Argentinien plant privat finanzierten Atomreaktor für 1,2 Milliarden Dollar

Argentinien will am Nuklearstandort Atucha einen neuen Atomreaktor mit rund 300 Megawatt Leistung bauen. Das Projekt soll vollständig privat finanziert werden und ein Investitionsvolumen von 1,2 Milliarden US-Dollar erreichen. Wirtschaftsminister Luis Caputo stellte die Pläne Anfang Juli gemeinsam mit dem Projektentwickler Meitner Energy vor. Das Unternehmen will den argentinischen Reaktorentwurf ACR-300 erstmals kommerziell verwirklichen. Allerdings fehlen noch ein verbindlicher Baubeginn, die atomrechtliche Genehmigung und ein Termin für die Inbetriebnahme. Dennoch könnte das Vorhaben rund 2.000 direkte Arbeitsplätze in Entwicklung, Bau und Betrieb schaffen.


Atomreaktor in Atucha wird privat finanziert

Meitner Energy will die Anlage auf dem Gelände des bestehenden Kraftwerkskomplexes Atucha errichten. Der Standort liegt bei Lima in der Provinz Buenos Aires, etwa 100 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt. Dort laufen bereits die Reaktoren Atucha I und Atucha II. Deshalb kann das Projekt auf vorhandene Stromanschlüsse, Fachkräfte und nukleare Infrastruktur zurückgreifen.

Meitner Energy plant in Argentinien einen privat finanzierten Atomreaktor vom Typ  ACR-300 mit 300 Megawatt Leistung zu bauen
Meitner Energy plant in Argentinien einen privat finanzierten Atomreaktor vom Typ ACR-300 mit 300 Megawatt Leistung zu bauen
Bild: Shutterstock

Die Finanzierung soll aus privatem Kapital stammen und nicht aus dem argentinischen Staatshaushalt. Damit wäre der ACR-300 der erste privat finanzierte Leistungsreaktor des Landes. Meitner Energy vereint Kapital aus den USA und Argentinien. Das Unternehmen hatte seine Bauabsicht bereits im Mai angekündigt, jedoch zunächst keine Investitionssumme genannt. Wirtschaftsminister Caputo bezifferte das Volumen nun auf 1,2 Milliarden US-Dollar.

ACR-300 soll argentinische Nukleartechnik vermarkten

Der geplante ACR-300 gehört zur Gruppe kleiner modularer Reaktoren, die international als SMR bezeichnet werden. Mit rund 300 Megawatt elektrischer Leistung liegt er jedoch am oberen Ende dieser Reaktorklasse. Das Konzept stammt vom argentinischen Technologieunternehmen INVAP. Der Staatskonzern entwickelt seit Jahrzehnten Forschungsreaktoren und exportiert Nukleartechnik in mehrere Länder.

Nach Fertigstellung wäre die Anlage der weltweit erste Reaktor dieses Typs. Allerdings befindet sich das Projekt derzeit noch in der Entwicklungsphase. Mehr als 120 Fachkräfte arbeiten laut Meitner Energy bereits am ACR-300. Die konzeptionelle Planung sei abgeschlossen, außerdem laufe inzwischen die grundlegende technische Ausarbeitung. Zwei internationale Prüfungen des bisherigen Entwurfs habe das Unternehmen bereits absolviert.


Steuervergünstigungen ändern die private Finanzierung nicht

Das Projekt könnte künftig vom geplanten Investitionsregime „Super RIGI“ profitieren. Dieses Programm sieht unter anderem langfristige Steuerstabilität und einen erleichterten Zugang zu Devisen vor. Dafür muss ein Vorhaben in einem neuen Industriezweig mindestens eine Milliarde US-Dollar umfassen. Das Abgeordnetenhaus hat die Regelung bereits gebilligt, jedoch steht die Zustimmung des Senats noch aus.

Solche Vergünstigungen bedeuten allerdings keine staatliche Finanzierung des Reaktorbaus. Meitner Energy muss das Investitionskapital selbst aufbringen und die wirtschaftlichen Risiken tragen. Der ACR-300 bleibt deshalb privat finanziert, selbst wenn das Unternehmen steuerliche Vorteile nutzt. Offen sind dennoch zentrale Fragen zu Kreditgebern, Baupartnern und künftigen Stromabnehmern.

Argentinien verbindet das Vorhaben außerdem mit einer stärkeren wirtschaftlichen Nutzung seiner Nukleartechnik. Die Regierung hatte bereits 2025 über vier ACR-300-Reaktoren am Standort Atucha gesprochen. Konkrete Fortschritte blieben damals jedoch aus. Nun soll privates Kapital den ersten Bau ermöglichen und später auch den Export des Reaktortyps unterstützen. Ob das gelingt, entscheidet sich an Genehmigung, Finanzierungssicherheit und den tatsächlichen Baukosten.

Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Buenos Aires Herald (03.07.26)Minergy (02.07.26)El Diario AR (02.07.26)SWI Swissinfo (02.07.26)EnergyNews (08.07.26)

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