Aktionismus statt Reform – dieses Steuerpaket verdient den Namen nicht

ein Kommentar unseres Autors Klaus Bastian

Anfang Juli 2026 hat die Bundesregierung ihr Steuerpaket für 2027 und 2028 vorgestellt, doch die angekündigte Reform bleibt ein Minimalprogramm. CDU, CSU und SPD wollen den Grundfreibetrag von 12.348 auf 12.900 Euro anheben, den Arbeitnehmerpauschbetrag um 200 Euro erhöhen, Kindergeld und Kinderfreibetrag ausweiten und die Grenze für den Spitzensteuersatz nur von 69.879 auf 70.600 Euro verschieben. Zugleich sollen Handwerkerleistungen steuerlich schlechter absetzbar werden, Minijobs durch eine höhere Pauschalsteuer teurer werden und hohe Einkommen stärker belastet werden. Deshalb droht vielen Facharbeitern, Meistern und Angestellten trotz kleiner Entlastung ein schlechteres Netto, weil Sozialbeiträge für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung weiter steigen.


Warum diese Reform nicht trägt

Dieses Steuerpaket ist keine Steuerpolitik aus einem Guss. Es ist ein Ausweichmanöver vor der eigentlichen Reform. Die Koalition verschiebt ein paar Beträge, lässt den Tarif jedoch im Kern unangetastet. Das ist noch nicht einmal Kosmetik, sondern der Versuch, Stillstand als Entlastung zu verkaufen. Die Politik verkauft es dennoch als großen Wurf, das ist gerade so als würde man das Umstellen von Gartenstühlen als Architektur bezeichnen.

Reform ohne Entlastung: Mini-Schritte beim Spitzensteuersatz treffen Facharbeiter, während höhere Sozialbeiträge das Netto drücken
Reform ohne Entlastung: Mini-Schritte beim Spitzensteuersatz treffen Facharbeiter, während höhere Sozialbeiträge das Netto drücken
Bild: Shutterstock

Der Staat belastet mittlere Einkommen weiterhin viel zu früh. Facharbeiter, Meister, Techniker und viele Angestellte landen deshalb nahe am Spitzensteuersatz. Mit echtem Spitzenverdienst hat das längst nichts mehr zu tun.

Freibetrag rauf, Belastung bleibt

Auch die Anhebung des Grundfreibetrags klingt größer, als sie wirkt. Sie schützt das Existenzminimum etwas stärker vor Besteuerung. Eine spürbare Entlastung der arbeitenden Mitte entsteht dadurch jedoch nicht.

Das gilt ebenso für den Arbeitnehmerpauschbetrag. 200 Euro mehr Werbungskostenpauschale sehen nach Bewegung aus. Beim monatlichen Netto bleibt davon jedoch kaum etwas sichtbar.

Ein Prozent mehr ist keine Entlastung

Die Verschiebung der Spitzensteuer-Grenze um 721 Euro zeigt die Schwäche des Pakets besonders klar. Das entspricht gerade einmal rund einem Prozent. Schon die nächste normale Tariferhöhung kann diesen Effekt deshalb wieder auslöschen.

Danach stehen viele Arbeitnehmer steuerlich dort, wo sie vorher standen. Eine Reform, die so schnell verpufft, verdient ihren Namen nicht. Sie erzeugt nur eine politische Überschrift.

Sozialbeiträge fressen den Vorteil auf

Entscheidend ist nicht die Entlastung auf dem Papier. Entscheidend ist letztendlich das Netto auf dem Konto. Genau dort kann dieses Paket für viele Arbeitnehmer zum schlechten Geschäft werden.

Kranken-, Pflege- und Rentenbeiträge stehen weiter unter Erhöhungsdruck. Deshalb kann die Abgabenlast die kleine Steuerkorrektur schnell überholen. Am Ende behalten viele Beschäftigte trotz angeblicher Entlastung weniger Geld.


Der Staat bleibt der Gewinner

Auch die Gegenfinanzierung beschädigt den Anspruch. Handwerkerleistungen sollen steuerlich schlechter absetzbar werden. Außerdem sollen Minijobs durch einen höheren Pauschalsteuersatz teurer werden.

Die Regierung nimmt also an anderer Stelle wieder Geld ein. Sie senkt die Belastung nicht grundsätzlich, sondern verteilt sie neu. Für den Mittelstand bleibt deshalb vor allem ein Scheinangebot.

Vertrauen gewinnt man so nicht zurück

Die Bundesregierung nennt ihr Paket Entlastung, doch Bürger rechnen anders. Sie sehen Lohnabrechnung, Krankenkassenbeitrag, Pflegebeitrag und Rentenbeitrag zusammen. Genau deshalb zählt nicht die politische Verpackung, sondern der Betrag, der am Monatsende übrig bleibt.

Eine echte Steuerpolitik müsste normale Arbeit aus der Spitzenbelastung herausholen. Sie müsste außerdem die kalte Progression dauerhaft begrenzen. Dieses Paket tut beides nicht und bleibt deshalb eher politischer Aktionismus statt echter Entlastung.

Verfasser: Klaus Bastian – Blackout News
Verwendete Quellen: Bundesministerium der Finanzen (02.07.26)Handelsblatt (08.07.26)Focus (02.07.26)Institut der deutschen Wirtschaft (02.07.26)Tagesschau (02.07.26)

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