China baut die größten LNG-Speicher der Welt aus um Versorgung zu sichern

China hat in Yancheng und an weiteren Küstenstandorten in den vergangenen zehn Jahren den Ausbau seiner Erdgasreserven massiv vorangetrieben und dabei die weltweit größten oberirdischen LNG-Speicher geschaffen. Der aktuelle Hintergrund ist die Krise im Nahen Osten, denn nach den ersten US-israelischen Angriffen auf Iran war die Straße von Hormus fünfeinhalb Wochen lang faktisch blockiert. Zwar vereinbarten die USA und Iran eine Waffenruhe, doch Katar rechnet zugleich mit jahrelangen Reparaturen an beschädigten Gasanlagen. Genau darin liegt der größte Risikofaktor, weil sowohl Transportwege als auch Förderkapazitäten ausfallen können. China federt die Gefahr jedoch mit riesigen Tanks, mehr Eigenförderung, Pipelines aus Russland und Zentralasien sowie Ersatzlösungen für Teile der Industrie ab, während andere asiatische Länder bereits stärker unter knapperem Gas leiden (nytimes: 08.04.26).


Yancheng zeigt das Ausmaß des chinesischen LNG-Speicher-Ausbaus

Im Industriehafen Yancheng stehen sechs riesige Tanks, die jeweils genug Gas für den Haushaltsbedarf von Pekings 22 Millionen Einwohnern für mehr als zwei Monate speichern können. Direkt daneben stehen außerdem vier weitere Behälter, die nur etwas kleiner sind. Diese Anlage zeigt deshalb besonders klar, wie weit China den Ausbau seiner LNG-Speicher bereits vorangetrieben hat. Der Standort ist kein Einzelfall, sondern Teil eines landesweiten Programms.

China baut die weltweit größten LNG-Speicher aus – mehr als doppelt so viele Großtanks wie der Rest der Welt zusammen
China baut die weltweit größten LNG-Speicher aus – mehr als doppelt so viele Großtanks wie der Rest der Welt zusammen

Der staatliche Konzern China National Offshore Oil Corporation erklärte im Dezember, bereits 18 Tanks seiner größten Bauart errichtet zu haben. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Rest der Welt zusammen. Jeder dieser Tanks fasst 9,5 Millionen Kubikfuß, während selbst große Hallen wie der Madison Square Garden deutlich kleiner sind. China hat damit nicht nur einzelne Reserven angelegt, sondern zugleich eine neue Größenordnung bei der Lagerung von Flüssiggas geschaffen.

China wählt einen riskanten, aber wirksamen Speicherweg

Erdgas lässt sich nur schwer lagern, und genau das machte den Ausbau solcher Reserven lange kompliziert. Viele Länder nutzen Salzkavernen oder leere Gasfelder unter der Erde, jedoch verfügt China davon im Verhältnis zu seiner Größe über zu wenige geeignete Standorte. Deshalb setzte Peking auf riesige oberirdische Tanks für tiefgekühltes Flüssiggas. Diese Entscheidung war technisch riskant, zugleich aber strategisch wirksam.

In Yancheng lagert das Gas bei minus 162 Grad Celsius, damit sein Volumen stark sinkt. Wird es später kontrolliert erwärmt, dehnt es sich auf das 600-Fache aus. Gerade deshalb gelten Bau und Betrieb dieser LNG-Speicher als heikel, denn falsch behandeltes Flüssiggas kann explodieren. Außen stabilisiert Beton die Tanks, während innen Spezialstahl mit Mangan und Nickel verbaut wird. Roboter übernehmen außerdem die Schweißarbeiten, damit die riesigen Behälter dauerhaft dicht bleiben.


Der Ausbau der LNG-Speicher folgt einer klaren Krisenstrategie Pekings

Der Ausbau der Gasspeicher ist Teil einer viel breiteren Vorsorgepolitik. China hat in den vergangenen Jahren außerdem Bestände bei Kohle, Reis, Schweinefleisch und seltenen Erden aufgebaut. Bei Erdgas fällt die Strategie jedoch besonders stark ins Gewicht, weil China der größte Importeur der Welt ist und enorme Mengen für Chemie, Düngemittel und Industrie benötigt. Genau deshalb trifft Peking bei diesem Rohstoff besonders weitreichende Vorbereitungen.

Die Speicher allein reichen jedoch nicht als Schutzschild. China hat zugleich Pipelines zu Gasfeldern in Zentralasien und Russland gebaut und die eigene Förderung mit Fracking und anderen Verfahren stark erhöht. Nach offiziellen Daten liefen im vergangenen Jahr nur 6,9 Prozent des gesamten chinesischen Gasverbrauchs über Lieferungen durch die Straße von Hormus. Xi Jinping gab die Richtung 2022 offen vor. Er forderte, China müsse „die Speicherfähigkeit für Kohle, Öl und Gas verbessern“ und die eigenständige Energieversorgung stärken. Auch beim Dünger schafft das Land zusätzliche Reserven, denn Analysten zufolge stoppte China seit Kriegsbeginn in Iran einen Großteil seiner Ausfuhren.

Für private Haushalte bleibt die Lage deshalb vorerst beherrschbar. Weniger als 15 Prozent des Gasverbrauchs entfallen auf Haushalte, außerdem endete die Heizsaison bereits im vergangenen Monat nach einem weiteren milden Winter. Nur rund 4 Prozent des Stroms erzeugt China mit Gas, während Kohle und erneuerbare Energien Lücken schneller schließen können. In Dörfern nahe Yancheng berichten Händler zudem von gut gefüllten Düngemittellagern. Ein Verkäufer sagte: „Ich habe mich im Voraus mit ziemlich viel Dünger eingedeckt – schließlich herrscht im Nahen Osten Krieg.“ Chinas Kurs zielt damit klar auf eines: den Ausbau der größten Gasspeicher der Welt als harte Reserve für die nächste Versorgungskrise.

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