Trotz Führungswechsel bei der Deutschen Bahn: Krise wird trotz neuer Chefin immer schlimmer

Der Führungswechsel an der Spitze der Deutschen Bahn sollte einen Neustart markieren, doch bisher zeigt sich keine erkennbare Trendwende. Im Fernverkehr lag die betriebliche Pünktlichkeit im Juni nur bei 52,6 Prozent, während Verspätungen, Ausfälle und Baustellen weiter den Alltag von Fahrgästen, Pendlern, Unternehmen und Güterkunden prägen. Deshalb wirkt die neue Strategie weniger wie ein Aufbruch als wie die Verwaltung einer Dauerkrise. Außerdem setzt die Bahn unter neuer Führung auch auf eine höhere Frauenquote im Management, während 80 Prozent Pünktlichkeit erst 2035 wieder erreicht werden sollen.


Führungswechsel ohne sichtbaren Neustart

Evelyn Palla trat mit dem Anspruch an, die Bahn neu auszurichten. Doch die ersten Signale wirken nicht wie ein Aufbruch, sondern wie eine Kapitulation vor der eigenen Realität. Die Bahn verabschiedet sich von früheren Versprechen, weil sie diese offenbar nicht mehr für erreichbar hält.

Führungswechsel ohne Trendwende: Die Bahn senkt Ziele, bleibt unpünktlich und setzt trotz Krise neue Managementprioritäten
Führungswechsel ohne Trendwende: Die Bahn senkt Ziele, bleibt unpünktlich und setzt trotz Krise neue Managementprioritäten
Bild: Shutterstock

Bis 2030 peilt der Konzern im Fernverkehr nur noch 69 bis 72 Prozent Pünktlichkeit an. Erst fünf Jahre später sollen 80 Prozent möglich sein. Damit verkauft die Bahn einen Wert als Zukunftsziel, den Fahrgäste früher als Mindeststandard erwartet hätten. Der versprochene Neustart bleibt aus.

Frauenquote löst keine kaputten Stellwerke

Der Führungswechsel bringt auch neue Managementziele. Die Bahn nennt weiterhin das Ziel, die Frauenquote in Führungspositionen bis 2035 auf 40 Prozent zu erhöhen. Das kann personalpolitisch gewollt sein, doch es repariert keine Gleise, Weichen oder Stellwerke.

Genau deshalb wirkt die Prioritätensetzung fragwürdig. Fahrgäste messen die Bahn nicht an Quoten in Führungsetagen, sondern an Zügen, die fahren und ankommen. Wenn nur rund jeder zweite Fernzug pünktlich ist, helfen keine Symbolziele im Management.

Milliarden fließen, doch die Leistung sinkt

Die Bahn investiert 2026 mehr als 23 Milliarden Euro in die Infrastruktur. Außerdem laufen zehntausende Baustellen im Netz. Trotzdem verbessert sich der Betrieb für viele Reisende nicht, sondern er wird unberechenbarer.

Schon 2025 erreichten nur 60,1 Prozent der Fernzüge ihr Ziel pünktlich. Gleichzeitig musste die Bahn mehr als 155 Millionen Euro Entschädigung zahlen. Das zeigt, dass der Sanierungsstau längst konkrete Kosten für Kunden und Konzern verursacht.


Die Bahn wird zum Standortproblem

Die Krise trifft nicht nur Urlauber und Pendler. Auch der Güterverkehr verliert, weil Unternehmen verlässliche Lieferketten brauchen. Deshalb wandern Transporte wieder stärker auf die Straße, während die Politik seit Jahren das Gegenteil verspricht.

Der historische Vergleich fällt hart aus. 1835 stand die Eisenbahn für technischen Aufbruch. Heute steht die Deutsche Bahn für langsame Sanierung, sinkende Ansprüche und eine Infrastruktur, die trotz Milliarden nicht schnell genug besser wird.

Deutschland gewöhnt sich an weniger Leistung

Der Führungswechsel hätte ein harter Schnitt werden müssen. Stattdessen formuliert die neue Bahnspitze kleinere Ziele und längere Fristen. Das mag ehrlicher sein als frühere Versprechen, doch es bleibt ein Eingeständnis massiver Schwäche.

Deutschland braucht keine Bahn, die erst 2035 wieder halbwegs zuverlässig sein will. Es braucht eine Bahn, die den Verfall stoppt und messbar besser wird. Solange das nicht gelingt, bleibt der Konzern ein Symbol für verlorene Leistungsfähigkeit.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Deutsche Bahn (Stand: 07.07.26)Berliner Zeitung (05.07.26)Deutsche Bahn (22.06.26)Bild (25.06.26)

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