Plötzliche Strompreisexplosion: Technischer Fehler treibt Energiekosten in die Höhe

Ein technisches Problem sorgte für drastische Preisanstiege im europäischen Stromhandel. Die Spotmarktpreise vervielfachten sich teilweise, was besonders für einige Stromkunden schwerwiegende Folgen hatte.


Drastische Preissteigerungen

Am Mittwoch kam es zu extremen Strompreisen. Im Day-ahead-Handel, der einen Tag im Voraus stattfindet, lagen die Preise weit über dem üblichen Niveau. Tobias Federico, Managing Director des Analysehauses Energy Brainpool, erklärte dem Handelsblatt: „In Deutschland gab am Dienstag für den Day-ahead-Handel im Tagesmittelwert einen Preis von 450 Euro pro Megawattstunde. Zwischen sechs und sieben Uhr morgens waren es sogar 2000 Euro pro Megawattstunde.“ (Handelsblatt, 26.06.2024)

Normalerweise bewegen sich die Preise tagsüber zwischen 100 und 200 Euro, oft sogar darunter. Diese Preisschwankungen treffen vor allem Verbraucher, deren Stromtarife an die Börsenpreise gekoppelt sind. So zeigte die App des Anbieters Tibber am Mittwochmorgen Preise von bis zu 233 Cent pro Kilowattstunde, während zur Mittagszeit der Preis bei null Cent lag.

Technisches Problem verursacht dramatische Strompreissprünge: Verbraucher zahlen Rekordpreise im europäischen Stromhandel

Auswirkungen auf den Verbraucher

Die hohen Preise führten dazu, dass Verbraucher, die zu bestimmten Zeiten Strom nutzten, tief in die Tasche greifen mussten. Wer morgens zwischen sechs und sieben Uhr Strom verbrauchte, zahlte besonders viel. Das Laden eines Elektroautos konnte in dieser Zeit erhebliche Kosten verursachen. Ein Auto, das in einer Stunde elf Kilowattstunden lädt, hätte in dieser Zeit etwa 25 Euro Stromkosten verursacht, einschließlich Steuern und Gebühren sogar mehr als 32 Euro.

Eine Sprecherin der Epex-Spot-Börse in Paris, die den europäischen Day-ahead-Handel organisiert, erläuterte dem Handelsblatt, dass ein technisches Problem im Handelssystem aufgetreten sei. „Dies führte zu einer teilweisen Entkopplung der Epex Spot von der Single Day Ahead Market Coupling (SDAC) Session.“

Federico erklärt, dass dies bedeutete, dass Deutschland, Österreich, Dänemark, Frankreich und andere Länder entkoppelt wurden. Dadurch fand für jedes Land eine gesonderte Auktion statt. Dies führte zu extrem hohen Preisen, da Deutschland sich während dieser Zeit nicht auf Stromimporte aus Nachbarländern verlassen konnte.


Schwankende Strompreise und technische Probleme

An diesem Mittwoch sorgte das warme Wetter für eine besondere Situation. Tagsüber drückt Solarenergie die Preise, wodurch es sich nicht lohnt, konventionelle Kraftwerke hochzufahren. Morgens, wenn viel Strom verbraucht wird, aber noch wenig Solarstrom zur Verfügung steht, entstehen daher hohe Preise. Deutschland verlässt sich oft auf Stromlieferungen aus den Nachbarländern. Die Strompreise schwankten stark: Mittags betrug der Preis für eine Megawattstunde minus fünf Euro.

Moritz Zackariat von Agora Energiewende betonte, dass technische Störungen sehr selten seien und Marktpreise während solcher Ereignisse Ausnahmesituationen widerspiegeln. Daher sollten keine allgemeinen Rückschlüsse auf den Strommarkt gezogen werden.

Andere Experten wie Christof Bauer von der TU Darmstadt sehen in dem Vorfall ein Beispiel dafür, was passieren könnte, wenn alle Länder in der Energiewende so vorgehen wie Deutschland. Er fordert, keine weiteren Kohlekraftwerke vom Netz zu nehmen, bevor neue Gaskraftwerke angeschlossen werden.

Bruno Burger vom Fraunhofer ISE Institut sieht kurzfristige Preisspitzen als Möglichkeit, Akkus rentabel zu betreiben. Batteriespeicher könnten in solchen Situationen schneller als konventionelle Kraftwerke einspringen.

Zukünftige Maßnahmen und Marktreaktionen

Die genaue Ursache des technischen Problems ist noch unklar. Die Epex Spot arbeitet an einer detaillierten Analyse. Die kommenden Market Coupling Sessions sollen wieder normal ablaufen.

Viele Stromkunden bemerkten die kurzfristigen Preisextreme möglicherweise gar nicht, da ihre Tarife Schwankungen ausgleichen. Betroffen waren vor allem Privatkunden mit dynamischen Tarifen und große Händler wie Stromversorger. Diese mussten für bestimmte Uhrzeiten hohe Preise zahlen. Energieversorger, die kurzfristig Strom beschaffen müssen, trifft es besonders hart. Auf der anderen Seite profitierten Betreiber von Kraftwerken, die zu den teuren Zeiten Strom liefern konnten.

Dieser Vorfall zeigt die Anfälligkeit des Strommarktes bei technischen Problemen und unterstreicht die Notwendigkeit, das Energiesystem robust und flexibel zu gestalten.

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