Ehemalige Leiter deutscher Kernkraftwerke und kerntechnische Experten fordern die Bundesregierung zu einer Kurskorrektur auf. In Berlin appellieren sie an Bundeskanzler Friedrich Merz, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Unionsfraktionschef Jens Spahn, ein Kernkraft-Comeback für stillgelegte Anlagen ernsthaft zu prüfen. Ihr Kernargument lautet: „Kernkraft-Reaktivierung ist möglich und sinnvoll“. Der Vorstoß wurde am 25. Juni 2026 öffentlich und betrifft vor allem Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2. Die Unterzeichner sehen technische Chancen, jedoch auch ein enges Zeitfenster. Für Industrie und Verbraucher geht es deshalb um Stromkosten, gesicherte Leistung und Versorgungssicherheit.
Ex-AKW-Chefs wollen politische Entscheidung
Die Ex-AKW-Chefs verlangt keine bloße Debatte über Symbolpolitik, sondern eine konkrete Prüfung. Ihr Satz lautet: „Wir bitten Sie, eine Reaktivierung der deutschen Kernkraftwerke zu unterstützen.“ Damit richten sich frühere Anlagenleiter direkt an die politische Spitze von Regierung und Unionsfraktion. Außerdem verschiebt der Brief der Experten die Diskussion von Parteipositionen auf technische Machbarkeit.

Die Experten verweisen auf weiter vorhandenes Wissen in Industrie und Ausbildung. In Spanien, der Schweiz, den Niederlanden, Brasilien und Argentinien laufen oder entstehen Anlagen mit deutscher Technik. Deshalb gebe es noch Erfahrung mit Betrieb, Brennstoffmanagement und Qualifikation. Ein Kernkraft-Comeback wäre aus Sicht der Unterzeichner also keine Rückkehr aus dem Nichts.
Kernkraft-Comeback trifft auf alte Beschlüsse
Die letzten deutschen Kernkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 gingen am 15. April 2023 vom Netz. Zuvor hatte Olaf Scholz wegen der Energiekrise noch einen befristeten Streckbetrieb zugelassen. Der Atomausstieg reicht jedoch weiter zurück. Rot-Grün beschloss ihn im Jahr 2000. Angela Merkel bestätigte ihn nach Fukushima 2011.
Genau diesen Kurs halten die Unterzeichner für eine Fehlentscheidung. Sie argumentieren außerdem mit erhaltenen Standorten, Gebäuden, Anlagenteilen und Resten des Personalstamms. Diese Basis könne man wieder ausbauen, falls die Politik rechtliche und wirtschaftliche Hürden beseitigt. Die drei letzten Blöcke lieferten im Normalbetrieb rund 32 Terawattstunden Strom pro Jahr. Das entspricht ungefähr dem Jahresverbrauch von neun Millionen Haushalten.
Betreiber, Recht und Kosten bleiben entscheidend
Die Bundesregierung muss jedoch mehrere harte Gegenargumente klären. Frühere Betreiber lehnen eine Rückkehr bislang ab und treiben den Rückbau weiter voran. Außerdem fehlt ein neuer atomrechtlicher Rahmen für Betrieb, Sicherheitsnachweise, Brennstoffversorgung, Haftung und Entsorgung. Deshalb wäre eine Reaktivierung auch bei technischer Machbarkeit kein schneller Schalter im Maschinenraum.
Auch die Kosten bleiben umstritten. Jens Spahn verwies im April auf Studien mit rund neun bis zehn Milliarden Euro für stillgelegte Reaktoren. KernD sieht einzelne Anlagen günstiger, während Kritiker auf Rückbau, Sicherheitsprüfungen und fehlende Betreiber verweisen. Für ein Kernkraft-Comeback bräuchte Deutschland deshalb zuerst eine klare politische Haftungs- und Investitionsentscheidung. Katherina Reiche blickt zugleich eher auf neue Konzepte wie Small Modular Reactors.
Verfasser: Blackout News
Verwendete Quellen: Bild (26.06.26) – Nuklearia (25.06.26) – Tagesschau (16.04.26) – Apollo News (27.06.26) – Focus (10.03.26)
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