In Apfelstetten bei Münsingen hat eine Überspannung massive Schäden in Privathaushalten verursacht. Ein technischer Defekt in einer Umspannstation von Netze BW ließ die Spannung auf bis zu 360 Volt steigen. Normalerweise liegen an Haushaltssteckdosen 230 Volt an. Mindestens 50 von 209 Haushalten meldeten deshalb Schäden an elektrischen Geräten und Anlagen. Die bisher erfasste Schadenssumme beträgt mindestens 600.000 Euro. Menschen kamen jedoch nicht zu Schaden.
Überspannung trifft Heizungen, Wallboxen und Solaranlagen
Besonders häufig traf der Defekt Heizungssteuerungen, Wallboxen sowie Photovoltaikanlagen. Außerdem gingen Kühl- und Gefriergeräte kaputt. In einzelnen Häusern fielen dadurch Warmwasser und Teile der Haustechnik aus. Ein Eigentümer rechnet laut Ortsvorsteherin Stefanie Looser allein mit rund 40.000 Euro Schaden. Deshalb mussten Handwerksbetriebe kurzfristig zahlreiche Reparaturen übernehmen.

Symbolbild: KI-generiert
Schon vor dem eigentlichen Störfall bemerkten Bewohner mehrfach flackernde Lampen. Am 21. August verschärfte sich die Situation jedoch erheblich. Lichter blinkten, Garagentore öffneten sich selbstständig und einzelne Kaffeemaschinen qualmten. Auch aus der betroffenen Umspannstation trat Rauch aus. Die ungewöhnlichen Vorgänge sorgten deshalb zunächst für erhebliche Unsicherheit im Ort.
360 Volt liegen weit außerhalb der normalen Netzspannung
Im deutschen Niederspannungsnetz beträgt die Nennspannung für Haushalte 230 Volt. Der zulässige Bereich liegt grundsätzlich bei plus oder minus zehn Prozent. Deshalb bewegt sich die reguläre Spannung beim Endverbraucher normalerweise innerhalb eines eng begrenzten Spannungsbands. Die gemessenen 360 Volt lagen deutlich darüber. Gerade elektronische Steuerungen und Leistungselektronik können auf solche Abweichungen empfindlich reagieren.
Netze BW führt die Überspannung auf ein defektes Betriebsmittel in der Umspannstation zurück. Ein Monteur erreichte den Einsatzort nach Unternehmensangaben 17 Minuten nach Eingang der Störungsmeldung. Er beseitigte die Störung anschließend vor Ort. Die Station ging jedoch erst rund viereinhalb Stunden später wieder vollständig in Betrieb. Die genaue technische Ursache des Defekts untersucht das Unternehmen weiterhin.
Netze BW bezeichnet den Vorfall als sehr selten
Der Netzbetreiber bezeichnet Ereignisse dieser Art als „sehr selten“. Schutztechnik überwacht zwar das Netz und soll fehlerhafte Bereiche abtrennen. Technische Defekte lassen sich jedoch auch bei regelmäßiger Wartung nicht vollständig ausschließen. Der aktuelle technische Regelrahmen enthält deshalb umfangreiche Vorgaben für Planung und Betrieb von Niederspannungsnetzen. VDE FNN hat diese Regeln 2026 erneut überarbeitet.
Für die Betroffenen beginnt nun die Schadensabwicklung. Netze BW verlangt dafür unter anderem Schadensbeschreibungen, Fotos oder Einschätzungen von Elektrofachbetrieben. Defekte Geräte sollten deshalb bis zum Abschluss der Prüfung nicht entsorgt werden. Eine weitere Überspannung kann zudem rechtliche Haftungsfragen auslösen. Der Bundesgerichtshof stellte bereits 2014 fest, dass Elektrizität unter bestimmten Voraussetzungen als fehlerhaftes Produkt gelten kann. Das Produkthaftungsgesetz zählt Elektrizität ausdrücklich zu den Produkten. Geschädigte müssen jedoch Schaden und ursächlichen Zusammenhang nachweisen.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Südwest Presse (31.08.26)
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