Griechenland vollzieht Kurswechsel – weg von grüner Energie hin zu Offshore-Gas

Die griechische Regierung lenkt von ihrem ursprünglichen Plan einer nachhaltigen Energiewende ab und setzt mit einem Kurswechsel verstärkt auf Offshore-Gasförderung. Besonders im Ionischen Meer sollen große Vorkommen erschlossen werden. Chevron zeigt Interesse an den Gebieten südwestlich des Peloponnes. Schon 2019 erhielt ExxonMobil eine Lizenz für erste Bohrungen. Vorläufige Schätzungen gehen davon aus, dass dort bis zu 2,5 Billionen Kubikmeter Erdgas lagern. Das entspricht rund 15 Prozent des jährlichen EU-Gasverbrauchs. Mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten rückt das Thema noch stärker in den Fokus. Seine Politik des uneingeschränkten Frackings beeinflusst auch andere Staatschefs. Kyriakos Mitsotakis folgt dem Trend (dw: 03.02.25).


Kehrtwende nach der Energiekrise

Noch vor wenigen Jahren hatte Mitsotakis das Ziel formuliert, Griechenlands Energieversorgung vollständig zu transformieren. 2019 kündigte er vor den Vereinten Nationen an, alle Braunkohlekraftwerke bis 2028 stillzulegen. Der Anteil erneuerbarer Energien sollte bis 2030 auf über 90 Prozent steigen. Auf der internationalen Ozean-Konferenz im vergangenen Jahr schloss er neue Öl- und Gaslizenzen kategorisch aus.

Griechenland vollzieht einen Kurswechsel in der Energiepolitik und setzt vermehrt auf Offshore-Gasförderung, statt auf erneuerbare Energie
Griechenland vollzieht einen Kurswechsel in der Energiepolitik und setzt vermehrt auf Offshore-Gasförderung, statt auf erneuerbare Energie
Symbolbild: KI-generiert

Dann änderte sich die Lage. Steigende Energiepreise und Unsicherheiten auf den globalen Märkten führten zu einem Umdenken. Zudem stärkte Trump mit seinem wirtschaftsfreundlichen Kurs fossile Energien. Griechenlands Regierung begann ihren Kurswechsel und korrigierte die frühere Strategie schrittweise. Statt sich allein auf erneuerbare Energien zu konzentrieren, öffnete sie sich für Gasförderprojekte. Besonders US-Konzerne stehen im Fokus neuer Lizenzvergaben.

Kritik an der neuen Strategie

Umweltorganisationen sehen diesen Kurs kritisch. Der griechische WWF bezeichnet das Vorgehen als widersprüchlich. „Das überstürzte Interesse des Ölgiganten Chevron, die Kohlenwasserstoffförderung in Griechenland fortzusetzen, in Verbindung mit der sofortigen positiven Reaktion Athens zeigt bestenfalls eine Doppelmoral der Regierung, die sich selbst als grün und als Vorreiter des grünen Übergangs präsentiert.“

Nicht nur Umweltverbände äußern Bedenken. Auch in den betroffenen Regionen regt sich Widerstand. Viele Einwohner leben vom Tourismus und der Fischerei. Sie befürchten gravierende Umweltschäden und den Verlust ihrer wirtschaftlichen Grundlage. In der Vergangenheit gab es bereits Proteste gegen Bohrvorhaben. Gerichtliche Schritte gegen die aktuellen Pläne gelten als wahrscheinlich.


Sicherheitsbedenken und wirtschaftliche Risiken

Die griechische Umwelt- und Energieministerin Alexandra Sdoukou versucht, die Bevölkerung zu beruhigen. „Unternehmen mit einer solche langjährigen weltweiten Erfahrung würden niemals riskieren, Verfahren zur Kohlenwasserstoffgewinnung auszuprobieren, bei denen auch nur das geringste Risiko eines Auslaufens ins Meer besteht, was zu einer großen Umweltkatastrophe führen würde.“

Doch bevor die Gasförderung beginnt, stehen mehrere Herausforderungen an. Zunächst müssen Bohrungen zeigen, ob tatsächlich förderwürdige Mengen vorhanden sind. Dann müssen Abnehmer für das Gas gefunden werden, denn ohne langfristige Verträge investieren Konzerne kaum. Schließlich müssen Banken überzeugt werden, Kredite für die teuren Projekte bereitzustellen. Laut Experten bringen Ölgesellschaften höchstens 30 Prozent des benötigten Kapitals selbst auf, der Rest kommt von Finanzinstituten.

Fachleute rechnen damit, dass es mindestens zehn Jahre dauert, bis eine tatsächliche Förderung beginnt. Dieser Kurswechsel in der griechischen Energiepolitik birgt erhebliche Risiken. Die Zukunft der Energiepolitik in Europa könnte sich bis 2035 stark verändern. Ob die geplanten Investitionen dann noch sinnvoll sind, bleibt fraglich.

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