PFAS im Trinkwasser: Deutschland erlaubt bis zu 25-mal höhere Grenzwerte als die USA

Eine am 21. Oktober 2026 veröffentlichte Auswertung amerikanischer Trinkwasserdaten zeigt eine weitreichende Belastung mit PFAS. Diese künstlich hergestellten, extrem langlebigen Chemikalien kommen unter anderem in Beschichtungen, Verpackungen und Feuerlöschschäumen vor. Bestimmte Verbindungen können Krebs begünstigen, die Leber schädigen und das Immunsystem beeinträchtigen. In rund 3.600 untersuchten US-Wasserversorgungssystemen wurden PFAS nachgewiesen, während auch Deutschland und andere europäische Länder mit erheblichen Belastungen kämpfen. Besonders brisant sind die unterschiedlichen Grenzwerte. Die USA begrenzen die Schadstoffe PFOA und PFOS auf jeweils vier Nanogramm pro Liter. Deutschland erlaubt für diese Einzelstoffe derzeit dagegen Konzentrationen bis zu 100 Nanogramm, sofern der Summengrenzwert eingehalten wird. Damit liegen die zulässigen Einzelwerte bis zu 25-mal höher.

PFAS belasten das Trinkwasser in den USA und Deutschland. Doch deutsche Grenzwerte erlauben bis zu 25-mal höhere Schadstoffkonzentrationen.
PFAS belasten das Trinkwasser in den USA und Deutschland. Doch deutsche Grenzwerte erlauben bis zu 25-mal höhere Schadstoffkonzentrationen
Bild: Shutterstock

Tausende US-Wasserversorger melden PFAS im Trinkwasser

Die amerikanische Umweltbehörde EPA untersuchte im Rahmen ihres landesweiten Überwachungsprogramms mehr als 10.300 öffentliche Wasserversorgungssysteme. Die endgültigen Daten veröffentlichte sie im August 2026. Bei rund 3.600 Systemen fanden die Labore mindestens eine der untersuchten PFAS-Verbindungen. Das entspricht etwa 35 Prozent der erfassten Wasserversorgungssysteme. Die Untersuchungen umfassten 29 PFAS-Verbindungen und fanden überwiegend zwischen 2023 und 2025 statt. Allerdings bedeutet ein Schadstoffnachweis nicht zwangsläufig eine Überschreitung der gesetzlichen Grenzwerte.

Die veröffentlichten Ergebnisse verdeutlichen dennoch die Dimension der industriellen Verunreinigung. PFAS gelangen über Produktionsabwässer, belastete Böden und Löschschäume in die Wasserressourcen. Dort verbleiben viele Verbindungen über Jahrzehnte, weil natürliche Abbauprozesse kaum greifen. Besonders problematisch sind PFOA und PFOS. Für diese beiden Stoffe gelten in den USA Einzelgrenzwerte von jeweils vier Nanogramm pro Liter. Die amerikanischen Behörden müssen deshalb zahlreiche Wasserversorgungssysteme bei der technischen Nachrüstung begleiten.


PFAS-Grenzwerte: Deutschland erlaubt bis zu 25-mal höhere Einzelwerte

In Deutschland gilt seit dem 12. Januar 2026 ein Summengrenzwert von 100 Nanogramm pro Liter für 20 ausgewählte PFAS-Verbindungen. Für PFOA und PFOS existieren innerhalb dieser Regelung derzeit keine zusätzlichen gesetzlichen Einzelgrenzwerte von vier Nanogramm. Deshalb kann ein Liter Trinkwasser beispielsweise 60 Nanogramm PFOA enthalten und trotzdem den deutschen Summengrenzwert einhalten. In den USA würde dieselbe Konzentration den Grenzwert um das 15-Fache überschreiten. Damit akzeptiert Deutschland bei diesen besonders bedenklichen Stoffen rechtlich deutlich höhere Einzelkonzentrationen. Allerdings unterscheidet sich die Systematik der Vorschriften, weil Deutschland mehrere Verbindungen gemeinsam bewertet.

