Berlin – Steigende Strompreise könnten Haushalte und Unternehmen ab Januar 2027 erneut belasten. Die Bundesregierung legte am 15. Juli 2026 den Wirtschaftsplan des Klima- und Transformationsfonds für 2027 vor. Darin sinkt der Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten von 6,5 auf rund 5,5 Milliarden Euro. Verivox erwartet deshalb durchschnittlich drei Prozent höhere Netzgebühren und etwa ein Prozent höhere Haushaltsstrompreise. Ein Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Verbrauch müsste rechnerisch rund zwölf Euro mehr pro Jahr zahlen. Die Stahlindustrie warnt zugleich vor zusätzlichen Netzkosten von rund 50 Millionen Euro.
Bund nimmt einen Teil der Entlastung beim Netzentgelt zurück
Der Bundeszuschuss senkt zunächst die Netzentgelte der vier großen Übertragungsnetzbetreiber. Dadurch zahlen nachgelagerte Verteilnetzbetreiber weniger für die Nutzung der vorgelagerten Netze. Diese Entlastung erreicht die Stromkunden jedoch je nach Netzgebiet in unterschiedlicher Höhe. Netzentgelte finanzieren außerdem Betrieb, Wartung und Ausbau der Leitungen. Laut Verivox machen sie rund 29 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsstrompreises aus.

Bild: Shutterstock
Der Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro drückte die durchschnittlichen Netzgebühren 2026 rechnerisch um 1,7 Cent je Kilowattstunde netto. Eine Milliarde Euro weniger könnte die Gebühren 2027 um etwa 0,25 Cent erhöhen. Deshalb kalkuliert Verivox mit rund zwölf Euro Mehrkosten bei 4.000 Kilowattstunden. Paare mit 2.800 Kilowattstunden müssten etwa acht Euro mehr zahlen. Für einen Single-Haushalt mit 1.500 Kilowattstunden wären es rund fünf Euro.
Steigende Strompreise treffen Regionen unterschiedlich
Die Belastung verteilt sich jedoch nicht gleichmäßig über Deutschland. Regionen mit hoher eigener Stromerzeugung beziehen weniger Energie aus dem Übertragungsnetz. Dort kann die Kürzung deshalb schwächer ankommen. Netzgebiete mit geringer Erzeugung hängen dagegen stärker von den vorgelagerten Leitungen ab. Außerdem entscheidet der jeweilige Versorger, ob er höhere Kosten vollständig an seine Kunden weitergibt.
Die durchschnittlichen Stromnetzgebühren stiegen innerhalb von fünf Jahren bereits um rund 23 Prozent. Bei 4.000 Kilowattstunden entspricht das zusätzlichen 81 Euro brutto pro Jahr. Gleichzeitig verteuerte sich Strom am Spotmarkt im ersten Halbjahr 2026. Eine Megawattstunde kostete dort durchschnittlich rund 93 Euro statt 86 Euro im Vorjahreszeitraum. Steigende Strompreise werden damit wahrscheinlicher, obwohl langfristige Lieferverträge einzelne Tarife zunächst stabilisieren können.
Industrie sieht Wettbewerbsfähigkeit gefährdet
Besonders stark trifft die Kürzung stromintensive Unternehmen. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl erwartet deshalb etwa 50 Millionen Euro zusätzliche Netzkosten pro Jahr. Das entspräche nach Angaben des Verbandes einem Anstieg um rund 20 Prozent. Steigende Strompreise verschärfen deshalb den Kostennachteil deutscher Werke gegenüber internationalen Wettbewerbern. Außerdem fordert die Branche den vollständigen Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro auch für die Folgejahre.
Die tatsächlichen Stromkosten für 2027 stehen jedoch noch nicht fest. Tennet will die vorläufigen Übertragungsnetzentgelte am 1. Oktober 2026 veröffentlichen. Weitere Netzbetreiber müssen spätestens Mitte Oktober erste Werte vorlegen. Zum 1. Januar 2027 gelten dann die endgültigen Entgelte. Neben den Netzgebühren beeinflussen jedoch Beschaffung, Vertrieb, Steuern und Umlagen den Endpreis. Deshalb bleibt die konkrete Mehrbelastung bis zur Veröffentlichung der Preisblätter und neuen Tarife offen.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Verivox (27.07.26) – t-online (27.07.26) – BDEW (16.07.26) – Wirtschaftsvereinigung Stahl (15.07.26)
Lesen Sie auch:
