Energiekrise spitzt sich zu – EU streicht russisches LNG und erhöht das Versorgungsrisiko

Die Europäische Union drängt seit dem 25. April russisches LNG schrittweise aus ihrem Gasmarkt, obwohl die Energiekrise die Versorgung bereits belastet. Bis Anfang 2027 soll russisches Flüssigerdgas vollständig verschwinden. Betroffen sind rund 20 Milliarden Kubikmeter Gas. Zugleich verteuern geopolitische Konflikte und Engpässe bei Alternativen den globalen LNG-Handel. Für Deutschland wächst deshalb das Risiko steigender Gaspreise, da ein Teil des LNG indirekt über europäische Terminals ins Netz gelangt (focus: 27.04.26).


Russisches LNG fällt als Puffer in der Energiekrise weg

Die EU verfolgt damit ihren Kurs zur Reduzierung russischer Energieimporte konsequent weiter. Allerdings trifft die Entscheidung auf einen angespannten Markt. Russisches LNG diente bisher als flexibler Ausgleich bei Engpässen. Es stabilisierte Angebot und Preise.

Energiekrise verschärft sich: EU streicht russisches LNG. Risiken für Preise, Industrie und Versorgung steigen deutlich
Energiekrise verschärft sich: EU streicht russisches LNG. Risiken für Preise, Industrie und Versorgung steigen deutlich

Eni-Chef Claudio Descalzi warnte deshalb klar vor den Folgen. Er sagte: „Diese Mengen lassen sich nicht einfach ersetzen.“ Gemeint sind rund 20 Milliarden Kubikmeter LNG. Diese Menge verschwindet nun schrittweise aus dem Markt.

Deutschland bleibt über Umwege abhängig

Deutschland nimmt keine russischen LNG-Lieferungen direkt an eigenen Terminals an. Dennoch gelangt weiterhin Gas mit russischem Ursprung in das europäische Netz. Es kommt über Häfen wie Dünkirchen oder Zeebrügge. Von dort wird es weiterverteilt.

Der deutsche Gasverbrauch liegt bei rund 1000 Terawattstunden pro Jahr. Etwa zehn Prozent stammen aus LNG. Ein Teil davon ist weiterhin russisches LNG. Besonders südliche Regionen hängen daher indirekt an diesen Lieferströmen.


Alternativen stoßen an Grenzen

Norwegen liefert bereits nahe an der Kapazitätsgrenze. Auch die USA können ihre LNG-Exporte kurzfristig kaum ausweiten. Katar bleibt ein wichtiger Lieferant, jedoch gefährden Spannungen im Persischen Golf die Stabilität. Die Straße von Hormus bleibt ein kritischer Engpass.

Langfristige Verträge erschweren zusätzlich den Ausstieg. Der Staatsimporteur SEFE ist an Lieferverträge mit Yamal LNG gebunden. Einige laufen bis 2040. Eine vorzeitige Kündigung könnte hohe Kosten verursachen.

Gaspreise reagieren sensibel auf jede Verknappung

Der europäische TTF-Preis sprang zeitweise über 50 Euro je Megawattstunde. Zuvor lag er deutlich niedriger. Solche Ausschläge treffen Industrie und Energieversorger unmittelbar. Deshalb steigt der wirtschaftliche Druck.

Die EU reduziert mit dem Schritt ihre Abhängigkeit von Russland. Gleichzeitig wächst jedoch die Abhängigkeit vom globalen LNG-Markt. Dieser reagiert empfindlich auf Krisen und Nachfrageverschiebungen. Europas Energieversorgung bleibt deshalb trotz politischer Ziele anfällig.

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