Offshore-Branche stellt politische Ausbauziele offen infrage

Mehrere Betreiber von Offshore-Windparks hinterfragen die politischen Ausbauziele. Sie schlagen vor, das Wachstum gezielter zu steuern, um Strom günstiger und effizienter zu erzeugen. Während die Bundesregierung auf maximale Leistung setzt, fordern große Unternehmen eine Begrenzung der Flächennutzung in Nord- und Ostsee – ohne dabei Abstriche bei der Stromausbeute zu machen (handelsblatt: 25.03.25).


Ausbauziele im Widerspruch zur Flächenrealität

Der dänische Offshore-Spezialist Orsted legt in einer aktuellen Analyse dar, wie sich die Ausbauziele an die realen Gegebenheiten der Nord- und Ostsee anpassen lassen. Statt 70 Gigawatt installierter Leistung, wie von der Politik vorgesehen, hält Orsted 55 Gigawatt in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) für ausreichend. Diese Zone erstreckt sich bis zu 200 Seemeilen vor der Küste.

Offshore-Windparkbetreiber fordern realistischere Ausbauziele und kritisieren ineffiziente Flächenplanung in Nord- und Ostsee
Offshore-Windparkbetreiber fordern realistischere Ausbauziele und kritisieren ineffiziente Flächenplanung in Nord- und Ostsee

Laut Berechnungen lassen sich durch diese Reduktion „konservativ gerechnet bis zu 31,1 Milliarden Euro“ einsparen – ohne dabei nennenswerte Einbußen bei der Stromerzeugung zu erleiden. Die Analyse kritisiert insbesondere die aktuelle Flächenplanung. Durch zu geringe Abstände entstünden Abschattungseffekte. Windräder konkurrieren um denselben Luftstrom, wodurch die Zahl der Volllaststunden sinkt. Je dichter die Parks stehen, desto geringer fällt der Stromertrag pro Anlage aus.

Geringere Dichte, höhere Ausbeute

Wolfram Axthelm vom Bundesverband Windenergie fordert, „durch geringere Abschattungseffekte höhere Erträge zu erreichen“. Auch EnBW befürwortet eine angepasste Strategie. Michael Class, verantwortlich für Erzeugung und Portfolioentwicklung, empfiehlt, neue Flächen mit reduzierter Leistungsdichte auszuschreiben. So lasse sich die Strommenge je Windrad steigern – und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit verbessern.

Auch der Netzausbau spielt eine zentrale Rolle. Christoph Maurer vom Beratungsunternehmen Consentec betont die Bedeutung optimal ausgelasteter Netzanschlüsse. Effizienz entstehe nur durch präzise abgestimmte Infrastruktur. Zusätzlich könne die internationale Zusammenarbeit die Erzeugung auf See deutlich stärken.

Alternative Flächen statt technischer Extremstandorte

Ein Beispiel liefert Orsted mit dem Vorschlag, ertragreiche dänische Flächen an das deutsche Stromnetz anzubinden. Diese Kooperation biete ein zusätzliches Potenzial von 15 Gigawatt – bei gleichzeitig geringeren Anschlusskosten. Durch kürzere Kabelwege und bessere Logistik ließen sich Wettbewerbsvorteile erzielen.

Besonders skeptisch beurteilt Orsted hingegen den geplanten Ausbau im sogenannten „Entenschnabel“, dem nordwestlichsten Teil der AWZ. Die extreme Entfernung zur Küste erschwert Wartung und Bau erheblich. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Stromanbindung deutlich. Ein Verzicht auf diese Zone könnte Wirtschaftlichkeit und Ausbauziele besser in Einklang bringen.


Neue Ausbauziele oder Kurskorrektur?

Die politischen Ausbauziele sehen 30 Gigawatt installierte Leistung bis 2030 vor. Bis 2035 soll diese Zahl auf 40 Gigawatt steigen, 2045 sind sogar 70 Gigawatt vorgesehen. Derzeit liefern Offshore-Windparks 9,2 Gigawatt. Der Löwenanteil der künftigen Leistung entfällt auf die Nordsee.

RWE-Chef Markus Krebber plädiert inzwischen für eine Anpassung auf 50 Gigawatt – und übertrifft damit sogar die Empfehlung von Orsted. Doch nicht alle unterstützen diese Neujustierung. Der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) fordert klare Vorgaben, um Planungssicherheit zu gewährleisten. Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power Systems, spricht sich für stabile Bedingungen aus, damit Investitionen in neue Kapazitäten verlässlich bleiben.

Auch der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) sieht Risiken. Stefan Thimm warnt: „Die aktuelle Ziele-Debatte ist eine Scheindebatte. Wer heute den Ausbau einkürzt, mag beim Netzausbau sparen – wird aber langfristig deutlich höhere Kosten für den Energieimport und eine strategische Abhängigkeit zahlen müssen.“

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Zuletzt aktualisiert am Januar 14, 2025 um 21:39 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
Zuletzt aktualisiert am Januar 21, 2025 um 14:27 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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