In Deutschland hat ein Ausfall des digitalen Bahnfunk-Systems GSM-R am späten 23. Juni 2026 den Zugverkehr bundesweit für rund zwei Stunden gestoppt, nachdem bei planmäßigen Arbeiten ein Softwarefehler nach dem Tausch eines Switches auftrat. Die Deutsche Bahn musste zunächst einen Cyberangriff ausschließen, bevor sie auf ein Ersatzverfahren umschaltete. Tausende Reisende strandeten deshalb in Zügen und Bahnhöfen. Außerdem traf der Stillstand auch den Güterverkehr. Obwohl Huawei nach bisherigen Angaben nicht als Ursache gilt, rückt chinesische Technik im sicherheitsrelevanten Bahnnetz nun erneut in den Mittelpunkt.
Bahnfunk mit Huawei-Anteil wird politisch brisant
Der Streit dreht sich jedoch nicht nur um die konkrete Panne. Nach Angaben der Bundesregierung aus dem Jahr 2023 stammen im Zugangsnetz der Deutschen Bahn rund 40 Prozent der Komponenten von Huawei. Damit steckt chinesische Technik in einem Bereich, den Deutschland täglich für sicheren Bahnverkehr braucht.

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CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter fordert deshalb einen klaren Ausschluss. Er halte „ein Verbot des Ein- und Verbaus von Komponenten aller chinesischen Hersteller in kritische Infrastruktur und sicherheitsrelevante Infrastruktur für überfällig“. Außerdem verweist er auf die Verpflichtung chinesischer Unternehmen zur Zusammenarbeit mit dem Staat.
GSM-R bleibt für den Bahnbetrieb unverzichtbar
GSM-R ist jedoch kein gewöhnliches Kommunikationsnetz. Lokführer und Leitstellen sprechen darüber während des Betriebs. Außerdem laufen Notrufe, Warnungen und betriebliche Anweisungen über dieses System. Fällt dieser Funk aus, fehlt sofort eine zentrale Sicherheitsverbindung im laufenden Bahnverkehr.
Die Bahn kann Züge deshalb nicht einfach weiterfahren lassen. Ohne stabile Verbindung steigt das betriebliche Risiko unmittelbar. Zudem basiert GSM-R technisch auf älterer 2G-Technik. Dennoch bleibt das System noch Jahre im Einsatz, bis der Nachfolger FRMCS flächendeckend verfügbar ist.
Verträge reichen bis 2033
Die Huawei-Beteiligung geht jedoch auf frühere Modernisierungsaufträge zurück. Im Juli 2015 vergab die Deutsche Bahn Aufträge für den Austausch von bis zu 3330 Basisstationen. Diese Stationen sind vereinfacht die Funkmasten entlang der Strecke. Den Zuschlag erhielten unter anderem Nokia sowie ein Konsortium aus Huawei und Siemens.
Die Verträge umfassten außerdem Wartung und Reparatur bis 2033. Damit reicht die Abhängigkeit weit über den ursprünglichen Austausch hinaus. Deutschland hat Huawei und ZTE zwar aus kritischen Teilen des öffentlichen 5G-Netzes herausgedrängt. Das Bahnnetz blieb jedoch von dieser Regelung unberührt.
Nato-Logistik verschärft die Sicherheitsfrage
Auch Konstantin von Notz von den Grünen sieht deshalb Handlungsbedarf. Er kritisiert, dass bei der Bahn weiter Komponenten aus Staaten laufen, die kritische Infrastruktur ausspionieren und sabotieren könnten. Bundesregierung und Bahn hätten auf diese Warnungen reagieren müssen. Der Ausfall liefert nun neues Material für diese Sicherheitsdebatte.
Kiesewetter verweist außerdem auf die militärische Dimension. Deutschland dient als Logistikdrehscheibe der Nato, wenn Material, Soldaten oder Verwundete über die Ostflanke bewegt werden müssen. Ein störanfälliger Bahnfunk hätte dann nicht nur nationale Folgen. Der aktuelle Vorfall beweist keine chinesische Sabotage. Dennoch zeigt er, wie gefährlich alte Technik, komplexe Lieferketten und geopolitische Abhängigkeiten zusammenwirken können.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Reuters (254.06.26) – LOK Report (26.06.26) – Tagesschau (24.06.26) – Augsburger Allgemeine (26.06.26)
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