In Monaco und Florida haben Scorpio Tankers und Ampera Anfang April 2026 eine Kooperation gestartet, um kleine SMR-Reaktoren für die Schifffahrt zu entwickeln und zu vermarkten. Auslöser sind steigende Kosten für Schweröl, strengere CO₂-Vorgaben und das Problem, große Schiffe auf langen Routen anders mit Energie zu versorgen. Die Anlagen sollen 15 bis 30 Megawatt leisten und laut Konzept bis zu 30 Jahre ohne Nachladen Strom liefern. Damit könnten Tanker, Autofrachter und Containerschiffe nahezu emissionsfrei fahren. Der entscheidende Risikofaktor bleibt jedoch die Sicherheit der Nukleartechnik auf See. Trotzdem treiben inzwischen fünf Unternehmensgruppen die Rückkehr des Atomfrachters voran (ingenieur; 14.04.26).
Schifffahrt sucht Ersatz für teures Schweröl
Der Druck auf Reeder wächst, weil der CO₂-Ausstoß Schritt für Schritt teurer wird. Zugleich steigen die Anforderungen an die Treibstoffqualität. Deshalb verliert Schweröl an Attraktivität. Batterien helfen auf langen Strecken kaum, weil sie zu viel Raum brauchen und zu schwer sind. Außerdem dauert das Laden zu lange. Auch Brennstoffzellen lösen das Problem nur begrenzt, weil ihre Tanks viel Platz beanspruchen.

Kleine Reaktoren wirken deshalb für einige Betreiber plötzlich wirtschaftlich interessant. Sie liefern über Jahre konstant Strom für Antrieb, Kühlung, Navigation und Bordtechnik. Das Prinzip ist nicht neu, denn Atom-U-Boote und Eisbrecher zeigen seit langem, dass nukleare Antriebe auf See technisch machbar sind. Anders als frühere Großreaktoren sollen moderne SMR-Anlagen kompakter und einfacher integrierbar sein. Genau darin liegt für die Branche der Reiz.
Thorium, lange Laufzeiten und neue Umbaupläne
Ampera setzt auf ein Konzept mit Thorium. Der Stoff ist selbst nicht spaltbar, wird im Reaktor jedoch schrittweise in Uran-233 umgewandelt. Die entstehende Wärme treibt über Kohlendioxid direkt einen Generator an. Die nötigen Neutronen kommen aus einer externen Quelle. Dadurch soll keine unkontrollierte Kettenreaktion entstehen. Wird diese Quelle abgeschaltet, stoppt der Reaktor sofort.
Scorpio-Tankers-Chef Emanuele Lauro begründet den Schritt mit der wachsenden Nachfrage nach „zuverlässigen, CO₂-freien Energielösungen“ für Schifffahrt, Offshore-Anlagen und Hafeninfrastruktur. Scorpio beteiligt sich zunächst mit zehn Millionen US-Dollar an der Anpassung der Reaktoren. Ampera geht zugleich von einem großen Markt aus. Firmenchef Brian Matthews sagt, mehr als 10.000 Handelsschiffe könnten von einem Umbau profitieren. Die Größenordnung ist enorm, weil die globale Schifffahrt jedes Jahr rund 350 Millionen Tonnen fossile Brennstoffe verbraucht und etwa drei Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verursacht.
Mehrere Projekte drängen auf den Markt
Die Idee beschränkt sich längst nicht auf ein einzelnes Vorhaben. Bereits 2024 legten ULC-Energy BV aus Amsterdam und C-Job Naval Architects eine Studie vor. Sie kam zu dem Ergebnis, dass ein Nuklearantrieb die Klimagasemissionen gegenüber Schweröl oder Diesel um 98 Prozent senken könnte. Währenddessen hat der australische Schiffsdesigner Seatransport für ein 73 Meter langes Landungsboot von Lloyd’s Register bereits eine grundsätzliche Genehmigung erhalten. Geplant sind dort Mikroreaktoren mit 1,2 bis 2,6 Megawatt.
Auch Allseas und HD Hyundai treiben eigene Konzepte voran. Allseas investiert 300 Millionen Dollar in einen Reaktor für Schiffe. Der Test an Land soll 2030 starten. Ab 2032 will das Unternehmen mit der Umrüstung beginnen. Das Offshore-Bauschiff „Pioneering Spirit“ soll die Premiere übernehmen. HD Hyundai arbeitet zudem mit dem American Bureau of Shipping an nuklear gestützten elektrischen Antrieben für große Containerschiffe. Damit nimmt der Wettbewerb deutlich Fahrt auf, während die offenen Sicherheitsfragen bleiben.
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