Russlands Rohölexport erreicht trotz Sanktionen höchsten Einnahmewert seit 2022

Russland hat mit seinem Rohölexport bis zum 5. April so viel verdient wie seit Juni 2022 nicht mehr. Treiber waren stark gestiegene Ölpreise, eine teilweise Erholung der Liefermengen und die höhere Nachfrage nach russischem Öl, nachdem der Krieg im Nahen Osten den Verkehr durch die Straße von Hormus massiv gestört hatte. Zeitweise saßen dadurch mehr als 12 Millionen Barrel Rohöl pro Tag aus dem Mittleren Osten im Persischen Golf fest. Zugleich leerten sich russische Bestände auf Tankern deutlich, weil Raffinerien nach Ersatz suchten. Allerdings dämpften ukrainische Drohnenangriffe auf Häfen an Ostsee und Schwarzem Meer den Anstieg, während eine zunächst auf zwei Wochen angelegte Feuerpause im Iran-Konflikt die Ölpreise sofort wieder unter Druck setzte (bloomberg: 08.04.26).


Rohölexport bringt Moskau wieder Milliarden

Im Vierwochenschnitt stieg der Bruttowert der russischen Ausfuhren bis zum 5. April auf 2,02 Milliarden Dollar pro Woche. In der Vorperiode hatte der Wert noch bei 1,79 Milliarden Dollar gelegen. Damit erreichte Moskau den höchsten Stand seit Juni 2022, weil die Preise deutlich anzogen.

Russlands Rohölexport erreicht trotz Sanktionen den höchsten Einnahmewert seit 2022, getrieben von höheren Ölpreisen und starker Nachfrage
Russlands Rohölexport erreicht trotz Sanktionen den höchsten Einnahmewert seit 2022, getrieben von höheren Ölpreisen und starker Nachfrage

Die Sorte Urals verteuerte sich bereits die fünfte Woche in Folge. Über die Ostsee lag der Durchschnittspreis bei 85,73 Dollar je Barrel, während Schwarzmeer-Ladungen 84,07 Dollar erreichten. Das Pazifiköl ESPO kam im Mittel auf 92,11 Dollar je Barrel. In Indien stiegen die Lieferpreise sogar auf 113,76 Dollar je Barrel, weshalb der Einnahmeschub zusätzlich an Tempo gewann.

Drohnen bremsen Häfen und Liefermengen

Bei den Exportmengen zeigte sich zwar eine Erholung, jedoch blieb das Niveau gedrückt. In der Woche bis zum 5. April verluden 28 Tanker insgesamt 20,88 Millionen Barrel russisches Rohöl. In der Vorwoche waren es 16,62 Millionen Barrel auf 22 Schiffen gewesen. Im Tagesschnitt stiegen die Ausfuhren damit um rund 610.000 Barrel auf 2,98 Millionen Barrel pro Tag.

Besonders wichtig war die Erholung im Hafen Primorsk, nachdem frühere Angriffe den Betrieb gestört hatten. Aus Ust-Luga floss dagegen weiter kein Öl ab, weil Drohnen dort schwere Schäden an Tanks verursacht hatten. Ein neuer Angriff traf den Hafen genau in dem Moment, als die Verladung wieder anlaufen sollte. Deshalb dürfte der Ausfall länger dauern, während auch Wetter, Wartungen und Sanktionen die Mengen zusätzlich schwanken lassen.

Tankerlager schrumpfen, Indien kauft mehr

Parallel zu den niedrigeren Abflüssen aus russischen Häfen sanken die schwimmenden Lagerbestände deutlich. In den zwei Wochen bis zum 5. April nahm die auf Tankern gelagerte Menge um rund 26 Millionen Barrel ab. Bis Sonntag fiel das Volumen auf See auf 105 Millionen Barrel. Mitte Januar hatte der Höchststand noch bei etwa 140 Millionen Barrel gelegen.

Vor allem Indien kaufte wieder mehr russisches Öl. Die Lieferungen an das Land stiegen im März auf 1,9 Millionen Barrel pro Tag und erreichten damit den höchsten Wert seit Juni. Möglich wurde das auch durch US-Ausnahmen für Käufe von russischem Öl, das vor dem 12. März auf Tanker geladen worden war. Nach China gingen zuletzt geringere Mengen als im Rekordmonat Februar, zugleich dürften viele Ladungen ohne endgültige Zielangabe später dennoch in Asien ankommen.


Hohe Einnahmen bleiben anfällig

Trotz des Schubs bleibt Russlands Lage fragil. Ein Teil der höheren Erlöse entstand nur, weil der Nahostkrieg das globale Angebot verknappte und die Preise nach oben trieb. Sollte die Feuerpause halten und Hormus wieder normal befahrbar sein, könnten die Preise deshalb erneut sinken.

Hinzu kommt, dass der Rohölexport über zentrale Häfen weiter verwundbar bleibt. Angriffe auf Ust-Luga und andere Anlagen treffen nicht nur einzelne Lieferungen, sondern stören die gesamte Logistik. Deshalb profitiert der Kreml nicht vollständig vom Preisanstieg. Der russische Rohölexport liefert derzeit wieder deutlich mehr Geld, doch dieser Effekt hängt zugleich an Krisen, Ausfällen und politischen Risiken.

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