Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat neue Energiegesetze in die Ressortabstimmung gegeben, weil immer mehr Wind- und Solaranlagen in überlasteten Netzgebieten entstehen. E.on-Chef Leonhard Birnbaum stellte sich auf der Hauptversammlung hinter das Netzpaket. Er sieht eine Schieflage, weil Redispatch, Abregelung und Entschädigungen Milliardenkosten verursachen. Diese Kosten belasten private Haushalte und Industrie über Netzentgelte. Zugleich kritisieren Umweltverbände und Bürgerenergie-Vertreter die Reform als Angriff auf den Ausbau erneuerbarer Energien (welt: 27.04.26).
Netzengpässe treiben Kosten der Energiewende
Reiches Netzpaket soll neue Anlagen stärker dorthin lenken, wo Leitungen noch Kapazität haben. Deshalb will das Ministerium den Ausbau regional steuern. Wind- und Solarstrom sollen nicht weiter dort entstehen, wo das Netz ihn kaum aufnehmen kann.

Die Lage hat sich jedoch deutlich verschärft. Anträge auf Netzanschluss haben sich nicht nur verdoppelt, sondern vervierfacht. Außerdem kamen allein im vergangenen Jahr Solaranlagen mit 17,5 Gigawatt Leistung hinzu.
Schieflage im System – Birnbaum fordert neue Regeln
Bereits Robert Habeck musste deshalb mit einem PV-Spitzengesetz reagieren. Zu große Solarspitzen konnten die Netzstabilität gefährden. Zugleich zeigt dieser Schritt, dass das Problem nicht aus Ablehnung gegen erneuerbare Energien entsteht.
Birnbaum sieht die erste Phase der Energiewende als abgeschlossen. „Mit dem Aufbau der Kapazitäten ist die erste Hälfte der Energiewende abgeschlossen“, sagte er. Nun müssten Effizienz und Bezahlbarkeit stärker zählen.
Redispatch-Vorbehalt soll Standorte lenken
Die heutige Rechtslage setzt aus Birnbaums Sicht jedoch falsche Anreize. Für Betreiber zählt der Standort wirtschaftlich kaum. Für das Gesamtsystem entsteht dadurch eine Schieflage.
Als Beispiel nannte Birnbaum die E.on-Tochter Edis. Dort müssen Windkraftanlagen in Extremfällen bis zu 1500 Stunden pro Jahr abgeregelt werden. Zugleich laufen solche Anlagen nur rund 3000 Stunden jährlich.
E.on verweist auf Milliardeninvestitionen ins Netz
Reiche prüft deshalb mehrere Instrumente. Dazu zählen Baukostenzuschüsse für Wind- und Solaranlagen. Außerdem könnten flexible Netzanschlussverträge die Einspeisung besser an die Netzlage anpassen.
Besonders umstritten ist jedoch der Redispatch-Vorbehalt. In Regionen mit mehr als drei Prozent abgeregelter Ökostromproduktion könnten neue Anlagen zehn Jahre lang ihre Entschädigung verlieren. Deshalb warnen Kritiker vor einem faktischen Ausbaustopp.
E.on verweist zugleich auf seine Rolle beim Netzausbau. Der Konzern will bis 2030 rund 40 Milliarden Euro in Netze investieren. Außerdem hängen bereits viele Windräder, Solaranlagen und Großbatterien am E.on-Netz.
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