Tabakkonzern Villiger schließt deutsches Werk – Folge der höheren Tabaksteuer?

Der Schweizer Tabakkonzern Villiger beendet bis Ende 2027 seine Zigarrenproduktion in Waldshut-Tiengen in Baden-Württemberg. Nach 115 Jahren fallen damit rund 40 der bislang 190 Arbeitsplätze weg. Die Fertigung wandert in die Schweiz und nach Indonesien, während Logistik und Vertrieb in Deutschland bleiben. Die Ankündigung erfolgte Mitte Oktober 2026, unmittelbar vor dem Bundestagsbeschluss zur drastischen Erhöhung der Tabaksteuer. Besonders Zigarren und Zigarillos werden künftig erheblich stärker besteuert. Ob die angekündigte Steuererhöhung bereits zur Standortentscheidung beigetragen hat, ist allerdings nicht belegt. Der Konzern nennt veränderte Marktbedingungen und die Zusammenlegung seiner Produktionskapazitäten.

Erstes Opfer der erhöhten Tabaksteuer?  - Der Tabakkonzern Villiger schließt nach 115 Jahren sein deutsches Werk in Waldshut-Tiengen
Erstes Opfer der erhöhten Tabaksteuer? – Der Tabakkonzern Villiger schließt nach 115 Jahren sein deutsches Werk in Waldshut-Tiengen
Bild:Shutterstock

Villiger beendet Zigarrenproduktion nach 115 Jahren

Seit 1911 stellt Villiger am Standort Waldshut-Tiengen Zigarren und Zigarillos her. Nun verlagert das Unternehmen die Produktion schrittweise nach Pfeffikon in der Schweiz und Jember in Indonesien. Bis Ende 2027 sollen die Fertigungsanlagen in Deutschland stillstehen. Der Konzern begründet den Schritt mit Überschneidungen bei Produkten und Produktionsabläufen sowie einem veränderten Marktumfeld.

Ganz aufgeben will Villiger den deutschen Standort jedoch nicht. Verpackung, Etikettierung, Logistik und Vertrieb für den europäischen Markt bleiben erhalten. Trotzdem streicht das Unternehmen rund 40 Stellen und damit etwa 21 Prozent seiner bisherigen Belegschaft. Zunächst sollen natürliche Fluktuation, Pensionierungen und interne Versetzungen den Personalabbau abfedern. Betriebsbedingte Kündigungen schließt der Konzern allerdings nicht aus.


Tabaksteuer steigt bei Zigarren besonders drastisch

Am 15. Oktober 2026 beschloss der Bundestag eine umfassende Erhöhung der Tabaksteuer. Die neuen Steuersätze sollen zwischen 2027 und 2030 schrittweise greifen. Besonders gravierend fällt die Belastung bei Zigarren und Zigarillos aus. Nach den Berechnungen des Bundesfinanzministeriums steigt die durchschnittliche Steuer von 1,98 Cent je Stück auf 3,80 Cent im Jahr 2027. Bis 2030 sind 5,05 Cent vorgesehen. Die neuen Tarife für Zigarren und Zigarillos sollen ab März 2027 gelten.

Der Bundesverband der Zigarrenindustrie warnte bereits am 5. Oktober im Bundestag vor massiven wirtschaftlichen Folgen. Nach seiner Einschätzung könnte die Steuerreform Preissteigerungen von 50 bis 60 Prozent auslösen. Der Verband befürchtet außerdem erhebliche Belastungen für Hersteller und Fachhändler. Betroffen wären insbesondere mittelständische Betriebe mit insgesamt rund 1.600 tarifgebundenen Beschäftigten. Höhere Verkaufspreise könnten den ohnehin rückläufigen legalen Absatz zusätzlich verringern.

Werksschließung fällt mit Steuerbeschluss zusammen

Der zeitliche Zusammenhang ist auffällig, jedoch kein Nachweis für eine unmittelbare Ursache. Villiger kündigte seine Produktionsverlagerung bereits vor der abschließenden Bundestagsabstimmung an. Die Pläne zur höheren Tabaksteuer waren allerdings schon seit Monaten bekannt. Bereits im Juli hatte die Bundesregierung ihren Gesetzentwurf beschlossen. Hersteller konnten daher die erwarteten Auswirkungen auf Nachfrage und Absatzplanung frühzeitig berücksichtigen.

Eine höhere Tabaksteuer verteuert zunächst den Verkauf der Produkte auf dem deutschen Markt. Deshalb entfällt diese Belastung nicht automatisch durch eine Verlagerung der Produktion ins Ausland. Für Villiger könnte jedoch entscheidend sein, wie sich sinkende Absatzmengen auf die Auslastung einzelner Werke auswirken. Kleinere Produktionsstandorte verlieren bei rückläufigen Stückzahlen häufig an Wirtschaftlichkeit. Ob solche Erwartungen die Entscheidung in Waldshut-Tiengen beeinflusst haben, hat das Unternehmen bislang nicht offengelegt.


Bundesregierung rechnet mit Milliarden aus der Tabaksteuer

Mit der Steuererhöhung verfolgt die Bundesregierung zwei Ziele. Einerseits soll der höhere Preis den Tabakkonsum reduzieren und damit gesundheitliche Schäden begrenzen. Andererseits sollen die zusätzlichen Einnahmen den Bundeshaushalt entlasten. Nach den jüngsten Berechnungen erwartet der Bund bereits 2027 rund 1,5 Milliarden Euro zusätzlich. Bis 2030 sollen die jährlichen Mehreinnahmen auf rund 4,46 Milliarden Euro steigen. Allerdings warnen Branchenverbände vor Absatzverlusten und einer Verlagerung von Käufen in den Schwarzmarkt.

Für die deutschen Zigarrenhersteller entsteht dadurch ein wirtschaftlicher Zielkonflikt. Der Staat kalkuliert mit steigenden Einnahmen, während die Branche sinkende Absatzmengen und Arbeitsplatzverluste befürchtet. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kritisierte deshalb die fehlende Folgenabschätzung für die Beschäftigung. Bei Villiger verschwinden nun rund 40 Industriearbeitsplätze, während die Produktion im Ausland weiterläuft. Ein ursächlicher Zusammenhang mit der Steuerreform bleibt unbewiesen. Der Fall zeigt jedoch, wie konkret die befürchteten Beschäftigungsrisiken für traditionelle Produktionsstandorte inzwischen sind.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Bild (17.10.26) – Reuters (16.10.26) – Südkurier (14.10.26) – Der Bundestag (05.10.26)

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