Die Deutsche Bahn hat ihre Jahresbilanz vorgelegt – und sie fällt düster aus. Besonders der Bereich Güterverkehr belastet das Ergebnis. Die Konzerntochter DB Cargo häuft weiterhin hohe Verluste an. Trotz umfangreichem Sparkurs bleibt die Sanierung bisher erfolglos. Die Folge: 5.000 Arbeitsplätze entfallen. Das entspricht jedem sechsten Job in der Sparte. Vorstandschefin Sigrid Nikutta spricht offen über die drastischen Einschnitte. Sie verfolgt den klaren Auftrag, das Unternehmen zu verkleinern, um dauerhaft rentabel zu arbeiten (mdr: 27.03.25).
Schrumpfkurs statt Wachstum
„Diese Lage ist durchaus existenziell für uns“, erklärt Nikutta. Dennoch erkenne das Team die Dringlichkeit der Maßnahmen. Ein Ende der defizitären Strategie sei unumgänglich. Zwar strebe niemand diesen Schritt an, doch nur ein profitabler Betrieb könne langfristig bestehen. In der Vergangenheit deckte der Staat Verluste durch Finanzspritzen. Damit ist nun Schluss. Die EU-Kommission verbietet diese Quersubventionierung. Private Anbieter litten unter den verzerrten Marktbedingungen. Künftig muss sich DB Cargo eigenständig behaupten – ohne Rückendeckung durch Steuergelder.

Auch die Standorte in Ostdeutschland spüren den Sparkurs. Am Rangierbahnhof in Halle an der Saale sind bereits 270 Stellen entfallen. Standortleiterin Katharina Blaumann beschreibt die Stimmung als angespannt. Besonders junge Beschäftigte mussten gehen. „Besonders bitter ist das, weil das natürlich durch die Sozialauswahl unsere jungen Kollegen betroffen hat. Auch viele junge Kollegen, die wir gerade angeworben haben.“ Immerhin: Viele hätten in der Region eine neue Perspektive gefunden. Blaumann zeigt sich zuversichtlich, dass einzelne Mitarbeiter zurückkehren könnten, sobald sich die Lage verbessert.
Widerstand aus den Reihen der Gewerkschaft
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) stellt sich gegen das harte Sparprogramm. Vize-Vorsitzende Cosima Ingenschay hält den Kurs für überzogen. Der Rückbau gefährde die Ziele der Verkehrswende. Schwerlasttransporte auf der Straße ließen sich kaum durch Elektromobilität auffangen. Die Schiene bleibe alternativlos – besonders im Hinblick auf militärische und industrielle Transporte. „Wenn wir eine ökologische Verkehrswende wollen, müssen wir mehr Güter, gerade auch schwere Güter, über die Schiene transportieren.“
In ihren Augen erfüllt DB Cargo eine strategische Funktion für Deutschland. Kein anderer Anbieter könne die gleiche Leistungsbreite garantieren. „Das kann die DB Cargo“, stellt Ingenschay klar, „das ist das größte europäische Schienengüterverkehrsunternehmen und damit auch ein Rückgrat der deutschen Industrie.“ Der Einbruch bei Transportmengen sei allerdings nicht hausgemacht. Eine schwächelnde Wirtschaft belaste die Branche insgesamt.
Ein Konzern in der Zwickmühle
Lange transportierte DB Cargo auch Frachten ohne wirtschaftlichen Gewinn. Die Hoffnung: durch Präsenz und Netzabdeckung langfristig Marktanteile sichern. Doch dieser Ansatz ging nicht auf. Mittlerweile liegt der Anteil der DB Cargo am nationalen Schienengüterverkehr bei nur noch vierzig Prozent. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer übt scharfe Kritik. Der Konzern steuere „ungebremst gegen die Wand“, so der drastische Vorwurf.
Laut aktuellen Recherchen wird auch 2024 ein tiefrotes Jahr. In der Bilanz klafft voraussichtlich ein Minus von 356 Millionen Euro. Damit wächst der Druck auf das Management erheblich. Nikutta verweist auf die schwierige Konjunktur: „In den letzten Monaten leiden wir darunter, dass die Konjunktur in Deutschland und Europa nicht richtig anspringt. Es finden weniger Transporte statt – auf der Straße und auf der Schiene.“
Letzter Versuch vor dem Aus?
Nikutta bleibt nach außen hin kämpferisch. Ziel bleibt ein Turnaround bis Ende 2026. Andernfalls droht ein schwerer Rückschlag. Die EU-Kommission könnte gezahlte Subventionen nachträglich als rechtswidrig einstufen. Der Rückzahlungsbetrag läge bei bis zu 1,9 Milliarden Euro. Diese Summe dürfte kaum zu stemmen sein. Ein Scheitern der Sanierung wäre gleichbedeutend mit dem Ende von DB Cargo. Der einstige Hoffnungsträger des klimafreundlichen Gütertransports steht am Scheideweg.
Lesen Sie auch:
- Massiver Stellenabbau bei DB-Cargo – auch Lokführer und Führungskräfte betroffen
- DB Cargo streicht 2300 Stellen
- Einzelwagen-Dilemma: Deutsche Bahn will Güterverkehr reduzieren



