oder den Verbrauch stärker flexibilisieren müssen.

Der Wochensaldo zeigt die Abhängigkeit jedoch nur unvollständig. Deutschland konnte mittags Solarüberschüsse ausführen und wenige Stunden später große Mengen einführen. In den kritischen Abendstunden lag der Importanteil deshalb zeitweise deutlich über dem Wochenmittel. Die tatsächlich eingesetzte deutsche Erzeugung reichte in diesen Phasen nicht zur vollständigen Deckung der Last.


Billiger Einkauf endet bei knapper Leistung

Das Argument vom günstigen Stromhandel erklärt nur, warum ein ausländisches Angebot den Zuschlag erhält. Es sagt jedoch nichts über das absolute Preisniveau aus. Seit dem 18. Juni wurden 39 Viertelstunden mit Preisen über 300 Euro je Megawattstunde registriert. Der Spitzenwert lag bei 747 Euro, weshalb Importstrom in knappen Stunden keineswegs billig war.

Die Strategie funktioniert außerdem nur, solange Nachbarländer freie Kraftwerksleistung besitzen. Frankreich und die Schweiz drosselten während der Hitze einzelne Kernkraftwerke wegen hoher Flusstemperaturen. Bei einer europaweiten Flaute können jedoch mehrere Staaten gleichzeitig zusätzliche Mengen benötigen. Deutschland konkurriert dann um dieselben Reserven und muss die entstehenden Marktpreise akzeptieren. Die Hitzeflaute machte deshalb eine strukturelle Schwäche sichtbar. Im tatsächlichen Betrieb konnte Deutschland seinen Bedarf nicht aus eigener Erzeugung decken. Neue steuerbare Kraftwerke, größere Speicher und flexible Verbraucher bleiben deshalb notwendig.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Energy-Charts (Stand: 11.07.26)RedaktionsNetzwern Deutschland (11.07.26)PV-Magazine (01.07.26)Bundesverband neue Energiewirtschaft (26.07.26)

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