In Deutschland könnte die Überschuldung 2026 erneut deutlich zunehmen. Creditreform warnte am 26. August in Berlin vor einem weiteren signifikanten Anstieg. Bereits 2025 galten 5,67 Millionen Erwachsene als überschuldet, 111.000 mehr als ein Jahr zuvor. Als Hauptbelastungen nennt die Wirtschaftsauskunftei hohe Lebenshaltungskosten und den schwachen Arbeitsmarkt. Viele Haushalte haben jedoch kaum noch Reserven, während unerwartete Ausgaben schneller zu dauerhaften Zahlungsproblemen führen können.
Hohe Preise zehren finanzielle Reserven auf
Nach sechs Jahren mit sinkenden Zahlen drehte sich die Entwicklung bereits 2025. Die Überschuldungsquote stieg von 8,09 auf 8,16 Prozent. Zugleich nahm die Zahl der Betroffenen um zwei Prozent auf 5,67 Millionen zu. Creditreform sieht darin eine Trendwende, weil die finanziellen Puffer vieler Verbraucher nach den Krisenjahren kleiner geworden sind.

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Der Preisauftrieb hat sich inzwischen abgeschwächt, doch das Preisniveau bleibt hoch. Im Juli 2026 lag die Inflationsrate bei 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Außerdem kosteten Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke laut Destatis rund 36,8 Prozent mehr als 2020. Der gesamte Verbraucherpreisindex lag 25,6 Prozent über dem Niveau des Basisjahres 2020. Eine niedrigere Inflationsrate nimmt die früheren Preissprünge jedoch nicht zurück.
Arbeitslosigkeit verschärft finanzielle Probleme
Während die Preise hoch bleiben, zeigt auch der Arbeitsmarkt Schwäche. Im Juli waren 3,007 Millionen Menschen arbeitslos, 28.000 mehr als ein Jahr zuvor. Zudem lag die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Mai um 69.000 unter dem Vorjahreswert. Für die Überschuldung ist das relevant, weil Einkommensverluste bestehende Kredit- und Mietverpflichtungen schnell untragbar machen können.
Die Daten der Schuldnerberatungsstellen zeigen jedoch, dass finanzielle Not mehrere Ursachen hat. Erkrankung, Sucht oder Unfall waren 2025 mit 18 Prozent der häufigste Hauptauslöser. Arbeitslosigkeit folgte mit rund 17 Prozent, außerdem lagen die durchschnittlichen Schulden bei 34.650 Euro. Mehr als die Hälfte der Ratsuchenden lebte allein, weshalb sämtliche Fixkosten auf nur einem Haushaltseinkommen lasteten.
Überschuldung steigt schneller als Verbraucherinsolvenzen
Bei den Privatinsolvenzen zeigt sich bislang kein sprunghafter Anstieg. Die Amtsgerichte registrierten im Mai 5.926 Verbraucherinsolvenzen und damit 10,3 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Von Januar bis Mai waren es jedoch 32.093 Fälle, 1,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die aktuelle Warnung vor steigender Überschuldung erscheint deshalb eher als Frühindikator als als Beschreibung einer bereits laufenden Insolvenzwelle.
Creditreform erwartet dennoch eine weitere Verschärfung, falls Kosten und Arbeitsmarkt ungünstig bleiben. Patrik-Ludwig Hantzsch sagt: „Angesichts des hohen Kostendrucks und des schwachen Arbeitsmarktes halte ich einen weiteren signifikanten Anstieg für möglich“. Entscheidend ist deshalb nicht nur die aktuelle Inflationsrate, sondern auch das dauerhaft höhere Preisniveau. Steigt die Zahl der Betroffenen weiter, dürften mehr Haushalte ihre finanziellen Verpflichtungen dauerhaft nicht mehr vollständig erfüllen können.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Handelsblatt (26.08.26) – Statistisches Bundesamt (14.08.26) – Destatis (15.07.26)
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