Budapest prüft 125-Kilometer-Leitung für Abwärme aus Kernkraftwerk Paks

Budapest prüft eine Leitung vom Kernkraftwerk Paks in die ungarische Hauptstadt um die Abwärme des Kernkraftwerks als Fernwärme zu nutzen. Die Stadtwerke und die Technische Universität erstellen dafür eine gemeinsame Machbarkeitsstudie. Auslöser sind technische Fortschritte sowie die wiederkehrende Erwärmung der Donau durch die Kraftwerkskühlung. Die lange Trasse macht jedoch Genehmigung, Finanzierung und Betrieb zum Kern der Prüfung. Eine Investitionsentscheidung gibt es noch nicht. Das Projekt könnte Gasimporte und CO2-Ausstoß senken, während auch Städte und Industriebetriebe entlang der Strecke Wärme erhielten.


Budapest könnte einen großen Teil des Wärmebedarfs aus der Abwärme des Kernkraftwerks Paks decken

Bei der Stromerzeugung fallen in Paks große Wärmemengen an. Ein Teil gelangt deshalb bisher über das Kühlsystem in die Donau. Die geplante Leitung soll diese Energie für Heizung und Warmwasser nutzbar machen. In Paks selbst versorgt Kraftwerkswärme bereits seit den 1980er-Jahren mehrere Wohngebiete. Fachleute diskutieren den Transport seit Jahrzehnten, doch moderne Dämmtechnik soll die Verluste inzwischen stark begrenzen.

Budapest könnte Kraftwerksabwärme als Fernwärme aus Paks nutzen und dadurch Erdgasimporte senken und zugleich die Donau thermisch entlasten
Budapest könnte Kraftwerksabwärme als Fernwärme aus Paks nutzen und dadurch Erdgasimporte senken und zugleich die Donau thermisch entlasten – Bild: Shutterstock

Der Fernwärmebedarf von Budapest erreicht im Winter eine Spitzenleistung von rund 1.000 Megawatt. Außerdem benötigt das Netz im Sommer etwa 100 Megawatt für warmes Wasser. In den vergangenen fünf Jahren kamen zudem neue Verbraucher mit zusammen rund 100 Megawatt Leistung hinzu. Die Kraftwerkswärme könnte einen erheblichen Anteil liefern, sofern Transportverluste und Pumpenbedarf beherrschbar bleiben. Nach vorläufigen Schätzungen ließen sich dadurch jährlich bis zu 300 Millionen Kubikmeter Erdgasimporte ersetzen.


125 Kilometer Leitung sollen weitere Städte und Industrie versorgen

Vorgesehen ist ein besonders isoliertes Leitungspaar mit 1.000 Millimetern Durchmesser. Die geplante Trasse könnte Dunaújváros, Százhalombatta und Érd berühren. Dort bestehen bereits Fernwärmenetze, zudem benötigen Industriebetriebe zusätzliche Prozesswärme. Auch Gewerbeparks und Gewächshäuser könnten sich anschließen. Mehr Abnehmer würden dadurch die Auslastung und Wirtschaftlichkeit der langen Leitung verbessern. Je nach Genehmigung könnte die unterirdische Trasse nahe der Donau verlaufen.

Die Studie soll im vierten Quartal 2026 vorliegen. Offen bleiben jedoch Finanzierung, Genehmigungen, Bauzeit und die tatsächlichen Wärmeverluste auf dem langen Transportweg. Außerdem könnte Strom aus Solaranlagen und dem Kernkraftwerk die Pumpen antreiben. Das Fernwärmenetz könnte damit auch zusätzliche Flexibilität für das Stromsystem schaffen. Sollte Paks II entstehen, könnte Budapest nach Angaben der Stadtwerke bis zum Jahrhundertende auf die Wärmequelle zugreifen. Erst die Untersuchung wird zeigen, ob Transportverluste, Pumpenstrom und Kosten einen wirtschaftlichen Betrieb erlauben.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Müszaki Magazin (06.07.26)Enbudapestem (03.07.26)Technische Universität Budapest (02.07.26)HVG (02.07.26)

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