Der Offshore-Zulieferer EEW will bis Jahresende mehr als 100 Stellen der Kernbelegschaft abbauen. Zugleich soll der Einsatz von Leiharbeitern fast vollständig enden. Auslöser sind fehlende neue Offshore-Aufträge, Konkurrenz aus China und eine erwartete Unterauslastung bis Ende 2028. Die für 2026 vorgesehenen Flächenauktionen wurden außerdem auf 2027 verschoben. Gleichzeitig sind große bereits vergebene Nordseeprojekte unsicher. Damit verliert einer der größten Industriearbeitgeber Mecklenburg-Vorpommerns rund zehn Prozent seiner Stammbelegschaft. Deutschland will die Offshore-Leistung jedoch bis 2045 auf mindestens 70 Gigawatt ausbauen.

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EEW streicht Kernstellen und fährt Leiharbeit zurück
Im Rostocker Überseehafen fertigt EEW seit 2008 Monopiles für Offshore-Windräder. Das Unternehmen gehört in diesem Segment zu den weltweit führenden Herstellern. Am Standort arbeiten derzeit rund 1.000 Menschen. Nach Angaben der Ostsee-Zeitung betrifft der Abbau mehr als 100 Beschäftigte der Kernbelegschaft. Außerdem sollen Leiharbeiter ab Ende dieser Woche kaum noch eingesetzt werden. Der Stellenabbau soll zunächst freiwillig erfolgen, betriebsbedingte Kündigungen schließt die Geschäftsführung jedoch nicht aus.
Schon Anfang September hatte Geschäftsführer Robert Dreves vor schwächeren Aufträgen für die kommenden zwei Jahre gewarnt. Nun erwartet EEW nach NDR-Informationen eine geringe Auslastung bis einschließlich 2028. Als Belastung nennt das Unternehmen außerdem den Wettbewerb mit chinesischen Anbietern. Vorgeformte Stahlteile aus China können nach NDR-Angaben zollfrei in die EU gelangen. Dadurch wächst der Preisdruck auf europäische Hersteller, während neue deutsche Aufträge fehlen.
Auktionspause reißt Lücke in die Offshore-Projektpipeline
Die Auftragslücke hängt eng mit der deutschen Offshore-Planung zusammen. Bei der Ausschreibung zweier Flächen im August 2025 ging kein Gebot ein. Die für 2026 vorgesehenen Auktionen wurden deshalb auf 2027 verschoben. Ende September legte die Bundesregierung zudem eine Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes vor. Sie begründet den Schritt mit dem schwierigen Marktumfeld. Ab 2027 soll ein neuer Ausschreibungskorridor von 2.000 bis 4.800 Megawatt pro Jahr gelten.
Gleichzeitig geraten bereits vergebene Großprojekte ins Wanken. BP hat nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung Arbeiten an zwei Nordseeprojekten praktisch gestoppt. Auch bei weiteren bereits vergebenen Projekten bestehen Unsicherheiten. Der Offshore-Verband warnt deshalb vor Lücken in der industriellen Projektfolge. Neue Bestellungen erreichen Hersteller wie EEW außerdem erst mit erheblicher Verzögerung. Langfristige Ausbauziele verhindern daher keine kurzfristigen Beschäftigungsverluste.
Werkserweiterung trifft auf kurzfristigen Auftragsmangel
Parallel plant EEW weiterhin eine Erweiterung des Rostocker Standorts. Das Werk braucht zusätzliche Flächen, weil künftige Monopiles größer werden. Die Stadt hatte dafür bereits Planungsverfahren angestoßen. Diskutiert wurden Erweiterungsflächen von bis zu 40 Hektar. Teile des geschützten Waldgebiets Swienskuhlen waren dabei ebenfalls im Gespräch. Zugleich werden Alternativen geprüft, während das Unternehmen an Rostock als Produktionsstandort festhält.
Der Stellenabbau zeigt deshalb eine Lücke zwischen Ausbauziel und industrieller Realität. Deutschland plant mindestens 70 Gigawatt Offshore-Leistung bis 2045. Dafür braucht die Branche jedoch eine kontinuierliche Folge tatsächlich realisierter Projekte. Ausschreibungen blieben zuletzt ohne Bieter, wurden verschoben oder bereits vergebene Projekte gerieten ins Stocken. Für Zulieferer zählt deshalb nicht allein das politische Ziel für 2045. Entscheidend sind konkrete Bestellungen für die kommenden Jahre. EEW zieht daraus nun Konsequenzen für mehr als 100 Arbeitsplätze.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Ostsee-Zeitung (07.10.26) – NDR (06.10.26)
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