Erst ab Januar 2028 verschärft Deutschland seine Vorgaben für vier besonders problematische PFAS. Dann dürfen PFOA, PFOS, PFNA und PFHxS zusammen höchstens 20 Nanogramm pro Liter erreichen. Doch selbst dieser zusätzliche Summengrenzwert liegt bei ausschließlicher Belastung mit PFOA oder PFOS noch beim Fünffachen des amerikanischen Einzelgrenzwerts. Während die USA bereits 2024 strengere Werte festlegten, erhalten deutsche Wasserversorger somit einen längeren Übergangszeitraum. Allerdings prüft auch die EPA eine Verlängerung ihrer Umsetzungsfristen bis 2031. An den amerikanischen Grenzwerten für PFOA und PFOS soll grundsätzlich festgehalten werden.

Deutsche Wasserwerke müssen hoch belastetes Grundwasser reinigen

Wie schwerwiegend die Verunreinigungen bereits sind, zeigen aktuelle Messungen aus Rastatt in Baden-Württemberg. Dort gelangten früher PFAS-haltige Papierschlämme auf landwirtschaftliche Flächen. Im August 2026 enthielt das Rohwasser des Wasserwerks Rauental 264 Nanogramm PFAS-20 pro Liter. Erst eine technische Aufbereitung senkte die Konzentration im abgegebenen Trinkwasser auf 26 Nanogramm. Damit hält das Wasser den deutschen Grenzwert ein. Die vier besonders bedenklichen PFAS waren im aufbereiteten Netzwasser nicht nachweisbar. Dennoch bleibt das Grundwasser belastet und muss weiterhin gereinigt werden.

Auch andernorts sind die Folgen industrieller Chemikalieneinträge sichtbar. Das Umweltbundesamt nennt unter anderem Gendorf in Bayern sowie zahlreiche Flughäfen und ehemalige Militärstandorte. Eine am 15. Oktober 2026 veröffentlichte europäische Studie dokumentiert PFAS sogar an 93 Prozent von 280 untersuchten Flussmessstellen in 31 Ländern. Dabei handelt es sich um Oberflächengewässer und nicht um aufbereitetes Trinkwasser. In den Niederlanden zeigte eine Untersuchung vom September zudem, dass mehr als ein Drittel der Bevölkerung Trinkwasser mit PFAS-Werten oberhalb eines nationalen gesundheitlichen Richtwerts erhält. Die gesetzlichen europäischen Grenzwerte wurden dabei jedoch nicht überschritten.


Europa setzt höhere Grenzwerte – die Reinigungskosten tragen die Wasserversorger

Seit Januar 2026 gelten erstmals EU-weit harmonisierte Vorgaben zur PFAS-Überwachung im Trinkwasser. Die Mitgliedstaaten müssen Belastungen erfassen und bei Grenzwertüberschreitungen Maßnahmen ergreifen. Doch die unterschiedlichen amerikanischen und europäischen Grenzwerte verdeutlichen, wie verschieden die Behörden gesundheitliche Vorsorge rechtlich ausgestalten. Hinzu kommt eine wirtschaftliche Belastung für die Wasserversorgung. Aktivkohlefilter, zusätzliche Messungen und neue Brunnen verursachen erhebliche Kosten. Das Umweltbundesamt verweist ausdrücklich auf steigende Aufbereitungskosten und die schwierige Sanierung kontaminierter Böden.

Die Unterschiede lassen sich deshalb nicht allein mit abweichenden Messverfahren erklären. Bei PFOA und PFOS erlaubt Deutschland derzeit tatsächlich deutlich höhere Einzelkonzentrationen als die USA. Gleichzeitig zeigen die amerikanischen Untersuchungen und die europäischen Schadensfälle, wie verbreitet diese langlebigen Chemikalien inzwischen sind. Wasserwerke müssen Verunreinigungen entfernen, die häufig Jahrzehnte zuvor verursacht wurden. Höhere Grenzwerte reduzieren zwar den unmittelbaren Handlungsbedarf bei bestimmten Messergebnissen, beseitigen aber weder die Chemikalien noch die langfristigen Belastungen. Die entscheidende Frage bleibt, weshalb deutsche Verbraucher bei denselben Schadstoffen gesetzlich weniger strenge Einzelstoffgrenzen haben als amerikanische.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Newsweek (21.10.26) – Umweltbundesamt (19.10.26) – ScienceDirekt (15.10.26) – European Commission (05.10.26)

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