Rekord bei Ökostrom – nur die halbe Wahrheit

Immer wieder kann man Artikel über einen neuen Rekord bei der Ökostrom-Produktion lesen. Diese Berichte suggerieren, dass wir bald ohne konventionelle Kraftwerke auskommen könnten. Die Zeiträume, auf die sich in diesen Beiträgen der Rekord bei Ökostrom bezieht, liegen entweder bei einem ganzen Jahr oder mindestens einigen Monaten. Diesen Rekord-Meldungen zum Trotz liefen im Januar die verbliebenen Kohlekraftwerke aufgrund einer Dunkelflaute auf Hochtouren. Sogar bereits abgeschaltete Kohlekraftwerke sollen laut Bundesnetzagentur wieder in die Reserve zurückgeführt werden, da die verbliebenen Kraftwerke bei Dunkelflaute die Stromversorgung nicht mehr sicherstellen können.

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Rekord bei Ökostrom – deckt sich die Produktion auch mit dem Bedarf?

Meist zeigen diese Artikel dann noch auf, für wie viele Haushalte dieser Strom im Mittel ausgereicht hätte. Leider sind diese Aussagen aber immer nur die halbe Wahrheit. Die Frage ist nämlich nicht, für wie viele Haushalte dieser Strom im Schnitt über einen größeren Zeitraum ausgereicht hätte, sondern ob man diese Haushalte genau zu dem Zeitpunkt, als sie den Strom benötigten, mit Strom versorgen konnte. Dies bleibt in den entsprechenden Artikeln stets völlig offen, dabei ist das die zentrale Voraussetzung für eine sichere Stromversorgung.

Das europäische Stromnetz ist weit verzweigt. Bei Stromüberschuss wird Strom ins Ausland exportiert, bei Strommangel wird Strom aus dem Ausland importiert. Unsere Nachbarn profitieren durch die Preisdifferenz.

Stromimport und Stromexport wird zum Verlustgeschäft

Produzierten Strom, den gerade niemand braucht, muss man an der Strombörse billig ins Ausland verkaufen. Beim Export sind die Preise oft sogar negativ, d.h. die Netzbetreiber zahlen dafür, dass der überschüssige Strom abgenommen wird. Benötigter Strom, der aber gerade nicht produzierbar ist, muss man aus dem Ausland teuer importieren. Eine Rekord Stromproduktion kann also durchaus ein Verlustgeschäft sein. Darüber wird aber in Rekord-Meldungen zur Ökostrom-Produktion nie berichtet.

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Stromimport und Stromexport in der ersten Februarwoche

Um dies etwas besser zu veranschaulichen, schauen wir uns einmal die erste Februarwoche genauer an:

  1. Februar, Montag : (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 29,8% des gesamten Stroms.
    11 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland
    13 Stunden lang liegt die Stromproduktion unter dem Bedarf und es erfolgt ein Import aus dem Ausland
  2. Februar, Dienstag (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 28,9% des gesamten Stroms.
    12 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland
    12 Stunden lang liegt die Stromproduktion unter dem Bedarf und es erfolgt ein Import aus dem Ausland
  3. Februar, Mittwoch (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 47,8% des gesamten Stroms.
    24 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland
  4. Februar, Donnerstag (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 39,1% des gesamten Stroms.
    20 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland
    4 Stunden lang liegt die Stromproduktion unter dem Bedarf und es erfolgt ein Import aus dem Ausland
  5. Februar, Freitag (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 40,0% des gesamten Stroms.
    24 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland
  6. Februar, Samstag (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 60,7% des gesamten Stroms.
    24 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland
  7. Februar, Sonntag (Quelle)
    Die Ökoenergieanlagen liefern 65,3% des gesamten Stroms.
    24 Stunden lang liegt die Stromproduktion über dem Bedarf und es erfolgt ein Export ins Ausland

Kostenbilanz Import- Exportgeschäft

Die Preise lagen in diesem Zeitraum für den exportierten Strom zwischen -3,84€ und 65 ,6€ pro MWh und zwischen und 49,4€ und 81,6€ für den importierten Strom. In Summe waren die Kosten für den importierten Strom wesentlich höher als die Einnahmen für den exportierten Strom. Über mehrere Stunden fielen für den exportierten Strom sogar negativ Preise an, d. h. die Netzbetreiber haben dafür bezahlt, dass der überschüssige Strom vom Ausland abgenommen wurde.

Vor einigen Jahren konnte man in den öffentlich zugänglichen Datenbanken noch exakt herausfinden, wie viel Strom zu welchem Preis gehandelt wurde. Die Datenbanken sind mittlerweile so verändert, dass nur noch Strommengen und Preisspannen aufgeführt sind. Dadurch ist es nicht mehr möglich herauszufinden, ob die Bilanz zwischen Import und Export positiv oder negativ ist. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

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Planwirtschaft statt Marktwirtschaft

Das Besondere bei der Ökostromproduktion ist, dass sich die Betreiber dieser Anlagen nicht an die marktwirtschaftlichen Regeln halten müssen. Die Einspeisung des Ökostroms hat Vorrang, die Netzbetreiber müssen diesen Strom abnehmen. Ob man ihn gerade braucht oder nicht, spielt keine Rolle. Die Betreiber der Ökoanlagen bekommen für ihren Strom eine feste Vergütung unabhängig vom aktuellen Marktpreis an der Strombörse. Das groteske daran ist, dass durch die Stromüberproduktion die Strompreise an der Strombörse fallen und dadurch die Subvention für die erneuerbaren Energien immer höher ausfällt. Selbst wenn die Netzbetreiber bei Stromüberproduktion Ökostromanlagen abschalten, bekommen die Betreiber den Strom, den sie in der Abschaltphase erzeugen hätten können, zum vollen Preis erstattet.. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage wir hier vollständig auf den Kopf gestellt.

Man stelle sich einen Bäcker vor, der jeden Tag soviel Brötchen backen kann wie er will, und diese dann auch noch zu einem weit höheren Preis anbietet, als die örtliche Konkurrenz. Alles, was er am Ende des Tages nicht verkauft hat, kauft ihm der Staat dann zum vollen Preis ab. Finanziert wird dies mit einem Preisaufschlag auf die Brötchen der anderen Bäcker, den diese an den Staat abführen müssen. Was beim Bäcker undenkbar wäre, ist aber genau die Situation bei der Subventionierung der erneuerbaren Energien.

Solange sich die Betreiber der Ökostromanlagen nicht nach der Nachfrage nach Strom richten müssen und selbst bei der Abschaltung der Anlagen – weil man den Strom nicht braucht – die volle Vergütung erhalten, wird es weiterhin einen Rekord bei Ökostrom geben. Die Kosten dafür sind im Strompreis, den die Verbraucher zahlen müssen, enthalten. Deshalb haben wir auch den teuersten Strom der Welt.

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