Ein erheblicher Teil der in Deutschland verbauten Photovoltaikanlagen stammt aus China – nicht nur die Solarmodule, sondern auch zentrale Steuergeräte. Besonders die internetfähigen Wechselrichter gelten als kritische Schwachstelle. Im Fall geopolitischer Spannungen könnte China gezielt Einfluss auf das Stromnetz nehmen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) spricht von einem „erheblichen Gefährdungspotenzial“ für die Versorgungssicherheit (welt: 23.01.25).
Solartechnik als verwundbare Infrastruktur
Chinesische Wechselrichter lassen sich per Internet abschalten. Solche Fernzugriffe erfolgten bereits in anderen Ländern. Die deutsche Netzsicherheit hängt daher an Komponenten, die sich aus dem Ausland kontrollieren lassen. Das BSI warnt ausdrücklich vor dieser Abhängigkeit. Besonders problematisch: Die Wechselrichter sind in nahezu allen Solaranlagen verbaut. Ohne sie fließt kein Strom ins Netz.

Ein neues Gesetz verschärft die Lage zusätzlich. Die Bundesregierung plant mit dem „Solarspitzen-Gesetz“, Solaranlagen bei Stromüberschüssen automatisch herunterzufahren – gesteuert über die eingebauten Wechselrichter. So sollen Netzüberlastungen an Tagen mit viel Sonne und wenig Verbrauch verhindert werden. Doch der Zugriff über die Steuergeräte öffnet ein neues Einfallstor für digitale Angriffe oder politische Einflussnahme.
Gesetzgeberische Risiken durch zentralisierte Fernsteuerung
Mit dem neuen Paragrafen 94 im Erneuerbare-Energien-Gesetz erhält das Bundeswirtschaftsministerium das Recht, festzulegen, wer die Einspeisung künftig regulieren darf. Damit steigt das Risiko, dass nicht nur Netzbetreiber, sondern auch ausländische Hersteller oder Dritte auf kritische Systeme zugreifen können. Die Steuerung über Smart Meter, wie ursprünglich geplant, scheitert bislang an der schleppenden Markteinführung.
Deshalb soll die Regelung über bereits vorhandene Wechselrichter erfolgen – viele davon stammen aus China und arbeiten über internetbasierte Plattformen, die sich oft außerhalb Europas befinden. Diese Cloud-Infrastrukturen entziehen sich nationaler Kontrolle, was die Sicherheitslage zusätzlich verschärft.
Fernabschaltungen als reales Szenario
Das BSI sieht in diesem Vorgehen eine erhebliche Gefahr: „Dass Hersteller, eventuell über eine im Ausland beheimatete Cloud, direkten Zugriff auf eine so große Zahl von Geräten im europäischen Verbundnetz haben, birgt nach Ansicht des BSI ein erhebliches Gefährdungspotential.“ Sicherheitslücken in den Produkten oder Plattformen könnten Dritten Zugriff verschaffen – ohne dass Netzbetreiber oder Behörden rechtzeitig eingreifen können.
Die Gefahr ist keineswegs hypothetisch. Im November kam es in Großbritannien und den USA zu Fernabschaltungen zahlreicher Solaranlagen durch den chinesischen Hersteller Deye. Als Reaktion verbot Litauen den Import chinesischer Steuerungstechnik für Solaranlagen, Windräder und Batteriespeicher. Der Vorfall unterstreicht die reale Bedrohung für westliche Infrastrukturen.
Sicherheitsstrategie für Solartechnik aus Deutschland
Deutsche Unternehmen drängen auf höhere Standards und mehr Unabhängigkeit. Eric Quiring vom Hersteller SMA betont: „Seit dem Deye-Vorfall sind wir praktisch wöchentlich im Austausch mit dem BSI.“ Das eigene System, das sogenannte „Sunny Portal“, verfüge über die Kritis-Zertifizierung 27001 und zähle zur kritischen Infrastruktur.
Das BSI empfiehlt grundsätzlich, Solartechnik möglichst dezentral und lokal zu steuern. Intelligente Messsysteme im Inland sollen dabei zentrale Cloud-Strukturen ersetzen. Nur so lässt sich ein stabiler Betrieb langfristig sicherstellen.
Doch solange Millionen chinesischer Wechselrichter Zugang zum deutschen Stromnetz behalten, bleibt ein strukturelles Risiko bestehen. Digitale Kontrolle über die Stromversorgung bedeutet geopolitische Macht – und Deutschland hat sie aus der Hand gegeben.
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