Wegen hoher Last im Winter: Großbritannien plant Drosselung von Wärmepumpen per Fernzugriff

Großbritannien plant ab Ende 2027 eine Drosselung von Wärmepumpen per Fernzugriff, um im Winter hohe Lasten im Stromnetz zu begrenzen. Auslöser ist die Elektrifizierung der Heizungen, die den Strombedarf in kalten Stunden deutlich erhöht. Besonders kritisch sind frostige und windarme Phasen, weil Wärmepumpen dann länger laufen und weniger Windstrom verfügbar sein kann. Lizenzierte Anbieter sollen deshalb den Verbrauch teilnehmender Anlagen zeitweise senken oder verschieben können. Haushalte müssten einer solchen Vereinbarung jedoch ausdrücklich zustimmen. Eine verpflichtende Abschaltung aller Geräte sehen die bisherigen Pläne nicht vor. Je nach Gebäude könnte ein Eingriff dennoch zeitweise die verfügbare Heizleistung verringern.


Neue Heizgeräte sollen ab Ende 2027 steuerbar sein

Die britische Regierung will neue elektrische Heizgeräte deshalb mit einer intelligenten Steuerungsfunktion ausstatten lassen. Nach dem bisherigen Entwurf gilt die Vorgabe ab dem 31. Dezember 2027. Erfasst werden Wärmepumpen, Hybridanlagen, Wärmespeicher und bestimmte Warmwassergeräte bis 45 Kilowatt. Die Drosselung der Wärmepumpen soll dabei über Signale eines Versorgers oder Flexibilitätsanbieters möglich werden. Nutzer müssen voreingestellte Betriebszeiten jedoch ändern oder vollständig entfernen können.

Großbritannien plant die Drosselung von Wärmepumpen per Fernzugriff, um im Winter hohe Netzspitzen zu begrenzen
Großbritannien plant die Drosselung von Wärmepumpen per Fernzugriff, um im Winter hohe Netzspitzen zu begrenzen
Bild: Shutterstock

Außerdem entsteht ein Lizenzsystem für Unternehmen, die elektrische Lasten aus der Ferne steuern. Ofgem erwartet die zugrunde liegenden Vorschriften bis Ende 2026. Die Lizenzpflicht soll jedoch erst Ende 2027 nach einer zwölfmonatigen Übergangsfrist greifen. Damit will die Regulierungsbehörde Verbraucher, Netzstabilität und digitale Systeme schützen. Eine endgültige Entscheidung zu der abgeschlossenen Konsultation steht noch aus.

Drosselung von Wärmepumpen stößt bei starkem Frost an Grenzen

National Grid verweist jedoch auf deutliche Grenzen dieser Steuerung bei besonders kaltem Wetter. Wärmepumpen benötigen dann mehr Strom und laufen über längere Zeiträume. In einem statistischen Extremwinter senkten untersuchte Flexibilitätsmaßnahmen die Netzspitze deshalb nur geringfügig. Häufig verschoben sie den Verbrauch lediglich auf eine spätere Stunde. Zudem könnten weniger Haushalte an sehr kalten Tagen freiwillig ihre Heizung drosseln.

Andere Feldversuche lieferten allerdings günstigere Ergebnisse unter normalen Winterbedingungen. Beim Projekt EQUINOX bemerkten 85 Prozent keine oder nur geringe Komfortänderungen. Bei HeatFlex akzeptierten neun von zehn Haushalten außerdem die Steuerung durch einen Dienstleister. Einige Teilnehmer passten jedoch ihr Verhalten an, um die Raumtemperatur zu halten. Deshalb lassen sich die Resultate nicht uneingeschränkt auf extreme Frostperioden übertragen.


Fernsteuerung schafft neue Angriffsflächen

Die Drosselung von Wärmepumpen erhöht außerdem die Bedeutung der Cybersicherheit. Ein einzelner Betreiber könnte künftig viele tausend Geräte gleichzeitig steuern. Unternehmen ab 300 Megawatt kontrollierter Gesamtlast sollen deshalb strengere Sicherheitsanforderungen erfüllen. Auch kleinere Anbieter sollen Vorgaben für Betriebssicherheit und Verbraucherschutz einhalten. Die Geräte müssen zudem gefährliche oder schädliche Steuersignale selbstständig zurückweisen.

Die Pläne schaffen dennoch keine allgemeine Pflicht zur Heizungsrationierung. Sie bauen jedoch die technische und rechtliche Grundlage für steuerbare private Stromlasten auf. Günstigere Tarife sollen Haushalte zur freiwilligen Teilnahme bewegen. Der Nutzen bleibt aber begrenzt, wenn Kälte den Strombedarf gleichzeitig stark erhöht. Großbritannien muss deshalb weiterhin Netze und gesicherte Erzeugungsleistung ausbauen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Financial Times (22.07.26)The Guardian (21.07.26)Burmingham Live (20.07.26)The Sun (20.07.26)The Telegraph (19.07.26)

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