Die Kernkraft-Renaissance gewinnt weltweit im Jahr 2026 an Tempo, wobei China, Südkorea und weitere Staaten in Asien den Neubau anführen. Eine neue McKinsey-Analyse nennt KI-Rechenzentren, Elektromobilität, Industrieelektrifizierung, Klimaziele und Energiesicherheit als zentrale Treiber. Die IAEA zählt inzwischen 417 Reaktoren im Betrieb und 77 Anlagen im Bau. China errichtet davon allein 37 Reaktoren, während Südkorea mit standardisierten Bauprogrammen vergleichsweise kurze Projektzeiten erreicht. Der globale Ausbau hängt jedoch von Finanzierung, Fachkräften, Genehmigungen und stabilen Lieferketten ab. Verzögerungen erhöhen deshalb die Kosten, binden Kapital und können geplante Reaktoren um Jahre verschieben.
Kernkraft-Renaissance verlagert den Neubau nach Asien
China dominiert den aktuellen Neubau, während westliche Staaten vor allem bestehende Anlagen länger betreiben. Laut OECD-NEA entfallen mehr als 33 Gigawatt der derzeit entstehenden Kapazität auf China. Das Land setzt außerdem auf wiederkehrende Reaktordesigns, große Serien und eng verzahnte Staatskonzerne. Dadurch erreichen einzelne chinesische Projekte den Netzanschluss bereits nach etwa sechs Jahren.

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Auch Südkorea zeigt, wie Standardisierung Bauzeiten und Kosten senkt. Dort verwenden Betreiber bewährte Entwürfe, stabile Lieferanten und eingespielte Projektteams. Der koreanisch geführte Bau des Kernkraftwerks Barakah in den Vereinigten Arabischen Emiraten folgte deshalb einem Vier-Block-Programm. Der wiederholte Bau senkte die Kosten vom ersten bis zum vierten Block laut McKinsey um rund 40 Prozent.
Bauzeit entscheidet stärker als Brennstoffkosten
Einzelprojekte, nachträgliche Änderungen und lange Unterbrechungen bremsen die Kernkraft-Renaissance in Europa und den USA. Kapitalaufwand macht bei neuen Anlagen rund 60 Prozent der Stromgestehungskosten aus. Deshalb verteuern lange Bauzeiten zugleich Kredite, Personal und Baustellenorganisation. Gegenüber Südkorea entstehen in Frankreich und den USA laut McKinsey zusätzliche Baukosten von 50 bis 60 Dollar je Megawattstunde.
Die OECD-NEA beziffert den weltweiten Kapitalaufwand für neue Kernkraft zuletzt auf rund 30 Milliarden Dollar pro Jahr. Für ihren ambitionierten Ausbaupfad müssten allein OECD-Länder jedoch durchschnittlich 68 Milliarden Dollar jährlich mobilisieren. Im Szenario einer Verdreifachung steigt der Bedarf sogar auf 143 Milliarden Dollar. Private Investoren verlangen deshalb verlässliche Erlösmodelle, klare Haftungsregeln und staatliche Absicherung während der Bauphase.
Kleine Reaktoren lösen nicht alle Engpässe
Kleine modulare Reaktoren sollen Investitionen auf mehrere Ausbauschritte verteilen. Fabrikfertigung und einheitliche Module können außerdem Bauabläufe vereinfachen. Mehr als 90 Konzepte befinden sich jedoch noch in Entwicklung oder früher Umsetzung. Kanada startete im April 2026 den Bau eines 300-Megawatt-SMR am Standort Darlington. Serienvorteile entstehen deshalb erst, wenn Betreiber mehrere identische Anlagen tatsächlich bestellen und bauen.
Die Kernkraft-Renaissance benötigt zugleich deutlich größere Brennstoff- und Komponentenketten. Viele moderne Reaktoren brauchen HALEU, doch westliche Anbieter stellen bisher nur geringe Mengen bereit. Das US-Energieministerium investiert deshalb 2,7 Milliarden Dollar in neue Anreicherungskapazitäten und bis zu 800 Millionen Dollar in die Weiterverarbeitung. Engpässe bei Reaktordruckbehältern, Dampferzeugern und Spezialpumpen bleiben außerdem möglich. Der weltweite Ausbau entscheidet sich daher nicht an politischen Ankündigungen, sondern an Serienbau, Finanzierung und industrieller Umsetzung.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: IAEA (Stand: 15.07.26) – McKinsey Global Institute (30.06.26) – US-Energieministerium (Stand: 15.07.26) – World Nuclear News (14.07.26)
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