Vitol-Chef Russell Hardy: „Wir haben die verfügbaren Ölvorräte aufgebraucht“

Der Chef des weltgrößten unabhängigen Ölhändlers Vitol warnt vor aufgebrauchten verfügbaren Ölvorräten im Westen. „Im Westen gibt es keine weiteren Bestände mehr, die wir noch abbauen können. Wir haben die verfügbaren Bestände aufgebraucht“, sagte Russell Hardy beim Energy Intelligence Forum in London. Hintergrund sind massive Entnahmen aus Lagern seit Beginn des Iran-Kriegs sowie anhaltende Ausfälle im Nahen Osten und in Russland. Gleichzeitig bleiben Diesel und andere Ölprodukte knapp. Deshalb treffen weitere Lieferstörungen auf einen Markt, dem nach Hardys Einschätzung kaum noch frei verfügbare Reserven als zusätzlicher Puffer bleiben.

Ölvorräte im Westen: Vitol-Chef Russell Hardy erklärt die verfügbaren Bestände für aufgebraucht. Weitere Ausfälle könnten Preise treiben
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Ölvorräte im Westen können weitere Ausfälle kaum noch abfedern

Hardy spricht dabei ausdrücklich von den verfügbaren Ölvorräten. In den offiziellen Statistiken liegen weiterhin erhebliche Mengen Rohöl und Ölprodukte. Ein großer Teil davon lässt sich jedoch nicht kurzfristig zusätzlich auf den Markt bringen. Raffinerien, Pipelines und Terminals benötigen Betriebsbestände, während staatliche Notfallreserven politischen Freigaben unterliegen. Deshalb ist der tatsächlich mobilisierbare Puffer wesentlich kleiner als die Bruttobestände vermuten lassen.

Vitol hat dabei einen besonders direkten Blick auf den physischen Ölmarkt. Der Konzern gehört zu den weltweit größten Händlern von Rohöl und Kraftstoffen. Hardy zufolge benötigt der Markt weiterhin enorme Mengen aus dem Nahen Osten, damit Angebot und Nachfrage über den Winter im Gleichgewicht bleiben. Zuletzt verließen täglich etwa zwölf Millionen Barrel Rohöl und zwei Millionen Barrel Ölprodukte die Region. Ohne diese Mengen droht nach seiner Einschätzung sogar ein Ölpreis von 200 Dollar je Barrel.


Weltweite Ölbestände seit Februar um 507 Millionen Barrel gesunken

Die Zahlen der Internationalen Energieagentur zeigen ebenfalls einen massiven Abbau der Lagerbestände. Seit Februar schrumpften die weltweit beobachteten Vorräte um rund 507 Millionen Barrel. Allein im August gingen weitere 95 Millionen Barrel verloren. Durchschnittlich verschwanden damit seit Kriegsbeginn täglich rund 2,8 Millionen Barrel aus den Lagern. Deshalb bezeichnet auch die IEA die verbleibenden Puffer als zunehmend begrenzt.

Zugleich haben die IEA-Staaten bereits mehr als 300 Millionen Barrel ihrer Notfallreserven mobilisiert. Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser beziffert die weltweiten kommerziellen Bestände auf knapp sechs Milliarden Barrel. Allerdings seien davon höchstens zehn Prozent praktisch kurzfristig verfügbar. Standort, Ölqualität und Transportwege begrenzen den Zugriff zusätzlich. Deshalb kann die nominelle Bestandsmenge die tatsächliche Reservefähigkeit des Marktes deutlich überschätzen.

G7 müssen erneut strategische Ölreserven freigeben

Die G7 reagieren inzwischen mit einer weiteren Freigabe aus staatlichen Notfallbeständen. Insgesamt sollen 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel bereitgestellt werden. Allerdings waren Umfang und genaue Zusammensetzung zunächst nicht vollständig geklärt. Die IEA soll darüber Mitte Oktober entscheiden. Deshalb bleibt offen, wie schnell zusätzliche Mengen tatsächlich bei Raffinerien und Verbrauchern ankommen.

Europa meldet bisher dennoch keine akute Versorgungslücke. Die EU-Kommission erklärte Anfang Oktober, die Dieselversorgung sei weiterhin stabil. Gleichzeitig bleiben die Preise hoch, weil der Weltmarkt ungewöhnlich eng ist. Zudem liegen kommerzielle Lagerbestände im wichtigen Raum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen unter ihrem Fünfjahresdurchschnitt. Hardys Aussage bekommt dadurch zusätzliches Gewicht: Öl ist weiterhin vorhanden, doch der frei verfügbare Puffer für neue Krisen ist nach Einschätzung des Vitol-Chefs bereits aufgebraucht.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Reuters (06.10.26) – Finanzmarktwelt (06.10.26) – Rigzone (06.10.26) – The Business Times (06.10.26)

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