In Norwegen steigt der Widerstand gegen den Energieexport nach Deutschland

In Norwegen wächst der Widerstand gegen die gemeinsame Nutzung des Stroms mit Deutschland, obwohl Wirtschaftsminister Habeck im Januar noch ein Deal für eine Wasserstoffpipeline zwischen beiden Ländern geschlossen hat, um Strom zu produzieren. Die Norweger argumentieren, dass der erzeugte Windstrom ausschließlich für ihr Land bestimmt ist und sie ihn nicht teilen möchten. Ein Sprecher betonte, dass es „ihr Wind“ sei (Berliner-Zeitung: 02.05.23).


Norwegen als Europas führender Öl- und Gasproduzent: Widerstand gegen Energielieferungen nach Deutschland wächst

Laut der Außenhandelskammer Norwegen (AHK) produzierte das skandinavische Land im Jahr 2022 beeindruckende 232 Millionen Standardkubikmeter Öläquivalente an Öl und Gas und ist damit der führende Produzent im europäischen Wirtschaftsraum. Norwegen verfügt über reichliche fossile Bodenschätze, aber auch ideale Bedingungen für die Erzeugung von Ökostrom und grünem Wasserstoff. Angesichts dessen scheint es naheliegend zu sein, dass Norwegen einen Teil des Kuchens abgibt. Allerdings scheint es bei den Norwegern wachsenden Widerstand gegen die Rolle als Deutschlands Energielieferant Nummer eins zu geben, während die Deutschen gerne an der bestehenden Partnerschaft festhalten möchten.

Norwegen hat einen der höchsten Pro-Kopf-Stromverbräuche weltweit mit fast 22.400 Kilowattstunden (kWh), während die Menschen in Deutschland laut der Stiftung Energie & Klimaschutz nicht einmal 6.700 kWh pro Kopf verbrauchen. Obwohl Norwegen Stromüberschüsse hat und er in der Vergangenheit auch günstiger war, ist der hohe Verbrauch nun nicht mehr zu rechtfertigen. Der Chef des Analyse- und Beratungshauses Rystad Energy, Jarand Rystad, erklärte, dass viele Menschen meinen, es gäbe mehr als genug Strom, um ihre eigenen Bedürfnisse zu decken, aber damit sei nun Schluss.

Norwegischer Strompreisaktivist kritisiert hohe Energiepreise und Stromexporte nach Europa und kündigt Widerstand an

Norwegen scheint nicht mehr bereit zu sein, die Probleme anderer Länder auszubaden, da der Preis für Strom offenbar der Grund dafür ist. Besonders in Südnorwegen ist der Anstieg der Großhandelspreise überdurchschnittlich hoch, da die Region direkt mit dem mitteleuropäischen Markt verbunden ist. Der bekannte norwegische Strompreisaktivist Olav Sylte kritisiert gegenüber dem Spiegel, dass Norwegen über diese Kabel Strom nach Europa exportiert und damit auch die hohen Preise importiert.

Norwegen als Europas führender Öl- und Gasproduzent: Widerstand gegen Energielieferungen nach Deutschland wächst
Norwegen als Europas führender Öl- und Gasproduzent: Widerstand gegen Energielieferungen nach Deutschland wächst
Bild: Krib, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Sylte hat sich einen Namen damit gemacht, dass er die Opfer der großen Schneeballsysteme in Norwegen zwischen 2002 und 2005 vertrat. Jetzt setzt er sich nicht nur für niedrigere Energiepreise ein, sondern kämpft auch gegen die Stromkabel, die Norwegen mit Deutschland und Großbritannien verbinden. Er hat ein großes Netzwerk, einschließlich der Facebook-Gruppe „Wir fordern billigeren Strom“, die rund 612.000 Mitglieder hat.

Obwohl Norwegen weiterhin Gas exportiert werden, gibt es beim Strom eine Grenze, die der Aktivist und Anwalt zieht: „Unser Strom sollte hauptsächlich für unser Land genutzt werden. […] Es ist unser norwegisches Wasser, unser norwegischer Wind“, sagt Sylte.


Equinor und RWE schließen Partnerschaft für den Bau von Wasserstoff-Kraftwerken

Zu Beginn des Jahres wurde eine Energiepartnerschaft angekündigt, die den Bau von Gaskraftwerken vorsah, die mit Wasserstoff betrieben werden sollten. Wirtschaftsminister Robert Habeck hatte bei seinem Besuch in Norwegen im Januar erklärt, dass der Wasserstoff aus Norwegen kommen solle. Daraufhin schlossen der norwegische Energieversorger Equinor und der Essener Energiekonzern RWE eine strategische Partnerschaft, die von Habeck und dem norwegischen Staatsminister bei der Unterzeichnung begleitet wurde. Ein Bestandteil der Absichtserklärung war der Bau einer Wasserstoffpipeline zwischen den Ländern bis 2030.

Trotz Kritik und zunehmendem Widerstand in der Bevölkerung verteidigte der norwegische Erdöl- und Energieminister Terje Aasland die Entscheidung. Er betonte, dass Norwegen auf ausländischen Strom angewiesen sei und ein Alleingang nicht sinnvoll wäre. Es sei wichtig, dass Europa zusammenhalte. Aasland sagte: „Wenn wir die Kabel nach Mitteleuropa kappen würden, müssten wir hier noch mehr Kraftwerke bauen, um unsere Versorgung zu jedem Zeitpunkt sicherzustellen“.

Norwegens erneuerbare Energien im Fokus: Wasserkraft als Spitzenreiter

Norwegen produziert derzeit fast ausschließlich erneuerbaren Strom, wobei die Wasserkraft mit 88 Prozent den Spitzenplatz einnimmt und somit eine zentrale Rolle unter den erneuerbaren Energien spielt, wie von AHK Norwegen berichtet wird.

Trotz der hohen Produktion von grünem Strom und der Exporte von Strom und Wasserstoff war Norwegen von der Energiekrise nicht verschont geblieben. Der Strompreis stieg an der Börse stark an und betrug im Juli 2022 rund 250 Euro/mWh im Vergleich zu knapp 50 Euro/mWh im Juli 2021. Trotzdem bleibt der norwegische Strompreis im Schnitt niedriger als der deutsche Preis, der im Juli 2022 bei 450 Euro/mWh lag. Norwegen bleibt also ein wichtiger Akteur in der erneuerbaren Energieproduktion und hat auch in Zukunft viel Potential, um seinen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten.


Norwegens Strombedarf steigt – Verstaatlichung des Gasleitungsnetzes als Plan B?

Statnett, der staatliche Netzbetreiber, prognostiziert einen erheblichen Anstieg des norwegischen Strombedarfs, obwohl sich der Strompreis in diesem Jahr zu erholen scheint. Laut einer Marktanalyse wird der Strombedarf in den nächsten fünf Jahren von derzeit rund 140 auf 164 Terawattstunden (TWh) bis 2027 steigen, und das ohne einen entsprechenden Anstieg der Stromerzeugung. Dies wird zu einer negativen Nettoenergiebilanz im Jahr 2027 führen.

Deshalb hat Norwegen bereits einen Plan B in Erwägung gezogen. Nachdem bestehende Konzessionen im Jahr 2028 auslaufen, plant Norwegen, den größten Teil seines Gasleitungsnetzes zu verstaatlichen, wie das Öl- und Energieministerium von Aasland mitteilte. Das Ziel sei, die Kontrolle über die Schlüsselinfrastruktur zu verstärken. Es gibt jedoch noch keine genauen Informationen über die Gründe für diesen Plan.

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