Rentenungleichheit in Berlin: Warum Arbeiten weniger bringt als Bürgergeld

Die Rentner in Berlin verfügen im Durchschnitt über geringere finanzielle Mittel als die Empfänger von Bürgergeld. Menschen, die 45 Jahre lang erwerbstätig waren, erhalten weniger als diejenigen, die nicht arbeiten. Diese Situation, so sagt Gunnar Schupelius von B.Z., ist nicht akzeptabel. (B.Z., 21.09.2023)

Die durchschnittliche Berliner Rente beläuft sich derzeit auf 1409 Euro pro Monat. Viele Rentner erhalten jedoch erheblich weniger. Insgesamt beträgt der Anteil der Renten, die weniger als 20.000 Euro pro Jahr ausmachen, 63 Prozent.


Es handelt sich hierbei um Bruttorenten, wovon jedoch aufgrund von Abzügen für Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern weniger auf dem Konto ankommt. Mehr als 80 Prozent der Renten unterliegen der Besteuerung, und dieser Trend zeigt nach oben.

Die durchschnittliche Nettorente in Berlin liegt somit unter den Leistungen, die Empfänger von Bürgergeld (ALG II, ehemals bekannt als „Hartz IV“) erhalten. Alleinstehende haben Anspruch auf 502 Euro monatlich und können zudem bis zu 700 Euro für die Warmmiete erhalten. Hinzu kommen Leistungen für Kranken- und Pflegeversicherung sowie Sachleistungen für die Wohnungseinrichtung usw.

Zusammengefasst bedeutet dies, dass Menschen, die 45 Jahre lang gearbeitet haben, weniger erhalten als diejenigen, die überhaupt nicht erwerbstätig waren. Ist das gerecht? Nein, natürlich nicht. Diese Ungleichheit wird im kommenden Jahr noch ausgeprägter sein, wenn das Bürgergeld erheblich erhöht wird.

Berlin's Rentner haben weniger Geld als Bürgergeldempfänger, trotz 45 Jahren Arbeit. Wie das passiert und warum es so bleiben könnte, erfährst du hier.
Rentenungleichheit in Berlin: Warum Arbeiten weniger bringt als Bürgergeld

Rente vs. Bürgergeld: Ein ungleicher Vergleich?

Ein Einwand könnte sein, dass Rente und Bürgergeld unterschiedliche Leistungen sind, was von der Politik argumentiert wird. Die Rente wird als eigenständiges System betrachtet, und ihre Höhe richtet sich nach den eingezahlten Beiträgen. Das Bürgergeld hingegen ist eine staatliche Unterstützung für bedürftige Menschen.

Allerdings ist die Angelegenheit nicht so einfach. Erstens erhalten auch Personen Bürgergeld, die nicht in akuter Notlage sind, wie beispielsweise junge arbeitsfähige Männer. Zweitens wird die Rentenkasse zunehmend mit Steuermitteln aufgefüllt (weil die Beiträge nicht ausreichen), und zwar inzwischen mit über 100 Milliarden Euro pro Jahr.

Rente und Bürgergeld werden somit aus dem gleichen Steuertopf finanziert, obwohl die Rentner während ihrer Berufstätigkeit Beiträge geleistet haben, während die Bürgergeldempfänger dies nicht getan haben. Daher ist es schwer nachvollziehbar, dass die Durchschnittsrente niedriger ausfällt als das Bürgergeld.


Wie könnte eine Lösung aussehen?

Für Renten, die besonders niedrig ausfallen, besteht die Möglichkeit der Aufstockung. Das ist sicherlich eine Option. Dennoch bleibt festzuhalten: Das Bürgergeld ist im Vergleich zur Rente sehr großzügig bemessen. Sollten die Renten also so stark erhöht werden, dass ein deutlicher Abstand zum Bürgergeld entsteht? Nein, das ist finanziell nicht machbar.

Sollte das Bürgergeld gesenkt werden? Ja, aber nicht für alle. Nicht für die 60-jährigen Menschen, die nach langjähriger Erwerbsarbeit arbeitslos werden. Junge Leute hingegen, die arbeitsfähig sind, sich aber der sozialversicherungspflichtigen Arbeit entziehen, sollten ebenfalls kein Bürgergeld erhalten.

Das wäre eine ehrliche Lösung. Die derzeitige Situation kann nicht beibehalten werden, in der Menschen, die 45 Jahre lang gearbeitet haben, genauso viel oder weniger erhalten als diejenigen, die überhaupt nicht erwerbstätig waren.

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