China leitet einen grundlegenden Systemwechsel bei der Vergütung erneuerbarer Energien ein. Ab Juni 2025 ersetzt ein vollständig marktorientiertes Modell das bisherige System der Einspeisevergütung. Die neue Preisstruktur betrifft insbesondere Strom aus Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen. Entwickler und Investoren müssen sich auf eine veränderte Risikostruktur und unsichere Ertragsaussichten einstellen. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) und die Nationale Energiebehörde (NEA) kündigten eine entsprechende Richtlinie zur beschleunigten Marktintegration erneuerbarer Energien an. Der Strompreis soll künftig ausschließlich über Angebot und Nachfrage bestimmt werden (agrarheute: 29.03.25).
Umstellung von garantierter Einspeisevergütung auf Marktpreis
Strom aus allen neuen Projekten muss ab Juni 2025 über Marktmechanismen verkauft werden. Die bisher garantierte Einspeisevergütung entfällt vollständig. Projektierer können zwischen gebotener Preisabgabe oder Annahme des aktuellen Marktpreises wählen. Für Anlagen, die vor dem Stichtag ans Netz gehen, greift ein Preisdifferenzausgleich. Dieses Übergangsmodell koppelt den Verkaufspreis weiterhin teilweise an staatliche Vorgaben. Nach dem Stichtag richten sich die Stromabnahmeverträge dynamisch nach regionalen Ausbauzielen.

Drei zentrale Elemente prägen die Reform. Erstens erfolgt die Preisbildung vollständig über den Markt. Zweitens sorgt ein nachhaltiger Ausgleichsmechanismus für mehr Planungssicherheit. Drittens unterscheidet die Regelung zwischen bestehenden und neuen Anlagen. Während laufende Projekte vorerst den bisherigen Preisrahmen behalten, gelten für neue Vorhaben künftig nur noch marktbasierte Tarife.
Historische Entwicklung der Preisstrukturen
Chinas Preisgestaltung für erneuerbare Energien durchlief mehrere Etappen. Zwischen 2014 und 2017 garantierten Festpreise und regionale Subventionen stabile Renditen. Diese Sicherheit zog umfangreiche Investitionen an. Doch mit steigenden Förderkosten verlagerte sich das System ab 2018 hin zu wettbewerbsorientierten Ausschreibungen. Nur die günstigsten Anbieter erhielten Zuschläge – was den Kostendruck auf Entwickler deutlich erhöhte.
Mit sinkenden Produktionskosten erreichten einige Photovoltaik-Projekte ab 2020 die sogenannte Netzparität. Ihre Strompreise lagen auf dem Niveau konventioneller Energiequellen wie Kohle. Diese Entwicklung führte zu einer stärkeren Integration in den Strom-Spotmarkt. Um wirtschaftlich angeschlagene Projektentwickler zu stabilisieren, führte der Staat Instrumente wie den Handel mit grünen Zertifikaten ein.
Unsicherheit über regionale Umsetzung
Die nun beschlossene Reform stellt laut Experten die weitreichendste Änderung seit 2018 dar. Obwohl sie mit der langfristigen Strategie Chinas zur Marktöffnung harmoniert, überrascht ihr Umfang selbst erfahrene Beobachter. Vor allem die praktische Umsetzung auf Provinzebene bleibt ungewiss. Regionale Unterschiede in der Regulierung könnten zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Investoren fordern daher transparente Regeln und verlässliche Rahmenbedingungen.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor betrifft die Strompreise nach dem Stichtag. Analysten rechnen mit einem Rückgang, sehen jedoch nur begrenzte Prognosemöglichkeiten. Aufgrund der zu erwartenden Preisdynamik dürfte es kurzfristig zu einem starken Anstieg von Neuinvestitionen kommen. Viele Entwickler könnten Projekte beschleunigt abschließen, um noch vom alten System der Einspeisevergütung profitieren.
Marktzugang für neue Projekte wird anspruchsvoller
Künftige Investitionen in erneuerbare Energien erfordern eine genauere Analyse der Marktsituation. Der Wegfall garantierter Abnahmepreise erhöht das Risiko. Gleichzeitig steigt der Druck, Kosten zu optimieren und wettbewerbsfähige Angebote abzugeben. Marktkenntnis und Flexibilität entwickeln sich zu entscheidenden Faktoren für die Projektumsetzung.
Die Reform markiert einen Wendepunkt in der Energiepolitik Chinas. Zwar verfolgt das Land weiterhin ambitionierte Ausbauziele für erneuerbare Energien. Doch der staatlich gelenkte Fördermechanismus tritt zunehmend in den Hintergrund. Die Energiewirtschaft in China bewegt sich damit auf eine neue, stärker durch Wettbewerb geprägte Phase zu.
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