Nordzucker schließt Werk in Dänemark nach 144 Jahren – bis zu 150 Jobs betroffen

Nakskov, Dänemark – Nordzucker will die Zuckerproduktion im dänischen Nakskov nach der Kampagne 2026/27 im Januar 2027 beenden. Der Konzern nennt Überkapazitäten in Europas Zuckerindustrie und den hohen Investitionsbedarf des Werks als entscheidende Gründe. Gleichzeitig rechnet Nordzucker mit einem weiteren Rückgang der europäischen Zuckernachfrage, den auch die geplante Zuckersteuer in Deutschland verstärken könnte. Bis zu 150 Arbeitsplätze sind deshalb in Nakskov betroffen. Verpackung und Service bleiben jedoch erhalten, während die dänische Zuckerproduktion künftig in Nykøbing gebündelt wird.


Zuckerpreise brechen ein – Verluste steigen

Die schwierige Marktlage hat die Bilanz bereits massiv getroffen. Im Geschäftsjahr 2025/26 sank der Umsatz auf rund 2,34 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis fiel währenddessen auf minus 226 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte Nordzucker noch 100,5 Millionen Euro verdient. Zwei sehr ertragreiche Rübenernten erhöhten laut Konzern die Bestände und drückten die Verkaufspreise.

Nordzucker zieht in Dänemark die nächste Konsequenz aus Preisverfall und Überkapazitäten. Bis zu 150 Arbeitsplätze sind betroffen
Nordzucker zieht in Dänemark die nächste Konsequenz aus Preisverfall und Überkapazitäten. Bis zu 150 Arbeitsplätze sind betroffen
Bild: Shutterstock

Auch die jüngsten Marktdaten zeigen den starken Preisrückgang. Die EU-Kommission veröffentlichte am 27. August aktualisierte Daten zum europäischen Zuckermarkt. BILD nennt für Weißzucker aktuell rund 513 Euro je Tonne. Im Jahr 2024 waren es noch 619 Euro. Damit liegt der Preis inzwischen mehr als 17 Prozent niedriger. Allerdings belasten auch hohe Lagerbestände und Überkapazitäten die Hersteller.

Nordzucker bündelt Zuckerproduktion in Nykøbing

Nakskov gehört seit 1882 zur dänischen Zuckerindustrie und war einst die größte Zuckerfabrik Nordeuropas. Nach 144 Jahren endet dort nun die eigentliche Produktion. Der Standort verschwindet jedoch nicht vollständig. Stattdessen betreibt das Unternehmen dort weiterhin Verpackung und Service. Die gesamte dänische Zuckerproduktion soll künftig das Werk in Nykøbing übernehmen.

Für die Insel Lolland wiegt der Einschnitt trotzdem schwer. Bis zu 150 Beschäftigte könnten nach Abschluss der kommenden Kampagne ihre bisherigen Stellen verlieren. Deshalb will das Unternehmen mit Arbeitnehmervertretern und der örtlichen Gemeinde über Lösungen sprechen. Die Entscheidung betrifft außerdem einen traditionsreichen industriellen Arbeitgeber in einer vergleichsweise strukturschwachen Region.


Bereits dritte große Kapazitätsmaßnahme 2026

Nakskov ist bereits die dritte größere Kapazitätsmaßnahme des Konzerns innerhalb weniger Monate. Anfang 2026 endete die Zuckerproduktion im slowakischen Trenčianská Teplá. Der dortige Standort arbeitet jedoch als Vertriebs- und Logistikzentrum weiter. Im finnischen Porkkala stellt das Unternehmen außerdem die Rohzuckerraffination sowie mehrere Produktionslinien ein. Nordzucker verkleinert damit sein europäisches Produktionsnetz deutlich.

Parallel verändert sich auch das Produktangebot in Dänemark. Nordic Sugar beendet nach der Kampagne 2026 die dänische Produktion von Biozucker aus Zuckerrüben. Damit reicht die Neuordnung über den Arbeitsplatzabbau in Nakskov hinaus. Gleichzeitig sucht der Konzern Wachstum unter anderem bei Rohrzucker, alternativen Proteinen und funktionalen Lebensmittelzutaten. Die klassische europäische Rübenzuckerproduktion verliert dagegen Produktionskapazitäten.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Bild (27.08.26)Økologisk Nu (26.08.26)Nordzucker (25.08.26)

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