Was sind Redispatch-Maßnahmen? - Ein Gradmesser für planlosen Ökostromausbau

Was sind Redispatch-Maßnahmen? In diesem Artikel wollen wir dem interessierten Leser erklären, was Redispatch-Maßnahmen sind und warum die Eingriffe über Redispatch-Maßnahmen ein Gradmesser für einen planlosen Ökostromausbau sind.

Was sind Redispatch-Maßnahmen?

Unter dem Begriff Redispatch-Maßnahmen versteht man Eingriffe in die Stromerzeugung von Kraftwerken bzw. Ökostromanlagen, um Leitungsabschnitte im Übertragungsnetz vor Überlastung zu schützen. Droht an einer bestimmten Stelle im Netz eine Übertragungsleitung zu überlasten, drosselt man Kraftwerke auf der einen Seite des Engpasses, während Anlagen auf der anderen Seite des Engpasses ihre Stromerzeugung im gleichen Maß erhöhen.

Was sind Redispatch-Maßnahmen? - Ein Gradmesser für planlosen Ökostromausbau
Was sind Redispatch-Maßnahmen? - Ein Gradmesser für planlosen Ökostromausbau

Dadurch wird ein Lastfluss erzeugt, der einer drohenden Überlastung eines Netzabschnitts entgegenwirkt, so dass man eine Überlastung vermeiden kann.

Vor der Abschaltung der Atom- und Kohlekraftwerke waren Redispatch-Maßnahmen eher selten bzw. nur in Ausnahmefällen bei Störungen im Übertragungsnetz erforderlich. Diese Kraftwerke waren so über das Land verteilt, dass eine Überlastung der Stromleitungen zwischen den unterschiedlichen Einspeisepunkten auch bei voller Leistungsabgabe nicht möglich war. Mit der Abschaltung dieser Anlagen kam es jedoch zu ganz anderen Belastung im gesamten Stromnetze. Der massive Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen änderten sich die Einspeisepunkte und auch die Transportrichtung im Netz. Damit änderte sich auch die Belastung einzelner Netzabschnitte, die dafür gar nicht ausgelegt sind. Durch den zunehmenden Ausbau der Ökostromanlagen kam es auch zu immer mehr Redispatch-Maßnahmen.

Redispatch - Gradmesser für einen planlosen Ökostromausbau

Durch die Abschaltung der Atom- und Kohlekraftwerke ist überwiegend der energieintensive Süden unseres Landes betroffen. Beim Ökostromausbau führt aber der Norden mit einer hohen Zahl an Windkraftwerken die Einspeisung an. Der Norden produziert wesentlich mehr Strom, als er selbst verbraucht. Das EEG-Gesetz garantiert Ökostromanlagen Vorrang vor der konventionellen Stromerzeugung. Deshalb müssen die Netzbetreiber diese uneingeschränkt in ihre Netze einspeisen lassen. Die Stromtrassen zwischen Norden und Süden sind aber weder für die Strommenge noch für die jetzt entgegengesetzte Transportrichtung ausgelegt. Bei guter Wetterlage produzieren die Windkraftanlage mehr Strom, als das Netz übertragen kann. In diesem Fall müssen die Netzbetreiber über die Redispatch-Maßnahmen eingreifen. Grund ist letztendlich der planlose Ausbau der Ökostromanlagen. Diese Erhalten, ohne Überprüfung ob der eingespeiste Strom auch im Netz übertragbar ist, Baugenehmigungen. Damit kann man die Anzahl der Redispatch-Maßnahmen und die damit verbundenen Kosten auch ein Gradmesser für einen planlosen Ökostromausbau bezeichnen.

Was passiert bei einem Redispatch-Eingriff?

Um eine Überlastung des Netzes zu verhindern, schalten die Netzbetreiber Windkraftanlagen und große Solaranlagen ab, oder drosseln deren Stromerzeugung. Den dadurch fehlenden Strom müssen dann am anderen Ende des Netzes Reservekraftwerke erzeugen. Dies sind in erster Linie Gaskraftwerke, die man sehr schnell aus dem Stand anfahren kann.

Redispatch-Maßnahmen kosten richtig viel Geld

Redispatch-Eingriffe sind richtig teuer, denn zu Einem bekommen die Betreiber der abgeschalteten Ökostromanlagen den Strom, den sie in der Abschaltphase erzeugen hätten können, zum vollen Preis erstattet. Zum Anderen ist der Strom aus den Reservekraftwerken, sehr teuer. Diese Kraftwerke haben nur geringe Laufzeiten und produzieren deshalb über die gesamte Lebensdauer relativ wenig Strom. Die kompletten Anagekosten müssen deshalb auf die geringe erzeugte Strommenge umgelegt werden.

Sämtliche Kosten dafür trägt natürlich der Verbraucher über den Strompreis. Bei Redispatch-Eingriffen zahlt der Verbraucher gleich zwei mal und zwar für den nicht produzierten Strom der Ökostromanlagen, so wie für den produzierten Strom aus den Reservekraftwerken. Beide erhalten dazu in der Regel noch eine wesentlich höhere Vergütung, als der aktuell an der Strombörse gehandelte Strompreis.

Wieviel kosten uns die Redispatch-Eingriffe?

Nach dem aktuellen Bericht der Bundesnetzagentur fielen im Jahr 2020 Kosten für Redispatcheingriffe in Höhe von 1,4 Milliarden Euro an. Die Kosten sind über die Netzentgelte Bestandteil des Strompreises, auch deshalb haben wir den teuersten Strom im internationalen Vergleich.

Zuletzt aktualisiert am Juli 25, 2021 um 7:58 am . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.