Energiewende steigert Abhängigkeit von China

Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck hat das Ziel, bis 2030 mindestens 80 % des deutschen Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien zu decken. Dafür ist ein großer Ausbau von Wind- und Solarstrom notwendig, da der Anteil der Erneuerbaren am Bruttostromverbrauch in Deutschland im Jahr 2021 nur 41 % betrug (Bild: 01.01.23). China ist der weltweit führende Hersteller von Wind- und Solaranlagen. Die Energiewende könnte Deutschland deshalb in eine noch stärkere Abhängigkeit von China führen.


Deutschland muss zukünftig mehr Wind- und Solaranlagen bauen, um seine Energieabhängigkeit zu verringern

Deutschland muss in den nächsten sieben Jahren viele Wind- und Solaranlagen bauen, um seine Abhängigkeit von Kohle, Atomkraft und russischem Erdgas zu verringern und sein Ziel zu erreichen, 80 % des Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien zu decken. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts zeigt, dass der Stromverbrauch in Deutschland bis 2030 von 570 TWh auf 658 TWh steigen wird. Grund ist die zunehmende Elektrifizierung in Bereichen wie Mobilität, Heizung und Digitalisierung.

Deutschland muss zukünftig mehr Wind- und Solaranlagen bauen  und steigert damit seine Abhängigkeit von China noch weiter
Deutschland muss zukünftig mehr Wind- und Solaranlagen bauen und steigert damit seine Abhängigkeit von China noch weiter

Wenn wir unsere Energie aus erneuerbaren Quellen wie Wind- und Solarstrom beziehen, wird die Abhängigkeit von China noch weiter steigen als bisher. China ist der größte Hersteller von Wind- und Solarstromanlagen. Laut Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbandes, stammen etwa 80 % der Bauteile für Photovoltaikanlagen aus China, manche Komponenten sogar zu 95 %.


Deutschlands Solarindustrie: Früher stark, heute fast nicht mehr vorhanden

Deutschland hatte früher eine starke Solarstromindustrie, aber jetzt ist nicht mehr viel davon übrig. In Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) arbeiteten einmal über 3000 Mitarbeiter für Solarzellen-Hersteller. Die EEG-Abgabe, über die Deutschland die Förderung von erneuerbaren Energien finanziert hat, hat sich zu einer Subvention für die chinesische Solarzellen-Produktion entwickelt. Die deutschen Hersteller mussten wegen der billigen chinesischen Konkurrenz ihre Produktion weitgehend einstellen. Heute stammen 80 % aller Solarzellen weltweit aus China.

Deutschland muss in den kommenden Jahren mehr Wind- und Solaranlagen bauen

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums bestätigt, dass Deutschland zurzeit sehr von China abhängig ist, wenn es um Solarmodule geht. Das Wirtschaftsministerium möchte deshalb die Zahl der Lieferanten, die nicht aus China kommen, erhöhen und die Produktion von Solarmodulen wieder stärker nach Deutschland und Europa holen. Es ist aber unklar, wie das in den nächsten sieben Jahren gelingen soll. Die Zahlen für die Windenergie sehen auch nicht viel besser aus. Eine Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität zu Köln zeigt, dass zwischen 2023 und 2029 täglich 5,8 Windräder mit einer Leistung von durchschnittlich 4,2 Megawatt gebaut werden müssen, damit Deutschland das Ziel erreicht, 80 % seiner Energie aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Damit müssten in den kommenden sieben Jahren mehr Windenergieanlagen gebaut, werden als bisher heute insgesamt in Deutschland stehen. Im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2021 wurden pro Tag nur 3,5 Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von 2,8 Megawatt errichtet.


Europäische Hersteller von Windkraftanlagen kämpfen gegen Konkurrenz aus China

Es gibt in Europa zwar noch zwei wichtige Hersteller von Windkraftanlagen, Siemens Gamesa und Vestas, aber sie haben Schwierigkeiten aufgrund der zunehmenden Konkurrenz aus China und des Krieges in der Ukraine. Die Wirtschaftsberatungsagentur S&P Global Market Intelligence berichtet, dass beide Unternehmen in diesem Jahr Verluste gemacht haben und ihre Preise erhöhen mussten, um ihre Kosten zu decken. Das hat jedoch dazu geführt, dass sie weniger Bestellungen bekommen haben und Betreiber von Windkraftanlagen in Fernost sie weniger attraktiv finden. Es droht eine Lücke in der Stromversorgung.

China hat weltweit führende Position in der Herstellung von Windkraftanlagen

China hat im Jahr 2020 mehr Windkraftanlagen gebaut als jemals zuvor in Deutschland. Von den 10 größten Herstellern von Windkraftanlagen sind 7 aus China: Goldwind, Envision, Mingyang, Shanghai Electric, Windey, CRRC und Sany teilen fast den gesamten Heimatmarkt unter sich. Die chinesischen Hersteller haben neben günstigen Arbeitskräften noch einen weiteren Vorteil: Die Metalle der sogenannten Seltenen Erden, die für moderne Windkraftanlagen wichtig sind, kommen fast ausschließlich aus China. Deshalb hat der Präsident des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie), Siegfried Russwurm, auf dem BDI-Rohstoffgipfel im Oktober gesagt: „Deutschland ist erpressbar, wenn es um Rohstoffe geht“.


Deutschland ist erpressbar: Warnung vor hoher Rohstoffabhängigkeit von China

Russwurm, warnt, dass die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von China bei Rohstoffen für die Industrie schlimmer ist als die Abhängigkeit von Russlands Energieträgern. Es wird eine große Anstrengung benötigen, um die Abhängigkeit von China bei Rohstoffen zu verringern. China hat bereits gezeigt, dass es nicht zögern wird, seine Ressourcen zu nutzen und andere Länder zu erpressen. Nachdem Japan 2010 chinesische Fischer festgenommen hatte, die illegal in das Gewässer um die zu Japan gehörenden Senkaku-Inseln eingedrungen waren, hat China den Export von Seltenen Erden nach Japan für mehrere Wochen gestoppt, was gravierende Auswirkungen auf die japanische Industrie hatte.

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