Strompreis für Januar steigt um mehr als 60 Prozent – Deutschland droht teurer Winter

Deutschland geht mit deutlich höheren Großhandelspreisen in den Winter 2026/27. Der Strompreis für Grundlastlieferungen im Januar liegt an der EEX bei mehr als 180 Euro je Megawattstunde. Damit kostet der Januar-Kontrakt über 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. Haupttreiber sind jedoch die stark gestiegenen Gaspreise und gestörte LNG-Lieferungen aus Katar. Zugleich sind die deutschen Gasspeicher nur zu rund 56 Prozent gefüllt. Haushalte trifft der Preissprung verzögert, während Unternehmen mit höheren Energiekosten rechnen müssen.

Der Strompreis für Januar liegt über 180 Euro je MWh. Niedrige Gasspeicher und gestörte LNG-Lieferungen verteuern den Winter
Der Strompreis für Januar liegt über 180 Euro je MWh. Niedrige Gasspeicher und gestörte LNG-Lieferungen verteuern den Winter
Bild: Shutterstock

Gaspreise treiben den deutschen Strommarkt nach oben

Gas ist derzeit ein wichtiger Preistreiber am Strommarkt, obwohl Gaskraftwerke nur einen Teil der deutschen Stromerzeugung stellen. In angespannten Stunden setzen diese Kraftwerke jedoch häufig den Marktpreis. Deshalb schlägt teures Erdgas auch auf andere Erzeugungsarten durch. Der Iran-Krieg und Einschränkungen an der Straße von Hormus verschärfen die Lage zusätzlich.

Europa ist heute besser vorbereitet als während der Energiekrise 2022. Neue LNG-Terminals, geringerer Gasverbrauch und zusätzliche Lieferanten haben die Versorgung robuster gemacht. Gleichzeitig hat sich jedoch eine neue Abhängigkeit vom weltweiten LNG-Markt entwickelt. Im ersten Halbjahr 2026 kamen 81 Prozent der EWR-LNG-Importe aus den USA und Russland. Ausfälle anderer großer Lieferanten treffen deshalb einen zunehmend konzentrierten Markt.


Strompreis könnte bei kaltem Winter weiter steigen

Der Strompreis könnte im Winter weiter zulegen, falls Kälte und Windflauten gleichzeitig auftreten. Rohstoffinvestor Ulf Ek hält laut Bloomberg unter ungünstigen Bedingungen einen weiteren Anstieg um bis zu 50 Prozent für möglich. Zusätzlich reduzierten Hitze und Streiks zeitweise die französische Kernkraftproduktion. Niedrige Wasserstände begrenzen außerdem die Wasserkraft, während Solaranlagen im Winter deutlich weniger Strom liefern.

Besonders ungünstig ist jedoch die Lage bei den deutschen Gasreserven. Mitte September waren die Speicher nur zu rund 56 Prozent gefüllt und damit deutlich schwächer als ein Jahr zuvor. Deshalb ließ Wirtschaftsministerin Katherina Reiche den bundeseigenen Gasimporteur Sefe zusätzlich Gas einkaufen. Europa insgesamt lag Mitte September bei etwa 69 Prozent und damit ebenfalls deutlich unter dem Fünfjahresdurchschnitt von rund 85 Prozent.

Die Bundesregierung plant außerdem eine strategische Gasreserve von 24 Terawattstunden. Erste Speicherbuchungen sind bereits für den Winter 2026/27 vorgesehen. Die eigentliche Befüllung soll jedoch erst im Sommer 2027 beginnen. Damit hilft die Reserve im kommenden Winter noch nicht gegen niedrige Speicherstände. Aufbau und Befüllung dürften nach Regierungsangaben Milliardenkosten verursachen.


Höhere Großhandelspreise erreichen Verbraucher verzögert

Der Strompreis für Haushalte steigt nicht automatisch um ebenfalls 60 Prozent. Viele Versorger kaufen große Strommengen Monate oder Jahre im Voraus und glätten dadurch kurzfristige Ausschläge. Hält das hohe Großhandelsniveau jedoch länger an, fließen die höheren Beschaffungskosten nach und nach in neue Tarife. Unternehmen reagieren häufig früher, während energieintensive Betriebe besonders empfindlich auf steigende Börsenpreise reagieren.

Erneuerbare Energien dämpfen die Kosten, können die winterliche Gasabhängigkeit jedoch noch nicht vollständig ausgleichen. Laut einer von Bloomberg zitierten Baringa-Analyse wären Europas Großhandelspreise im Sommer ohne den Solarausbau seit 2021 im Durchschnitt rund 30 Prozent höher gewesen. Gleichzeitig bleibt im Winter gesicherte Leistung entscheidend, wenn Sonne und Wind wenig liefern. Der kommende Winter entscheidet deshalb nicht nur über die Versorgungslage, sondern auch über die Energiekosten von Industrie und Haushalten.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Strompreis steigt um 60 Prozent: Deutschland rutscht in einen teuren Winter – Europe’s Winter Power Surge Is Biggest Since Energy Crisis – QatarEnergy says Hormuz crisis may delay LNG expansion projects

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