5G im Zug verzögert sich: Streit bremst schnelles Internet bei der Bahn

Auf der Bahnstrecke Berlin–Hamburg verzögert sich der geplante Ausbau von 5G für Reisende. Nach der Generalsanierung fehlen aus Sicht der Mobilfunkanbieter wichtige technische und vertragliche Voraussetzungen. Die Unternehmen machen dafür die Deutsche Bahn mitverantwortlich. Die Bahn verweist jedoch auf vorbereitete Standorte und laufende Forschungsprojekte. Für Fahrgäste bleiben mobiles Arbeiten, Videokonferenzen und Streaming über das Internet deshalb weiterhin störanfällig.


5G-Ausbau scheitert nicht allein an fehlenden Funkmasten

Die Deutsche Bahn hat die 278 Kilometer lange Strecke während der Generalsanierung umfassend erneuert. Außerdem bereitete sie Standorte für den künftigen digitalen Bahnfunk FRMCS vor. Das System soll langfristig den bisherigen GSM-R-Standard ersetzen. Die vorhandene Infrastruktur kann grundsätzlich auch Technik für den öffentlichen Mobilfunk aufnehmen. Ein betriebsfertiges Netz für Fahrgäste entstand dadurch jedoch nicht automatisch.

Streit zwischen Bahn und Netzbetreibern verzögert 5G im Zug. Reisende müssen weiter mit instabilen Verbindungen rechnen
Streit zwischen Bahn und Netzbetreibern verzögert 5G im Zug. Reisende müssen weiter mit instabilen Verbindungen rechnen
Bild: Shutterstock

Denn für eine stabile Mobilfunk-Verbindung benötigen die Netzbetreiber zusätzliche Antennen und aktive Funktechnik. Außerdem brauchen sie Stromanschlüsse, Glasfaserleitungen und festgelegte Nutzungsrechte. Bahn und Mobilfunkunternehmen müssen deshalb Finanzierung, Betrieb und Zugang zu den Standorten klären. Nach Angaben aus der Branche fehlen dafür noch verbindliche Vereinbarungen. Einen belastbaren Termin für die vollständige Versorgung gibt es daher bislang nicht.

Vereinbarung enthielt keine Garantie für einen schnellen Vollausbau

Bund, Bahn und Mobilfunkanbieter kündigten das gemeinsame Vorhaben im Oktober 2024 an. Während der Sanierung sollten neue Synergien zwischen Bahnfunk und öffentlichem Mobilfunk entstehen. Die Verbindung zwischen Berlin und Hamburg galt deshalb als mögliche Innovationsstrecke. Die damalige Absichtserklärung garantierte jedoch keinen sofortigen flächendeckenden Ausbau. Sie sah zunächst technische Prüfungen und gemeinsame Erprobungen vor.

Im Forschungsprojekt GINT XT untersuchen die Beteiligten deshalb verschiedene Versorgungskonzepte entlang der Gleise. Dabei testen sie unter anderem kompakte Funkmasten in unmittelbarer Nähe zur Strecke. Hohe Frequenzen ermöglichen zwar große Datenmengen, erreichen jedoch nur kürzere Distanzen. Für durchgängiges 5G braucht die Strecke daher viele eng aufeinander abgestimmte Standorte. Das erhöht zugleich den Planungsbedarf und die Kosten.


Zugfenster schwächen den Mobilfunk-Empfang im ICE zusätzlich

Ein leistungsfähiges Mobilfunknetz löst außerdem nicht alle Verbindungsprobleme in den Zügen. Moderne ICE-Wagen besitzen häufig metallbeschichtete Scheiben. Diese reduzieren den Wärmeeintrag, schwächen jedoch auch Mobilfunksignale. Die Bahn bearbeitet deshalb bestimmte Scheiben mit Lasern oder setzt mobilfunkdurchlässiges Glas ein. Ohne solche Maßnahmen erreicht selbst ein starkes Außensignal die Fahrgäste nur eingeschränkt.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder prüft außerdem eine stärkere Rolle der Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft des Bundes. Sie könnte den Ausbau entlang wichtiger Bahnstrecken koordinieren und einzelne Projekte unterstützen. Dennoch müssen Bahn und Netzbetreiber ihre technischen sowie wirtschaftlichen Zuständigkeiten verbindlich regeln. Solange diese Einigung fehlt, bleibt das versprochene 5G im Zug lückenhaft. Reisende müssen deshalb vorerst mit schwankender Netzqualität rechnen.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Bild (17.06.26)Hamburger Abendblatt (17.06.26)Welt (17.06.26)Deutsche Bahn (14.06.26)

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