Elektrifizierungsplan: EU will Gasimporte bis 2040 um über 70 Prozent senken

Brüssel – Die EU-Kommission hat am 17. Juli 2026 ihren Elektrifizierungsplan für Industrie, Gebäude und Verkehr vorgestellt. Strom soll bis 2040 dann 46 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs decken, statt derzeit 23 Prozent. Deshalb will Brüssel Gasimporte um mehr als 70 Prozent und Rohölimporte um mehr als 40 Prozent senken. Auslöser sind neue fossile Preisschocks und Europas hohe Importabhängigkeit. Hohe Strompreise, lange Anschlussfristen und der enorme Finanzierungsbedarf erschweren jedoch die Umsetzung. Betroffen sind Haushalte, Autofahrer und Unternehmen, die Heizungen, Fahrzeuge, Anlagen und Netzanschlüsse umrüsten müssten.


EU verdoppelt Zielwert für den Stromanteil

Für 2030 nennt die Kommission bereits einen Referenzwert von 32 Prozent. Das Ziel für 2040 bleibt jedoch zunächst unverbindlich. Eine Folgenabschätzung soll den Wert im vierten Quartal 2026 prüfen. Danach entscheidet Brüssel über die rechtliche Ausgestaltung im Energiepaket für die Zeit nach 2030.

Der Elektrifizierungsplan der EU soll Gasimporte bis 2040 um über 70 Prozent senken. Doch hohe Strom- und Netzkosten gefährden das EU-Ziel
Der Elektrifizierungsplan der EU soll Gasimporte bis 2040 um über 70 Prozent senken. Doch hohe Strom- und Netzkosten gefährden das EU-Ziel
Bild: KI-generiert

Der Elektrifizierungsplan soll die Rechnung für fossile Importe bis 2040 jährlich um bis zu 260 Milliarden Euro verringern. Außerdem erwartet die Kommission rund 20 Prozent niedrigere Kosten der Stromerzeugung. Fahrzeuge, Heizungen und Produktionsanlagen müssten dafür verstärkt mit Strom arbeiten. Brüssel setzt deshalb auf Elektroautos, Wärmepumpen, elektrische Industrieöfen, Speicher und langfristige Stromlieferverträge.

Elektrifizierungsplan trifft auf hohe Strompreise

Strom kostet europäische Unternehmen im Durchschnitt fast dreimal so viel wie Gas. Haushalte zahlen laut Kommission etwa das Zweieinhalbfache. Deshalb lohnt sich der Wechsel trotz höherer Effizienz nicht überall. Netzanschlüsse können außerdem mehrere Jahre dauern.

Die Kommission will daher Netzentgelte, Steuern und Umlagen neu ausrichten. Strom soll steuerlich nicht stärker belastet sein als Gas. Zudem sollen Staaten niedrigere Mehrwertsteuersätze für Wärmepumpen, Solaranlagen und Heimspeicher nutzen. Die Europäische Investitionsbank plant dafür mehr als 75 Milliarden Euro Finanzierung innerhalb von drei Jahren.


Industrie und Haushalte brauchen deutlich mehr Netzkapazität

Technisch ließen sich bereits 60 Prozent des brennstoffbasierten Energiebedarfs der Industrie elektrifizieren. Allerdings würde allein der Stromverbrauch der Stahlindustrie bis 2030 auf 165 Terawattstunden steigen. Das wäre mehr als doppelt so viel wie bisher. Die Kommission veranschlagt den Investitionsbedarf für Europas Stromnetze laut Reuters bis 2040 auf rund 1,2 Billionen Euro.

Der Elektrifizierungsplan betrifft deshalb nicht nur Kraftwerke und Netze. Haushalte müssten Heizungen austauschen, Autofahrer bräuchten mehr Ladepunkte und Betriebe stärkere Anschlüsse. Die Kommission verspricht zwar geringere laufende Kosten durch effizientere Technik. Hohe Anschaffungskosten und Europas teurer Strom können Investitionen jedoch weiter verzögern. Die Strategie kann Europas Importabhängigkeit deutlich verringern, wenn der Ausbau von Erzeugung, Speichern und Netzen gelingt. Sie verlagert den Energiebedarf jedoch massiv auf ein System mit bekannten Engpässen. Deshalb entscheidet nicht allein der Zielwert von 46 Prozent über den Erfolg. Entscheidend bleiben bezahlbarer Strom, schnelle Netzanschlüsse und gesicherte Leistung bei hoher Nachfrage.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Reuters (22.07.26)European Commission (Stand: 22.07.26)Welt (17.07.26)Montel News (17.07.26)

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